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Freitag, 20.07.2012 12:01

Elop: Symbian ist Schuld an Nokias Abstieg

aus dem Bereich Mobilfunk

Wer heute Nokia sagt, sagt oft auch Niedergang: Das einstige Erfolgsunternehmen macht es den meisten Beobachtern auch nach Vorstellung der jüngsten Bilanzzahlen nahezu unmöglich, die eingeübte Endzeitrhetorik abzulegen. Für den seit zwei Jahren amtierenden Firmenchef Stephen Elop liegen die Ursachen der aktuellen Krise allerdings nicht in eigenen strategischen Fehlern, sondern den Versäumnissen der Vergangenheit. Nokia habe es jahrelang nicht geschafft, die in seinen Laboren mit viel Aufwand und Geld entwickelten Technologien gewinnbringend zu vermarkten. Viele Ideen und Prototypen seien trotz ihres Potenzials nie beim Endkunden angekommen, sagte der Nokia-Chef im Interview mit dem "Wall Street Journal" (WSJ).

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Milliarden für Entwicklungen ohne Endprodukte

Viele Milliarden Dollar an Entwicklungskosten hätten sich lediglich in einer Ansammlung zusätzlicher Patente niedergeschlagen. Nicht zuletzt durch das rückständige Symbian-System seien zugleich eine Reihe wichtiger Weichenstellungen und Gelegenheiten verpasst worden, da Innovationen nicht in Produkten eingesetzt werden konnten. Diese wären aber wichtig gewesen, um sich weiter von der Konkurrenz abzuheben und Akzente zu setzen, so Elop. Andere Hersteller hätten später davon profitiert. "Nokia ist wie eine Fläche voller ungeschliffener Edelsteine; als ich gesehen habe, was in den Entwicklungszentren vor sich geht, als ich die Innovationen gesehen habe und registrierte, wofür die Forschungsgelder verwendet werden, gab es dort alle möglichen Ansätze, Produkte und Technologien, allerdings landeten diese eben nicht in den Produkten", erklärte Elop.

Auch bei Apples iPhone seien Ideen verwirklicht worden, die ursprünglich von Nokia stammten. Dies gelte etwa für den Pop-Up-Effekt der virtuellen Tastatur, bei dem der ausgewählte Buchstabe zur Bestätigung kurz vergrößert aufscheint. "Das ist eine Nokia-Innovation", betonte der ehemalige Microsoft-Manager. "Das ist etwas, das Nokia zwar entworfen und patentiert hat, aber jahrelang nicht in eigenen Produkten nutzte, und woraus Apple mit seinen Produkten schließlich einen Vorteil geschlagen hat." Es gebe noch weitere solche Beispiele, in denen patentierte Entwicklungen nicht schnell genug zum Einsatz kamen, da Symbian als "Barriere" dazwischen gestanden habe, sagte Elop.

Zu lange Entwicklungszeiten und fehlende Kundenbindung

Ein weiteres Beispiel sei die auf dem Mobile World Congress erstmals präsentierte PureView-Technologie. Diese hätte bereits vor vier oder fünf Jahren eingesetzt werden können, sei aber nicht über die Entwicklungsebene hinausgekommen. "Das betrachte ich als Beispiel für die Art von Technologie, mit denen Nokias Schicksal anders verlaufen wäre, hätte man sie bereits vor einigen Jahren vorgestellt", so der amtierende Nokia-Chef. Darüber hinaus seien die Produktzyklen von der Idee bis zum fertigen Gerät früher deutlich zu lang gewesen. Für ein typisches Symbian-Handy habe Nokia vor einigen Jahren noch etwa zwölf Monate eingeplant, dann aber häufig zwei oder mehr Jahre gebraucht, bevor ein neu konzipiertes Modell tatsächlich auf dem Markt erschienen sei. Das erste Lumia-Smartphone sei hingegen in nur sechs Monaten fertiggestellt worden.

Auch viele andere Entscheidungen seiner Amtszeit sieht der 48-Jährige als Wende in die richtige Richtung – insbesondere die enge Partnerschaft mit seinem Ex-Arbeitgeber Microsoft. Diese sei ausgeglichen, da sie auf beiderseitigen Abhängigkeiten beruhe. Während Nokia auf die Windows-Phone-Plattform angewiesen sei, benötige Microsoft das Know-How der Finnen bei standortbezogenen Diensten. Künftige Erfolge des Duos verspricht sich Elop durch einen Wandel der Firmenkultur. Statt wie früher zu glauben, man könne die Wünsche der Konsumenten oder eine ganze Industrie lenken und bestimmen, müsse sich Nokia als Herausforderer verstehen, der sowohl vorhandene Kundenwünsche erfüllt als auch verborgene weckt.

Bislang, so scheint es, gelingt das allerdings kaum.

Christian Wolf
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    Zuletzt kommentiert von Turius am 23.07.2012 um 21:32 Uhr
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