Kurz vor Weihnachten hatte die Deutsche Telekom einen Antrag zur Nutzung der Vectoring-Technologie bei der zuständigen Bundesnetzagentur eingereicht. Eine mündliche Anhörung veranstaltet die Bonner Regulierungsbehörde am 24. Januar. Mit Hilfe von Vectoring lässt sich die VDSL-Bandbreite auf Kupfernetzen verdoppeln und auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) erhöhen. Schon kurz nach Bekanntwerden des Telekom-Antrags zogen die Vectoring-Pläne die erneute Kritik der Branchenverbände BREKO und BUGLAS auf sich. Auch der VATM meldete sich in dieser Woche noch einmal zu diesem Thema zu Wort. Der Antrag habe die Zielsetzung verfehlt und bremse den bundesweiten Breitbandausbau aus. Der VATM fordert statt Remonopolisierung einen Investitionswettbewerb und schlägt nun faire Regeln für die Verwendung der Vectoring-Technologie vor.
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VATM: Breitbandausbau kommt zum Erliegen
Mit dem Vectoring-Einsatz könne die Telekom "den wesentlich teureren FTTB/H-Ausbau um weitere zehn Jahre aufschieben", kritisiert VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner jedoch zunächst. Für den Zeitraum von 2013 bis 2020 hätte die Telekom nach Angaben des Branchenverbandes sechs Milliarden Euro Investitionen in den Breitbandbau ins Spiel gebracht. "Das Sechs-Milliarden-Euro-Angebot soll der Preis sein, mit dem sich die Telekom einen Freischein zur Remonopolisierung des Breitbandmarktes erkaufen will", betont Grützner.
Das von der Telekom angebotene Bitstrom-Produkt bleibt aus Sicht des VATM "meilenweilt hinter dem zurück" was im vergangenen Jahr im Rahmen des NGA-Forums vereinbart worden sei. Einer der Hauptkritikpunkte: Wettbewerber wolle der Bonner Konzern demnach trotz noch nicht erprobter Technologie innerhalb von zwölf Monaten verbindlich zum Ausbau mit Vectoring verpflichten. Die Telekom drohe Wettbewerbern, die bereits schnelles VDSL anbieten mit Kündigung, wenn kein Vectoring nachgerüstet werde.
"Unter diesen Umständen ist völlig klar, dass der von alternativen Anbietern insbesondere in mit Breitband schlecht versorgten Gebieten und im ländlichen Bereich vorangetriebene VDSL-Ausbau schlagartig zum Erliegen kommen wird", sieht Grützner voraus. Vectoring sei in vielen Fällen wirtschaftlich und technisch nicht sinnvoll oder aus rechtlichen Gründen unmöglich. "Hier müssen wir gemeinsam nach Lösungen suchen, vectoringfähige Technik beschaffen, die Kundenverträge entsprechend anpassen und gemeinsam Tests durchführen", fordert der VATM-Geschäftsführer in Richtung der Telekom.
VATM gegen "Vectoring-Zwangsaufrüstung"
Als Lösung zur Befriedigung der Debatte um Vectoring schlägt der VATM einige, aus seiner Sicht faire, Regeln vor, die für alle Marktteilnehmer gelten sollen. Setzt ein Unternehmen beispielsweise VDSL mit Vectoring ein, wird die Verfügungshoheit des Unternehmens am Kabelverzweiger vertraglich oder durch die Regulierungsbehörde abgesichert. Es müsse dann allerdings Open Access in Form eines Bitstrom-Angebotes möglich sein. Damit könnten auch Kunden anderer Anbieter in den Genuss schnellerer Internetzugänge kommen.
Ein investitionswilliges Unternehmen soll seinen geplanten Ausbau von VDSL unter Einsatz von Vectoring zudem bis zu zwölf Monate vorher bei der Bundesnetzagentur anmelden können. Bei einer Überschneidung von Ausbauplanungen sollen Spielregeln greifen, die beispielsweise den vorhandenen regionalen Ausbau berücksichtigen. Ein Unternehmen, das einen Kabelverzweiger als erstes mit VDSL erschlossen hat, solle Investitionsschutz genießen. Eine "Zwangsaufrüstung" mit Vectoring solle es nicht geben. Innerhalb von 24 Monaten müsse der Erstinvestor allerdings seinen Kunden Vectoring anbieten, wenn ein weiteres Unternehmen den VDSL-Ausbau mit Vectoring anstrebt. Bei der mündlichen Anhörung bei der Bundesnetzagentur setzt der VATM auf einen Bestandsschutz für bereits getätigte Breitbandinvestitionen .
Einen chanchengleichen Einsatz der Vectoring-Technologie strebt auch der BREKO-Verband an und hat der Regulierungsbehörde einen entsprechenden Vorschlag vorgelegt."Wenn die Bundesnetzagentur unserem Vorschlag folgt, können sowohl die Deutsche Telekom als auch die Wettbewerber rasch die Vectoring-Technologie einsetzen, um damit den Glasfaserausbau für die Menschen in Stadt und Land gleichermaßen voranzutreiben", betonte Benedikt Kind, Leiter Recht und Regulierung beim BREKO, in der mündlichen Anhörung.


