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Dienstag, 17.07.2012 15:26

Browser-Streit: EU ermittelt erneut gegen Microsoft

aus dem Bereich Computer

Der Softwareriese Microsoft muss erneut eine millionenschwere EU-Geldbuße fürchten. Die EU-Kommission hat ein neues Kartellverfahren gegen den US-Konzern wegen unlauterer Geschäftspraktiken eröffnet. Microsoft biete seinen Windows-Nutzern nicht - wie versprochen - die freie Wahl des Web-Browsers an, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia am Dienstag in Brüssel. Konkurrenten hätten sich bei der Kommission darüber beschwert, dass der US-Konzern den Nutzern auf der Startseite seines Systems nicht länger die Auswahl zwischen verschiedenen Internetbrowsern lasse.

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Hohe Geldstrafe möglich

Microsoft droht nun eine Strafe von bis zu 10 Prozent eines Jahresumsatzes. Laut EU-Kommission handelt der Softwarekonzern bereits seit Februar 2011 gegen die EU-Auflage zur Browser-Wahl. Damals kam die Softwareaktualisierung Service Pack 1 für Windows 7 auf den Markt. "Als Resultat konnten 28 Millionen Nutzer den Auswahlbildschirm [mit weiteren Browsern als Alternative] nicht sehen", sagte Almunia. Der Kommissar sprach von einem einmaligen Fall: "Es ist das erste Mal, dass ein Unternehmen sich nicht an die Vorgaben der Kartellbehörden hält. (...) Wir nehmen das sehr ernst." Eine Frist für den Abschluss des Falls gibt es nicht. Almunia kündigte aber an, den Fall so rasch wie möglich voranzutreiben.

Microsoft gab den Verstoß in einer Stellungnahme am Dienstag zwar zu, sprach aber von einem technischen Fehler. "Wir haben vor kurzem festgestellt, dass wir es versäumt haben, den Auswahlbildschirm auf rund 28 Millionen Computer mit Windows 7 SP1 auszuliefern", teilte das Unternehmen mit. "Wir bedauern diesen Fehler zutiefst und entschuldigen uns dafür." Microsoft bot den obersten EU-Wettbewerbshütern im Gegenzug an, die ursprünglich bis 2014 geltende Verpflichtung um 15 Monate zu verlängern. Abhilfe sei zudem bereits geschaffen worden, erklärte das Unternehmen. So habe man zwei Tage nach Bekanntwerden des Fehlers Anfang Juli bereits eine neue Software entwickelt und an die Verbraucher verschickt. Auch sei sichergestellt, dass diese auf allen neuen PCs mit Windows 7 installiert werde. Unabhängige Experten seien darüber hinaus damit beauftragt worden, die Gründe für den technischen Fehler herauszufinden und Vorschläge zu machen, wie so etwas in Zukunft vermieden werden könne. Diese Fachleute würden der EU-Kommission einen Bericht vorlegen.

Browser-Auswahl
Browser-Auswahlfenster unter Windows: seit Februar 2011 angeblich verschwunden. Screenshot: onlinekosten.de

Europas langjähriger Kreuzzug gegen die Browser-Einfalt

Seit Jahren streitet Microsoft mit der EU-Kommission um den Web-Browser. Die Brüsseler Wettbewerbshüter hatten das Unternehmen 2009 gezwungen, Verbrauchern in der EU neben dem hauseigenen Internet Explorer elf weitere Browser als Alternativen anzubieten. Zuvor installierte Microsoft standardmäßig den hauseigenen Internet Explorer. Über einen Auswahlbildschirm müssen nun auch Konkurrenten wie Mozilla Firefox, Google Chrome, Apple Safari oder Opera angeboten werden.

Auf diese Weise sollte die Vormachtstellung des Konzerns gebrochen werden - Windows läuft europaweit auf über 90 Prozent aller Computer und Notebooks. Der Marktanteil des mitgelieferten Microsoft-Browsers Internet Explorer ist mittlerweile jedoch deutlich geringer als der von Windows unter den Betriebssystemen. Nach einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmens Webtrekk kommt der Microsoft-Browser in Deutschland auf 31,1 Prozent und liegt damit hinter Firefox (35,1 Prozent) und vor Safari (16,9) und Chrome (11,7) auf Platz zwei.

Christian Wolf / dpa
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