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Dienstag, 30.10.2012 13:31

Telefónica Germany: Börsenauftakt geglückt, Geschäftspolitik in der Kritik

aus dem Bereich Mobilfunk

Der Mobilfunkanbieter Telefónica Germany hat am Dienstag einen gelungenen Börsenstart hingelegt. Nach dem milliardenschweren Börsengang notierte das Papier des o2-Netzbetreibers bei 5,70 Euro und verbuchte damit ein Plus von 10 Cent gegenüber dem Ausgabewert. Damit ist der größte deutsche Börsengang seit 2007 erfolgreich über die Bühne gegangen.

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1,45 Milliarden Euro eingenommen

Die spanische Mutter Telefónica kassiert für die Platzierung von gut 23 Prozent ihrer Anteile an der deutschen Tochter rund 1,45 Milliarden Euro - Geld, das der Mutterkonzern angesichts eines Schuldenberges von 58 Milliarden gut gebrauchen kann. Insgesamt wurden rund 258,8 Millionen Anteilsscheine zu je 5,60 Euro ausgegeben. Am Dienstagvormittag lag die Aktie an der Frankfurter Börse weiter im Plus. Das Papier kletterte zwischenzeitlich auf einen Höchststand von 5,78 Euro.

Der gute Start verdeutlicht das Vertrauen, das die Anleger in den o2-Netzbetreiber setzen. Telefónica Germany hatte Anfang Oktober bekanntgegeben, zum Jahresende eine Dividende von 500 Millionen Euro ausschütten zu wollen. Weitere Steigerungen stellte das Unternehmen für die Folgejahre in Aussicht. Als einer der Hauptgründe für den erfolgreichen Börsenauftakt gilt neben der vergleichsweise hohen Renditeaussicht vor allem der günstige Ausgabekurs. "Telefónica war bestrebt, die Transaktion mit einem niedrigen Preis abzusichern und so für Investoren attraktiver zu machen, da sie dringend zusätzliches Kapital benötigen", erklärte Credit-Agricole-Analyst Adrian Zunzunegui am Dienstag gegenüber der Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

Bewegungsdaten von o2-Kunden könnten vermarktet werden

Auch an anderer Stelle versucht der Konzern händeringend, neue Einnahmequellen zu erschließen beziehungsweise Kosten einzusparen. Erst in der vergangenen Woche hatte Telefónica Germany daher angekündigt, eine Netzfusion mit E-Plus anzustreben, um Synergien zu nutzen. Rund 4 Milliarden Euro sollen sich so einsparen lassen. Darüber hinaus plant der Anbieter in Kooperation mit dem Marktforschungsunternehmen GfK, über seine erst Mitte Oktober gegründete Datensparte "Dynamic Insights" anonymisierte Kundendaten zu vermarkten. Auch Bewegungsprofile von o2-Mobilfunkkunden könnten dabei einbezogen werden, noch gebe es für Deutschland aber keine konkreten Pläne, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

Datenschützer schlagen dennoch Alarm. Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein, sagte gegenüber tagesschau.de, Standortdaten seien hochsensibel, da sie eindeutig zeigten, wo sich jemand aufhalte. "Insofern sehe ich es mit großen Bauchschmerzen, dass jetzt offensichtlich Telekommunikationsunternehmen beginnen, diese Daten in die Welt zu streuen."

Christian Wolf / Mit Material der dpa
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