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Sonntag, 28.10.2012 12:01

Stiftung Warentest: Laborbesuch bei Allesprüfern

aus dem Bereich Sonstiges

Viele Testgeräte wurden selbst entwickelt, einige sind inzwischen selbst ein Produkt. Schon vor dem Mauerfall erreichten die Sachsen Aufträge aus dem Westen. Für Holger Brackemann, Bereichsleiter Untersuchungen bei der Stiftung Warentest, hat das gar nicht mal vordergründig finanzielle Gründe. "Die Firma war schon damals gut", sagt der promovierte Chemiker. Heute arbeitet die Stiftung mit mehr als 100 Prüflabors in Deutschland und im Ausland. Sie müssen eine Neutralitätsklausel unterzeichnen: Prüfungen für die Stiftung dürfen nicht in gleicher Weise und zeitgleich für die Industrie erfolgen. Ohnehin hat das Labor Stillschweigen zu bewahren.

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"Prüfer sind eine ganz besondere Spezies"

Die Prüfer haben sich damit abgefunden, "nicht alles zu Hause erzählen zu dürfen". "Gespaltene Persönlichkeiten sind wir deshalb nicht", sagt der Mann im EMV-Labor. "Die Verschwiegenheit steht im Arbeitsvertrag. Wir sehen hier auch Dinge, die erst in zwei Jahren in die Geschäfte kommen." Für den Vorsprung der Mitarbeiter sorgen die Hersteller selbst. Sie geben ihre Prototypen für "entwicklungsbegleitende" Tests in die Labors.

"Prüfer sind eine ganz besondere Spezies", sagt Brackemann. Sie müssten sehr pedantisch und penibel sein. Der Abteilungsleiter für Warenprüfung im sächsischen Labor pflichtet bei: "Klar, wir dürfen nun mal nichts vergessen." Bei den Tests sollen alle für den Verbraucher relevanten Eigenschaften überprüft werden. Es geht um Funktion, Handhabung, Haltbarkeit, Umwelt- und Energiebilanz sowie um Sicherheit. Bei den Staubsaugern muss allein der Motor 600 Stunden laufen. 500 Mal rumpelt das Gerät über eine Türschwelle oder stößt an einen Pfosten. Alle Daten werden an die Stiftung Warentest übermittelt, dort erfolgt die Auswertung.

Bekanntheitsgrad von 94 Prozent

Auch wenn die Tests hinter verschlossenen Türen ablaufen, ist der Auftraggeber allseits bekannt. "Wir haben in der Bevölkerung einen Bekanntheitsgrad von 94 Prozent", sagt Sprecherin Heike van Laak. Das sei ungefähr der Wert von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Tatsächlich ist die Institution mit dem markanten Siegel für viele Deutsche ein Gradmesser beim Einkauf. Aktuell haben rund 400.000 Bürger die Zeitschrift "Test" abonniert. Dazu gehen jeden Monat noch einmal 60.000 Hefte in den Einzelverkauf. Beim Pendant "Finanztest" liegt die Auflage bei insgesamt 233.000. Zudem gibt es nach eigenen Angaben pro Jahr 45 Millionen Besucher der Internetseite.

Brackemann zufolge ist der typische "Test"-Leser deutlich über 50, besser gebildet, mehrheitlich männlich und besitzt ein höheres Einkommen als der Schnitt. Bei "Finanztest" sei die Leserschaft um fünf bis zehn Jahre jünger und habe zudem noch mehr Geld in der Tasche. Finanziert wird die Arbeit der Stiftung überwiegend durch den Verkauf der beiden Zeitschriften. Außerdem erhält die Stiftung Bundesmittel als Ausgleich dafür, dass sie keine Werbeeinnahmen erzielt. Der Deutsche Bundestag hatte die Stiftung 1964 ins Leben gerufen, Neutralität gilt als oberstes Gebot. Anzeigen in den Publikationen sind tabu.

Während Firmen gern ein "sehr gut" oder "gut" der Stiftung als Werbung in eigener Sache auf die Produkte kleben, kann ein "mangelhaft" mitunter zu einer Unterlassungserklärung und damit vor Gericht führen. Brackemann ist stolz darauf, dass die Stiftung noch nie rechtskräftig zu Schadenersatz verurteilt wurde. Die Organisation verifiziert ihre Tests zur eigenen Qualitätskontrolle regelmäßig und korrigiert bei Fehlern auch die Bewertung - so geschehen beispielsweise bei einem Testurteil zur Riester-Rente, sagt Sprecherin van Laak.

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