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Mittwoch, 22.08.2012 14:35

Sipgate kritisiert Netzagentur wegen Handynummern

aus den Bereichen Mobilfunk, Sonstiges

Die Einleitung eines vorläufigen Involvenzverfahrens für die Telogic GmbH aus Dortmund, der Deutschland-Tochter des europaweit agierenden virtuellen Netzbetreibers Telogic, hatte vor knapp zwei Wochen weitreichende Folgen. Am 10. August konnten zahlreiche Kunden mehrerer Mobilfunk-Discounter ihre SIM-Karten nur noch eingeschränkt nutzen. Betroffen war auch der Düsseldorfer VoIP-Anbieter sipgate mit seinem bislang nur zum Test angebotenen Produkt sipgate one. Kunden waren im Zeitraum von 6.15 Uhr bis 17.30 Uhr nicht mehr über ihre "sipgate one"-Handynummern erreichbar. Sipgate-Geschäftsführer Thilo Salmon informiert die Kunden im sipgate-Blog nun in einem FAQ-Artikel zu Fragen wie Rufnummernportierung, Erstattung der Portierungsgebühr und Ansprechpartnern. Bei einem "Blick hinter die Kulissen" auf die "regulatorischen Abgründe in Deutschland" äußerte Salmon in einem separaten Blog-Beitrag zudem scharfe Kritik an der Bundesnetzagentur.

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Sieben Jahre Kampf um Handyrufnummern

Die aktuellen Probleme von Telogic seien nur ein Symptom für ein größeres Problem: "Das Hauptproblem für sipgate als Diensteanbieter besteht darin, dass die Bundesnetzagentur als Regulierer der Telekommunikationsmärkte über Jahre das Entstehen eines Marktes für Mobilfunkleistungen aktiv verhindert und verzögert hat", so der Vorwurf des sipgate-Geschäftsführers. Seit sieben Jahren versuche sipgate seinen Kunden selbst Mobilfunkrufnummern anzubieten. Die Bonner Regulierungsbehörde habe dies bislang jedoch verweigert, da sipgate kein eigenes Mobilfunknetz betreibe.

Da laut Schilderung der Düsseldorfer auch andere Unternehmen mit dem Wunsch nach eigenen, sogenannten MSISDN, an die Netzagentur herangetreten waren, startete die Behörde im Oktober 2010 zunächst ein Anhörungsverfahren und veröffentlichte im Februar des vergangenen Jahres neue Regeln für die Vergabe von Handyrufnummern. Die Regeln sollten allerdings erst nach einer weiteren Anhörung und einer bestimmten Frist in Kraft treten. Ein Datum dafür gebe es aber bis heute nicht. Auch ein Widerspruch gegen die neuen Regeln und eine Klage vor dem Verwaltungsgericht in Köln führte im vergangenen Jahr nicht weiter.

sipgate one
sipgate one: Der Dienst, der alle Telefone unter einer Mobilfunknummer erreichbar macht, wird wegen fehlender eigener Handyrufnummern von sipgate immer noch als "Testprodukt" bezeichnet. Screenshot: onlinekosten.de

Sipgate erhält Handynummern in absehbarer Zeit über Schwesterunternehmen Vintage Wireless

Sipgate fand Anfang 2011 lediglich die Firma Telogic als einzigen Partner, über den die Düsseldorfer Handyrufnummern erhalten konnten. Damit machte sich sipgate aber auch von dem Unternehmen abhängig. Anrufe auf die Handynummer sollte Telogic an sipgate übergeben. Als Folge der vorläufigen Insolvenz von Telogic hatte die Deutsche Telekom die Zuführung dieser Anrufe an Telogic laut sipgate zunächst eingestellt, nach etwa zehn Stunden dann aber doch wieder zugestellt. Da auch die Bundeswehr von der Telogic-Insolvenz betroffen gewesen sei, hätte entsprechender Druck offenbar zu der schnellen Reaktion der Telekom geführt.

Sipgate sei klar gewesen, dass bei wirtschaftlichen Problemen des Partners, wie jetzt geschehen, bei einem Wegfall der Rufnummern kein kurzfristiger Ersatz möglich sei. Daher sei sipgate one seit nunmehr 18 Monaten immer noch nur ein Testprodukt. Über das sipgate-Schwesterunternehmen Vintage Wireless Networks könne sipgate aber in absehbarer Zeit "endlich über Mobilfunknummern verfügen". Vintage Wireless hat sich laut Angaben auf der Homepage der Bundesnetzagentur in einer Nutzungsvereinbarung mit E-Plus Handyrufnummern unter der 01579 gesichert.

Jörg Schamberg
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