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Freitag, 12.10.2012 13:55

Neue TLDs: ICANN plant Lotterieverfahren für Antragsprüfung

aus dem Bereich WebHosting

Nachdem das ursprünglich favorisierte Auswahlinstrument zur Gruppierung der insgesamt 1.923 Anträge für die neuen Top Level Domains (newTLDs), das sogenannte "digitale Bogenschießen", aus technischen Gründen abgesagt worden war, herrschte bei der internationalen Domain-Verwaltungsorganisation (ICANN) zunächst Ratlosigkeit über das weitere Vorgehen. Bewerber und Beobachter wurden daher aufgefordert, eigene Vorschläge einzubringen. Nun glaubt die ICANN allerdings, das passende Verfahren doch selbst gefunden zu haben. Der neue Plan kann nun 30 Tage lang kommentiert werden.

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Lotterieverfahren soll Reihenfolge bestimmen

Grundlage des favorisierten Modells ist eine Lotterie, an deren Teilnahme ein zum Preis von 100 Dollar offeriertes Ticket berechtigt. Aus rechtlichen Gründen kann dieses nur persönlich vor Ort erworben werden - entweder durch den Antragsteller selbst oder einen Bevollmächtigten, der auf Wunsch von der ICANN gestellt werden kann. Ein Online-Verkauf ist hingegen nicht möglich. Hintergrund des ungewöhnlichen Vorgehens sind nach ICANN-Angaben Gesetze in Kalifornien beziehungsweise den USA, denen zufolge es bestimmten gemeinnützigen Organisationen untersagt ist, Verlosungsaktionen zur Spendenakquise abzuhalten. Um das Lottoverfahren dennoch durchführen zu können, sei eine Ausnahmelizenz beantragt worden. Die Genehmigung werde bis Ende November erwartet.

Stattfinden soll die von unabhängigen Dritten überwachte Ziehung an einem noch nicht näher spezifizierten Tag zwischen dem 4. und 15. Dezember. Nähere Details will die ICANN noch bekanntgeben. Jeder Ticket-Käufer erhält pro Antrag eine Nummer zugewiesen und nimmt mit dieser an der Verlosung teil. Die Bearbeitung der ersten Bewerbungen soll Ende März 2013 beginnen und bis Juni abgeschlossen sein. Gleichzeitig wurde zudem die Widerspruchsfrist gegen TLD-Anträge um zwei Monate bis zum 13. März kommenden Jahres verlängert. Vorgesehen ist, pro Woche rund 100 Anträge zu berücksichtigen - Internationale Domain-Namen (IDN) erhalten eine bevorzugte Behandlung. Außerdem gilt: Bewerbungen von Domain-Aspiranten, die nicht an der Lotterie teilnehmen, werden erst ganz am Schluss in zufälliger Reihenfolge geprüft.

Da die Losnummern ihre Gültigkeit behalten, bleibt dies auch im weiteren Verlauf des TLD-Registrierungsverfahrens grundsätzlich so bestehen. Geplant ist, wöchentlich circa 20 neue TLDs in die Testphase zu überführen sowie ebenso viele endgültig zu vergeben. Das Höchstmaß liegt bei 1.000 Domain-Zulassungen pro Jahr, voraussichtlich beginnend ab dem zweiten Quartal 2013. Weitere Informationen zu den Konditionen sind über die ICANN-Homepage abrufbar.

Datenschützer und Internetwirtschaft kritisieren ICANN-Pläne zur Vorratsdatenspeicherung

Ein weiterer Plan der Domain-Verwaltungsorganisation stößt derweil auf herbe Kritik. Laut dem Verband der deutschen Internetwirtschaft, eco, sollen persönliche Daten von Inhabern einer Internet-Domain künftig weltweit zentral erfasst und bis zwei Jahre nach Ende der Registrierung in einer Datenbank gespeichert werden. Diese Verpflichtung soll Gegenstand neuer Verträge zwischen Domain- Anbietern und der ICANN sein, die ab dem 14. Oktober im Rahmen der ICANN-Konferenz in Toronto beraten werden. Die ICANN reagiere damit auf das Drängen von Strafverfolgungsbehörden und Regierungen, erklärte der Verband am Donnerstag.

"Die ICANN will die Registrare zur Speicherung sämtlicher personenbezogener Daten ihrer Kunden verpflichten, ohne dass es dafür nach deutschem oder europäischem Recht eine Rechtsgrundlage gibt. Dieser Ansatz ist nicht einmal von der umstrittenen EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung gedeckt“, so Oliver Süme, Vorstand für Recht, Politik und Regulierung bei eco, zu den ICANN-Plänen. Auch sei ein solches Unterfangen mit Millionenkosten für die Internetwirtschaft verbunden. Kritik kommt ebenfalls von der sogenannten Artikel-29-Gruppe, dem Beratungsgremium der europäischen Kommission zu Datenschutzfragen. Diese bezeichnete das Vorhaben als unrechtmäßig.

Christian Wolf
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