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Freitag, 26.10.2012 14:16

Amazon: Kindle-Leihbücherei in Deutschland gestartet

aus den Bereichen Computer, Sonstiges

Kurz nach dem Deutschlandstart von Kindle Fire und Kindle Fire HD hat Amazon am Donnerstag auch seine Kindle-Leihbücherei geöffnet. Der bereits Mitte Oktober angekündigte Dienst für Kindle und Kindle Fire umfasst mehr als 200.000 E-Book-Titel, darunter allerdings lediglich etwas mehr als 8.500 deutschsprachige Werke. Die Nutzung ist an eine "Amazon Prime"-Mitgliedschaft gebunden, für die jährlich 29 Euro zu zahlen sind.

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Nur ein Buch pro Monat

Weitere Beschränkungen gibt es bei der Ausleihe selbst. So kann im Kalendermonat nur jeweils ein E-Book bezogen werden – insgesamt also nicht mehr als zwölf Titel pro Jahr. Komfortabel gelöst ist hingegen die dauerhafte Verknüpfung ausgeliehener E-Books mit individuellen Anpassungen: Wird ein Buch zurückgegeben und später erneut ausgeliehen, sind sämtliche darin gesetzten Lesezeichen, Markierungen und Anmerkungen weiterhin vorhanden. Gleiches gilt, wenn ein Titel später käuflich erworben wird.

Herunterladen und lesen lassen sich die Digital-Bücher ausschließlich über ein Kindle-Gerät, nicht aber an PC und Mac oder mit den für Android, iOS sowie Windows Phone verfügbaren Lese-Apps. Wer die US-Version der Leihbücherei kennt, wird darüber hinaus ein weiteres Feature vermissen: Anders als in Deutschland besteht dort die Möglichkeit, ausgeliehene Titel für maximal 14 Tage an Freunde und Bekannte weiterzureichen. Der Empfänger benötigt dabei nicht unbedingt einen Kindle-Reader, sondern kann wahlweise auf die Lese-Apps ausweichen. Weitere Informationen zu den hierzulande gültigen Nutzungsbedingungen sind über die Amazon-Homepage abrufbar.

Kindle Leihbücherei
Amazon wirbt mit diversen Bücher-Highlights für die Kindle-Ausleihe, die Mehrzahl der zum Start verfügbaren deutschen E-Books ist aber eher unbekannter Natur. Screenshot: onlinekosten.de

Auswahl noch dürftig

In der Praxis funktionierte die Ausleihe im Kurztest unserer Redaktion ansonsten zwar problemlos, gleichwohl offenbarte die Amazon-Bibliothek noch eine Reihe kleinerer Schwachstellen - etwa das Fehlen einer nur auf Leihbücher beschränkten Suchfunktion. Zur Strukturierung setzt Amazon bisher ausnahmslos auf Kategorien; sämtliche zur Ausleihe geeignete E-Books sind darüber hinaus mit einem "Prime"-Zusatz gekennzeichnet. Ebenfalls Luft nach oben gibt es bei der deutschsprachigen Literatur-Auswahl - bekanntere Titel oder gar Bestseller sind aktuell nur in homöopathischen Dosen vorhanden. Zwar wirbt Amazon auf seiner Website mit diversen Bücher-Highlights á la Henning Mankell, "Der Chinese", oder allen sieben "Harry Potter"-Bänden, letztendlich machen diese aber nur einen äußerst geringen Teil des deutschen Gesamtangebotes aus. In der Mehrzahl finden sich "Grabbeltisch"-Exemplare sowie unbekanntere Autoren, die ihre Bücher teilweise selbst über Amazons Direkt-Publizierungsprogramm "Kindle Direct Publishing" vermarkten.

Alles in allem wirkt die Leihbücherei damit bislang eher wie ein nettes Extra für "Prime"-Mitglieder, jedoch nicht als ernsthafte Konkurrenz für etablierte Angebote wie "Onleihe" - einen von hunderten deutschen Bibliotheken getragenes Angebot, das mit Kindle-Geräten mangels EPUB-Unterstützung nicht nutzbar ist. Der Online-Händler dürfte aber einiges daran setzen, den Rückstand zügig aufzuholen und die hauseigene Alternative attraktiver zu machen, erschließt sich doch so fast ganz nebenbei ein beachtliches Kundenpotenzial für die kostenpflichtige Premium-Option. Und zusätzliche Einnahmequellen sind bitter nötig: Trotz steigender Umsätze vermeldete der Konzern in seiner Schlussbilanz für das dritte Quartal ein dickes Minus von 274 Millionen Dollar.

Christian Wolf
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