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Freitag, 20.07.2012 11:01

Studie: Windows Phone wächst - im Schneckengang

aus dem Bereich Mobilfunk

Während der ehemalige Handy-Gigant Nokia trotz Radikalschwenk von Symbian auf Windows Phone langsam der Pleite entgegentaumelt, hat Kooperationspartner Microsoft mit seinem Smartphone-Betriebssystem ein wenig mehr Grund zur Freude. Obwohl der weltweite Marktanteil mit zuletzt rund 2 Prozent weiterhin unter ferner liefen rangiert, geht es offenbar aufwärts – wenn auch mit winzigen Schritten. Nach einer aktuellen Studie des US-Analysten Strategy Analytics wird Windows Phone bis Jahresende im strategisch wichtigen Heimatmarkt des Redmonder Konzerns immerhin auf 4 Prozent aller zwischen Januar und Dezember verkauften Smartphones laufen – ein Plus von 1 Prozent gegenüber 2011.

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Rahmenbedingungen sind entscheidend

Nach Ansicht der Branchenbeobachter ist die eher unspektakulär anmutende Zunahme angesichts der übermächtigen Konkurrenz durch Apple und Google durchaus als Erfolgszeichen zu werten. So werde die Zahl der 2012 in den USA abgesetzten Geräte mit Windows-Phone-Betriebssystem im Vorjahresvergleich voraussichtlich um 21 Prozent von 102 auf 123 Millionen Stück steigen, teilte Strategy Analytics am Mittwoch in Boston (Massachusetts) mit. Weiteres Wachstum werde es demnach aber nur geben, wenn Microsoft die richtigen Rahmenbedingungen setze. So empfehlen die Experten etwa, den App Store Windows Phone Marketplace zu verbessern sowie durch eine Absenkung der Lizenzkosten pro Gerät für eine größere Auswahl an unterschiedlichen Modellen verschiedener Hersteller zu sorgen. Darüber hinaus müssten künftige Versionen von Windows Phone stets die neuesten Hardware- und Chip-Technologien unterstützen.

Die unzureichende Anpassung an aktuelle Standards gilt als einer der größten Schwächen von Windows Phone 7(.5) und hindert die Hersteller daran, leistungsstärkere und konkurrenzfähige Modelle auf den Markt zu bringen. Beispiel Auflösung: Während Apple und Co sich längst an der 1.000-Pixel-Marke bewegen, verharren Windows-Smartphones gezwungenermaßen bei 800 x 480 Bildpunkten. Oder Prozessorleistung: Dual- oder Quad-Core-CPUs lassen sich schlichtweg nicht einsetzen. Und auch NFC oder Speicherkarten müssen bisher außen vor bleiben. Die aus den einheitlichen Standards resultierende Uniformität der am Markt vorhandenen Geräte wird damit zum Problem: Während die Kunden in Sachen Preis-Leistung nur wenig Auswahl vorfinden, sinkt bei den Smartphone-Produzenten der Anreiz, neue Modelle auf den Markt zu bringen. Mit Windows Phone 8 wird sich das ändern. Microsoft hat bereits angekündigt, die Hardware-Unterstützung massiv auszuweiten und unter anderem Mehrkern-Prozessoren, NFC, microSD-Karten sowie höhere Bildschirm-Auflösungen zuzulassen.

Lob von App-Entwicklern

Erfolgreicher schlägt sich Microsoft derweil im Umgang mit den für den Erfolg eines Systems mindestens ebenso wichtigen App-Entwicklern. Mittlerweile stehen mehr als 100.000 Apps für den Windows Phone Marketplace zur Verfügung; pro Tag kommen mehrere Hundert hinzu – trotz des niedrigen Marktanteils. Jüngst befragte die britische Tageszeitung "The Guardian" daher die fünf Firmen How 7digital, Addison Lee, IndieSkies, Escapist Games und Distinction, warum sie dennoch Software für die Microsoft-Plattform entwerfen. Als Antworten wurden einhellig vor allem die Einfachheit des Systems sowie die niedrigen Barrieren für App-Programmierung und –Veröffentlichung angeführt. So sei es möglich, Apps innerhalb weniger Wochen zur Marktreife zu bringen, erklärten die Software-Hersteller.

"Wir haben bereits darüber nachgedacht, den schnellen und einfachen Entwicklungsprozess bei Windows Phone generell als Basis für die Entwicklung neuer App-Ideen und Herstellung von Prototypen zu nutzen, bevor wir diese in andere App Stores bringen", betonte etwa Chris Whalley vom Spieleentwickler Escapist Games. Aber auch das kommende Ökosystem um Windows 8 und die einheitliche Metrooberfläche wurden vereinzelt in den Begründungen angeführt. Über konkrete Verkaufszahlen ihrer Apps wollten sich die Software-Häuser zwar mehrheitlich nicht äußern, zeigten sich aber zufrieden mit den bisherigen Umsätzen.

Die Wünsche für die Zukunft der Plattform gleichen derweil einer Empfehlung von Strategy Analytics: Windows Phone benötige eine größere Auswahl an Geräten verschiedener Hersteller in unterschiedlichen Preislagen, die dennoch über ausreichend Leistung verfügen. Modelle nach Art des bislang günstigsten Windows Phones Nokia Lumia 610 sind damit offensichtlich nicht gemeint.

Christian Wolf
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