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Sonntag, 28.10.2012 12:01

Stiftung Warentest: Laborbesuch bei Allesprüfern

aus dem Bereich Sonstiges

Brackemann geht davon aus, dass die Stiftung als kritisches Auge der Verbraucher das Qualitätsbewusstsein der Hersteller befördert habe. 2011 kamen rund 22.400 Produkte und Dienstleistungen auf den Prüfstand. Ein Test kostet im Schnitt 30.000 bis 40.000 Euro. Bei Nahrungsmitteln ist es oft mehr, weil der Aufwand an chemischen und mikrobiologischen Analysen hoch ist. Bei den E-Rädern wurden pro Muster 25.000 Euro veranschlagt. Zuletzt reihten sich die Warentest-Käufer in die Schlangen vor den Apple-Stores ein. "Beim iPhone 5 haben wir uns wie alle fünf Stunden angestellt", so Brackemann. Das Ergebnis steht schon im Internet und kommt auch in die nächste "Test"-Ausgabe.

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Dauerbrenner und schwarze Schafe

Dauerbrenner bei den Tests sind vor allem Waschmaschinen, Matratzen, Fernseher, Digitalkameras und Kindersitze. Hier findet mindestens jährlich eine Bestandsaufnahme statt. Immer häufiger macht die Stiftung bei den Produkten auch sogenannte CSR-Tests. Die Corporate Social Responsibility sagt etwas über die ethische Seite der Herstellung aus: Unter welchen Bedingungen entsteht das Produkt, wie geht man mit den Ressourcen um, wie sind die Löhne, spielt womöglich Kinderarbeit eine Rolle? "Da lassen wir uns die Türen der Firmen öffnen, das führt uns oft ins Ausland, nach China oder andere asiatische Länder", berichtet Brackemann.

Anita Stocker, Chefredakteurin der Zeitschrift "Test", gerät in Rage, wenn sie über schwarze Schafe unter den Anbietern spricht. Als bei einem Koffertest zwei Exemplare einer renommierten Marke wegen hoher Konzentrationen der krebserregenden Substanz PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) in den Koffergriffen durchfielen, äußerste die betroffene Firma auf Nachfrage durchaus Kenntnis über diese Problematik. "Das bringt mein Blut immer noch in Wallung", sagt Stocker. Sie weiß auch von Tricks, wie manche Produkte nach der Prüfung verändert oder Testurteile frei erfunden werden. Meist hat die Konkurrenz ein kritisches Auge und meldet solche Manipulationen.

Fallstricke bei Finanzdienstleistungen

"Am meisten wird mit Finanzdienstleistungen Schindluder getrieben", sagt Brackemann. Viele Verbraucher könnten das nicht wirklich durchschauen - zum Teil mit fatalen Folgen. Denn während ein schlechter Fernseher vielleicht nur ein paar Jahre ein mieses Bild ausstrahle, werde eine Fehlentscheidung bei der Rentenversicherung erst im Alter offenkundig. "Es gibt Versicherungstarife ohne Ende, Tausende von Unfallversicherungen - was soll das alles?", fragt der leitende Warentester und vermutet dahinter Methode: Der Verbraucher soll gar nicht mehr durchblicken und so im Dschungel der Tarife bewusst in die Irre gehen.

Die Urteile der Stiftung reichen von "sehr gut" bis "mangelhaft", im Schnitt wird eine Note von etwa 2,4 erteilt. Wenn Hersteller bei der Wertung mit dem Ergebnis betrügen, hat das Folgen. In diesem Jahr kam es bisher zu 75 Abmahnungen und 39 Unterlassungserklärungen wegen irreführender oder falscher Werbung. Die Stiftung geht nicht direkt gegen betroffene Firmen vor, weil sie kein Marktteilnehmer ist. Dabei verkörpern ihre 280 Mitarbeiter ein Sammelsurium verschiedenster Berufe - vom Mathematiker bis zum Lebensmittelchemiker. Neuerdings gibt es auch einen Theologen: "Obwohl wir nicht die Absicht haben, die Kirchen zu testen", offenbart Brackemann.

Christian Wolf / dpa
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