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Dienstag, 09.10.2012 07:54

YouTube-Manager: Millionen Kanäle denkbar

aus dem Bereich Sonstiges
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Aber braucht man nicht wirklich attraktive Inhalte, die auf einen Schlag Millionen mitreißen können, um im Fernsehgeschäft erfolgreich zu sein?

Kyncl: "Die Menschen sind verschieden. Was dem einen unattraktiv erscheint, begeistert den anderen. Ich würde es sogar vorziehen, wenn die Leute uns weiter fragen, wann wir denn endlich wirklich attraktive Inhalte bei YouTube bekommen, weil das bedeuten würde, dass wir etwas gefunden haben, was alle unterschätzten. Das ist wie bei Aktien: Mit offensichtlichen Entscheidungen kann man nicht groß gewinnen. Und wenn wir bei Google etwas machen, geht es nicht um kleine evolutionäre Schritte, wir wollen die Welt verändern. Bei Google gehen wir große Wetten ein - und liegen dann natürlich auch manchmal daneben."

Was ist die große Wette in Ihrem Fall?

Kyncl: "Erstens hoffen wir, mit dem "Trueview"-System einen neuen Standard für Werbung zu setzen, die der Zuschauer überspringen kann. Wenn wir damit erfolgreich sind, wird dies das Werbegeschäft revolutionieren. Die zweite Wette ist, dass wir jede Menge "weißer Flecken" finden, mit Interessen, die bisher nicht bedient werden - und das wäre dann ein Riesengeschäft. Wir können mit beidem auch danebenliegen - aber wieso sollten wir versuchen, das gleiche Geschäftsmodell zu kopieren, das es schon erfolgreich in der Fernsehbranche gibt?"

Gibt es nicht aber auch die Gefahr, dass Ihr Erfolg ganz nebenbei das Geschäftsmodell der heutigen Fernsehbranche torpediert? Der Tag hat für jeden nur 24 Stunden. Die Zeit, die Leute vor YouTube verbringen, sehen sie nicht fern, die Einschaltquoten sinken, die Werbeeinnahmen folgen - ist das nicht ein realistische Entwicklung?

Kyncl: "Ich bin jetzt seit zwölf Jahren in der Internet-Branche - und seitdem höre ich immer wieder diese Frage. Das Szenario klingt logisch, ist aber nicht eingetreten. Auch mit dem Aufstieg der Online-Videofirmen ist der TV-Konsum in den vergangenen Jahren nur gestiegen, allen solchen Prognosen zum Trotz. Entweder schauen sich die Leute Internet-Videos nebenbei an - oder sie sehen sich einfach viel mehr Sachen an als früher, auf allen möglichen Wegen. Mit mobilen Geräten kam zudem eine ganz neue Plattform hinzu. Ich glaube nicht, dass sich jemand Sorgen machen muss. Das Fernsehen geht in eine Richtung, wir in eine andere."

Wie werden wir also im Jahr 2020 fernsehen?

Kyncl: "Der Fernseher geht von allein an, wenn wir den Raum betreten, weil er eine Kamera hat, die uns erkennt. Sofort wird eine Liste der Lieblingsprogramme angezeigt - auch solcher aus der YouTube-Welt. Der Fernseher wird sich nicht nur mit dem Internet verbinden, sondern auch mit Ihrem Handy, damit sie Ihre Videos nahtlos weitersehen können. Es wird sehr viele neue Kanäle geben. Früher konnten sich die Leute nicht vorstellen, dass es mal 300 Programme im Fernsehen geben wird, jetzt werden es Millionen sein. Und die meisten davon werden Ihnen völlig egal sein, weil Sie sich nur das herauspicken werden, was Sie interessiert."

Jörg Schamberg / dpa
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