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Sonntag, 23.09.2012 00:01

Software-Piraterie: Microsoft beschuldigt Chinas Staatskonzerne

aus dem Bereich Computer

Obwohl China für westliche Unternehmen als Absatzmarkt stetig an Bedeutung zunimmt, herrscht in vielen Chefetagen Sorge über die vielfach in dem aufstrebenden Riesenreich zu beobachtende Missachtung von Patent- und Urheberrechten. Auch Microsoft-Produkte stehen dabei hoch im Kurs und werden massenhaft illegal verbreitet.

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Staatskonzerne sollen Software illegal nutzen

Nicht zuletzt aus diesem Grund tauchen etwa das Uralt-Betriebssystem Windows XP und das Browser-Urgestein Internet Explorer 6 noch regelmäßig in diversen Statistiken auf - laut ie6countdown.com surfen noch mehr als 21 Prozent der chinesischen Webnutzer mit dem Oldtimer im Netz. Sicherheitsaspekte werden dabei genauso ignoriert wie Lizenzen. Und nicht nur im privaten Umfeld wird offenbar fleißig kopiert. Auch chinesische Staatskonzerne stehen im Verdacht, großflächig mit unrechtmäßig erworbener Software zu arbeiten. Im vergangenen Monat hat Microsoft daher offiziell Beschwerde bei der Pekinger Regierung gegen vier prominente Firmen eingelegt, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Bezug auf drei nicht genannte Informanten.

Der Software-Piraterie beschuldigt werden demnach der Schienenbauer China Railway Construction Corp, der IT-Provider TravelSky Technology, das Post- und Logistikunternehmen China Post Group sowie der staatliche Ölkonzern China National Petroleum Group. Letzterer etwa besitze für mehr als 40 Prozent seiner Office- sowie Windows Server Client Programme keine gültigen Lizenzen, so der angebliche Vorwurf von Microsoft. Bei der China Railway Construction Corp seien 84 Prozent aller Office-Programme betroffen; für die Windows Server Clients betrage der Wert sogar 97 Prozent. Und auch die chinesische Post habe 93 Prozent ihrer Office-Suiten illegal beschafft. Noch dreister gehe nur TravelSky Technology vor: Der Luftfahrt-Ausrüster setze insgesamt fast ausschließlich auf Schwarzkopien.

Auf Anfrage von Bloomberg bestritten zwei der Unternehmen die Anschuldigungen. Eine Sprecherin der China Post Group nannte die Behauptungen "ungenau"; die China Railway Construction Corp erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme, die Microsoft-Angaben seien "völlig übertrieben". Ein Vertreter der China National Petroleum Group behauptete hingegen, nichts von derartigen Vorwürfen zu wissen. Bei TravelSky Technology sei niemand zu erreichen gewesen, so Bloomberg. Offiziell duldet die chinesische Regierung keine Software-Piraterie in ihrem Land. Erst im Mai hatte Vize-Premierminister Wang Qishan bei einem Treffen mit Microsoft-Chef Steve Ballmer unterstrichen, hart gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen.

Christian Wolf
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