Nachdem wir Ihnen
gestern einen eher allgemeinen Bericht über Hacker und Cracker präsentierten, wollen wir Ihnen heute einige der schillerndsten Figuren der Szene vorstellen.
Wie alles begann:
Es war einmal ein Mann namens John T. Draper, der gegen Ende der sechziger Jahre entdeckte, dass man mit Hilfe einer Spielzeugpfeife aus einer Packung »Cap'n Crunch«-Cerealien die Ferngesprächsleitungen der Telefongesellschaft »Ma« Bell (damals noch nicht in »Baby Bells« zerlegt) unterbrechen und den Vermittlungsstellen danach Kommandos in Form von Tonfrequenzen erteilen konnte.
Draper, der unter seinem Spitznamen Cap'n Crunch weltberühmt wurde, gilt allgemein als der erste Hacker überhaupt. Er konstruierte aus einfachsten elektronischen Teilen ein Gerät, welches später »Blue Box« genannt wurde. Damit "erforschte" er er das amerikanische Telefonnetz , teils aus Neugier über Technik aber auch um Fehler aufzudecken, die er den Technikern der Gesellschaft meldete. Innerhalb nur weniger Monate fand diese Technik unzählige Nachahmer und die ersten »Phone Phreaks oder Phreaker«, wie sie sich nannten, nutzten sie zum kostenlosen Telefonieren und abhören von Telefongesprächen.
Das unverhoffte Ende:
Ein Artikel im Esquire, der diese Technik erläuterte, und in dem Cap'n Crunchs bürgerlicher Name genannt wurde, führte dann letztlich dazu, dass die Öffentlichkeit von den Vorgängen erfuhr und die Existenz der Underground-Szene nicht mehr länger geheim war. Die Telefongesellschaften machten Cap'n Crunch für alle illegalen Vorgänge verantwortlich, was dazu führte, dass er einige Monate im Gefängnis verbrachte, obwohl er bestritt, seine Fähigkeiten je für illegale Zwecke genutzt zu haben.
Noch bis weit in die neunziger Jahre war es mit der Blue Box möglich, in den USA und selbst in Deutschland, kostenlose Telefongespräche zu führen. Interessant wurde das Thema noch einmal, als 1996 die Telefongebühren drastisch erhöht wurden und sich so viele Hacker plötzlich mit horrenden Telefonrechnungen konfrontiert sahen.
Ein Happy End:
Die Geschichte des Cap'n Crunch endet jedoch nicht tragisch. Als der Apple II Computer erschien, wurde er von Steve Wozniak zu Apple geholt. Das allererste Mac-Textverarbeitungsprogramm »Easy Writer« schrieb er noch als Freigänger. Nach der Arbeit musste jeden Abend Arbeit ins Gefängnis zurück. Heutzutage beschäftigt er sich mit Webdesign und der Programmierung von C++-Anwendungen für den Mac und verbringt ansonsten möglichst viel Zeit abseits des PC und an der frischen Luft. Mit einem zwinkern in den Augen sagte er einmal, dies lasse ihn wesentlich jünger aussehen als er sei. Ausserdem verschaffe es ihm extrem viel Lebensenergie.
Im zweiten Teil unserer Serie, werden wir Ihnen morgen Richard Stallman und Steve Wozniak vorstellen.