Anzeige:

Montag, 30.07.2012 08:22

"Blogforever": Projekt gegen das digitale Vergessen

aus dem Bereich Computer

Was wäre, wenn Leonardo da Vinci seine kühnen Konstruktionen und faszinierenden anatomischen Studien nicht auf Papier festgehalten hätte, seine "Mona Lisa" nicht auf Leinwand? Sondern in einem Blog? Gut möglich, dass die Nachwelt wenig vom Universalgenie wüsste. Denn viele digitale Inhalte verschwinden irgendwann im Nichts, und mit ihnen ein authentischer Blick auf die Welt. Gegen dieses Vergessen arbeitet das von der EU unterstützte Projekt Blogforever: Es soll ein System entwickeln, um die Einträge in Blogs für die Ewigkeit zu sichern - ob genial oder trivial.

Anzeige

Blogosphäre als "unschätzbarer Reichtum"

Die Blogosphäre ist für Vangelis Banos so etwas wie ein Spiegel der Welt: "Sie enthält einen unschätzbaren Reichtum an Informationen über tägliche Nachrichten, Gesellschaft und Wissenschaft", sagt der Projektmanager von Blogforever. Mehr als 200 Millionen Blogs gibt es weltweit, vermutet der Grieche - und das sei zurückhaltend geschätzt. Dieses System ist nicht einfach eine Sammlung von Texten, Bildern und Videos: "Es liegt in der Natur des Mediums, dass es Diskussionen und Verbindungen zwischen verschiedenen Themen abbildet."

Doch das System leidet unter Gedächtnisschwund. Zwar haben die Blogeinträge kein Verfallsdatum. Trotzdem gehen immer wieder große Datenmengen verloren, wie bei einem Bibliotheksbrand, sagt Matthias Trier von der Technischen Universität (TU) Berlin. Einige private Blogbetreiber hörten aus finanziellen Gründen auf. In Diktaturen schlage hingegen oft die Zensur zu und lasse kritische Berichte aus dem Netz verschwinden. Und manch privater Blogger verliert schlicht das Interesse und nimmt seine Texte aus dem Netz.

Blog-Beiträge sollen konserviert werden

Einige Projekte und Bibliotheken archivieren bereits Inhalte aus dem Netz, etwa das Internet Archive, das auch unter dem Namen Wayback Machine bekannt ist (archive.org). Die Deutsche Nationalbibliothek rettet ebenfalls digitale Inhalte von überregionaler Bedeutung vor dem Vergessen. Doch diese Projekte seien auf statische Websites ausgerichtet, sagt Netzwerk-Forscher Trier, der in dem internationalen Projekt mitarbeitet - nicht auf Blogs mit all den Verlinkungen, Kommentaren und Metainformationen wie Schlagwörtern.

Hier setzt Blogforever an. Bis August 2013 wollen die Forscher ein System entwickeln, mit dem sich die Blog-Einträge und Konversationen dauerhaft sichern lassen - "eine simple Lösung, die jeder Nutzer, jede Gruppe oder Institut nutzen könnte, um Blogs zu konservieren", sagt Banos. Wichtig: Die Inhalte sollen authentisch und vollständig erhalten bleiben, leicht zu durchsuchen und zu analysieren sein. Von der quellenoffenen Lösung könnten Bibliotheken, Museen, Universitäten, Unternehmen und Blogger profitieren.

Die EU fördert das Konsortium mit 3,1 Millionen Euro, mit der Eigenbeteiligung der Hochschulen in Thessaloniki, Berlin, London, Glasgow und Warwick kommen 4 Millionen Euro zusammen. Im August 2013 endet die Förderung. "Die EU will eine Startrampe schaffen", sagt Wissenschaftler Trier - von ihr könnten die Macher mit Partnern wie dem Kernforschungszentrum CERN oder der Berliner Mokono GmbH starten und eigene Lösungen entwickeln. Um die Werke des nächsten Leonardo zu bewahren. Und die aller anderen Blogger.

Christian Wolf / dpa
Kommentieren (Neuen Kommentar verfassen):
Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert.
 Suche

  News
Dienstag, 29.07.2014
Google & Co auf Schnupperkurs mit neuen TLDs: Chancen für Webseiten-Betreiber?
Montag, 28.07.2014
EU: Apple darf Beats schlucken - Bose verklagt Beats
Kabel Deutschland: Internet-Drossel für Filesharer darf nicht ins Kleingedruckte
25 Jahre Microsoft Office: Vom Papier zum Tablet und in die Cloud
Crash-Tarife: Nokia Smartphone für 1 Euro - Vodafone Tarife ohne Fixkosten
Media Markt gibt 19 Prozent Rabatt: Smartphones, Tablets & Co zum Schnäppchenpreis
Nicht ohne mein Smartphone: Verzicht aufs Handy fällt schwer
Nano-Spray macht Smartphones wasserdicht
Ex-Telekom-Chef Ron Sommer im Interview: Der Machtverlust war schwer zu verkraften
Google-Steuer in Spanien: Für einen Link muss gezahlt werden
Kampf um Kopfhörer: Bose verklagt Beats - Übernahme durch Apple schwieriger
M-net: Glasfasernetz erreicht bereits 60.000 Haushalte im Main-Kinzig-Kreis
Easybell startet Glasfaserangebot: "Komplett glasfaser" ab 19,95 Euro
Sonntag, 27.07.2014
"Hidden Cash": Schatzsuche im Tiergarten - Berliner auf der Jagd nach Geldumschlägen
Innenministerium: Überwachung von Facebook und Twitter kein Grundrechtseingriff
Weitere News
Whois
Suchen Sie eine eingängige Domain für ihre Website und die Wunschadresse scheint schon belegt?
Einfach mit Whois den Check machen und herausfinden, zu wem die URL und IP Adresse gehört. Auch die DENIC kann oft Auskunft geben.
Vielleicht ist ein Reseller beteiligt und verkauft preisgünstig.
Mobilfunk Discounter
Inzwischen ist das Angebot an günstigen Mobilfunk-Tarifen sehr unübersichtlich.
Neben Billigmarken der großen Provider wie Simyo oder Fonic gibt es zahlreiche unbekanntere Discounter mit günstigen Preisen.
Eine Übersicht bietet unser Prepaid-Vergleich.
VDSL Verfügbarkeit
VDSL Neukunden profitieren von Startguthaben und kostenloser Hardware wie einem Router oder einem Mediacenter.
Jetzt die Telekom VDSL Verfügbarkeit an ihrem Ort prüfen, nach Vodafone VDSL suchen oder die 1und1 VDSL Verfügbarkeit klären.
© 1999-2014 onlinekosten.de GmbH :: Datenschutz :: Impressum :: Leistungsschutzrecht :: Presse :: Jobs