Es war still geworden um die Aktion "Flatrate-Protest". Fast schien es so, als ob die Protestbewegung, die sich gegen die Einstellung der T-Online-Flatrate richtete, aufgegeben habe. Doch Totgesagte leben länger und pünktlich zur CeBIT ist die Initiative wieder da. Am Sonntag, den 25.03.01 um 14.00 Uhr wird Flatrate-Protest weit über 72000 Protestunterschriften an T-Online übergeben.
Gesammelt wurden diese Unterschriften auf der Internetseite der Inititative aufgrund der Einstellung der Flatrate von T-Online. Man wollte damit zum einen zeigen, dass die neuen von T-Online selbst hochgelobten Tarife von den Kunden nicht angenommen werden und zum anderen, um sich für einen Großhandelstarif für alle Internet Service Provider (ISP) einzusetzen.
Ein Sprecher der Intititative rechnete vor, daß der am 15. Februar eingestellte Pauschaltarif von T-Online für 79 DM theoretisch 720 Onlinestunden zur Verfügung stellte. Im neuen Tarifmodell gibt es für 79 DM den Tarif
"Surftime 90", bei dem man 90 Onlinestunden erhält, was einer
Verachtfachung des Preises entspricht.
Der Pauschaltarif für ISP, die sogenannte Großhandelsflatrate (GHF)
soll den Flatratemarkt für alle Anbieter öffnen, da so die Betreiber im Voraus
wissen, wieviel Geld sie für die Benutzung der Leitungen der Telekom
bezahlen müssen. Bis heute werden diese Nutzungsgebühren im Minutentakt
abgerechnet. "Dies muss sich ändern!" verlangt Flatrate-Protest, denn der vielzitierte e-Commerce wird unter einer solchen Entwicklung leiden: Das Stöbern in Onlineshops bleibt aus, das Erkunden neuer Angebote wird nur noch unter Zeitdruck stattfinden.
Frankreichs Wirtschaft hat das erkannt und eine Petition für eine
"Flatrate für Alle" ins Leben gerufen, in Portugal wurde eine
Grosshandelsflatrate erwirkt und in Großbritannien ist ebenfalls bereits die erste Flatrate für 15 Pfund (ca. 45 DM) realisiert. Und auch in den Niederlanden wurde der staatlichen Telefongesellschaft eine Großhandelsflatrate "befohlen". Die Deutsche Telekom dagegen hat rechtliche Schritte eingeleitet und vergangene Woche einen ersten Erfolg errungen. Unahbhängig davon hat sie den Konkurrenten allerdings ein Angebot gemacht, dieses ist jedoch völlig inakzeptabel.
"Flatrate-Protest" weist darauf hin, daß noch im vergangenen Jahr der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder eine bundesweit verfügbare Flatrate für unter 100 DM versprochen hatte, während die Bundesregierung heute keinen Handlungsbedarf mehr in dieser Richtung sieht. In einer Fragstunde des Bundestages am 19.03 wurde erklärt, dass es eine bundesweit verfügbare Flatrate gäbe und die Kosten für 30 - 40 Stunden Onlinezeit - angeblich die Onlinezeit der Flatratenutzer in den USA oder Großbritannien - in Deutschland günstiger seien.
Der einzige, noch bundesweit und flächendeckend vertretene Flatrateanbieter AOL wird sich - nach Meinung von Flatrate-Protest - nicht mehr lange am Markt halten können, wenn die Nutzerzahl weiter ansteigt - die minutenabhängigen Gebühren seien einfach zu hoch. 40 Onlinestunden kosten bei einem Tarif von 2,5 Pf/Min 60 DM, also deutlich mehr als beispielsweise in Großbritannien.
Obwohl DSL-Angebote am Markt sind, geht der Ausbau nur sehr schleppend
voran. Selbst wenn die Telekom es schaffen sollte Ihr selbstgestecktes
Ziel, bis Ende 2001 90 Prozent aller Haushalte an den Breitbandanschluss
anzubinden, zu erreichen, verbleiben immer noch 10 Prozent der Haushalte, die
von so einem Angebot nicht Gebrauch machen können, da es DSL in diesen meist ländlichen Gegenden niemals geben wird.
Die Initiative "Flatrate-Protest" fordert daher eine
Großhandelsflatrate in Deutschland und hofft, dass sich sowohl die
Deutsche Telekom, als auch die Bundesregierung endlich besinnen und für
die Verbraucher und die Wirtschaft eine Großhandelsflatrate nach dem englischen ST FRIACO-Modell anstreben.
"Flatrate-Protest" lädt alle Nutzer herzlich ein, am 25.03.01 um 14.00 Uhr am Stand von T-Online (Halle 26, Stand A01) die Unterschriftenübergabe mitzuverfolgen. Nach der Übergabe soll ein Gespräch zwischen T-Online und
der Initiative stattfinden, bei dem allerdings auf Wunsch von T-Online
keine Pressevertreter anwesend sein werden.
Kommentar:
Die Initiative mach also ernst mit der Übergabe der Untschriften. Viele Nutzer hatten schon nicht mehr an eine solche geglaubt, doch wurden sie mit der jetzigen Ankündigung eines besseren belehrt. Trotzdem bleiben Zweifel am Erfolg der Aktion, denn T-Online ist eigentlich der falsche Ansprechpartner für die Initiative. Besser wäre es gewesen, sich direkt an die Telekom und Vertreter der Bundesregierung zu wenden.
Denn nur die Bundesregierung kann die politischen Vorgaben schaffen, um den Weg für eine Großhandelsflatrate letztlich zu ebnen. Was allerdings von der Politik momentan zu erwarten ist, wurde letzte Woche überdeutlich, als in einer Fragestunde der Handlungsbedarf bei Flatrates als nicht gegeben angesehen wurde. So wird es wohl einmal mehr beim guten Vorsatz bleiben, doch die Inititative kann mit der Übergabe vielleicht ein Signal setzen, das von anderen Teilen der Bevölkerung, Wirtschaft und Industrie aufgenommen und unterstützt wird. Vielleicht hat dann díe Flatrate in Deutschland doch noch eine Chance, wünschenswert wäre es.