Anzeige:
Donnerstag, 28.06.2012 15:36

Neue TLDs und die ICANN: Pleiten, Pech & Pannen

aus dem Bereich WebHosting
Als einen Meilenstein für die Zukunft des Internets angekündigt, ist die bisherige Geschichte der neuen Top Level Domains (newTLDs) allerdings zu großen Teilen eine Ansammlung von Pleiten, Pech und Pannen. Stets im Zentrum aller großen und kleinen Katastrophen: die offensichtlich vielfach überforderte Domain-Verwaltungsorganisation ICANN. Zunächst sorgte eine wochenlange Zwangspause für Wirbel, verursacht durch ein Datenschutzleck im für die Registrierung genutzen Computersystem. Bereits mit der Veröffentlichung der Domainliste folgte ein weiterer Patzer: vertrauliche Adressdaten waren für jedermann einsehbar. Kaum war die Aufregung darüber abgeklungen, stand erst vor wenigen Tagen der nächste Fauxpas ins Haus.

Anzeige

Das "Bogenschießen" ist abgesagt - vorerst

So stoppte die ICANN am Samstag das erst Anfang Juni für eine faire Aufteilung der rund 2.000 Bewerber vorgestellte Gruppierungsverfahren. Dieses sollte die Reihenfolge der Antragsbearbeitung regeln, da eine Auslosung aus rechtlichen Gründen nicht durchgeführt werden konnte. Zunächst war vorgesehen, vier Batches (Bündel) mit jeweils rund 500 Anträgen nacheinander zu prüfen. Um jedem Antragssteller die gleiche Chance auf eine frühzeitige Bearbeitung einzuräumen, sollte ein "digitales Bogenschießen" entscheiden. Dabei wurde jeder Aspirant aufgefordert, bis zum 28. Juni innerhalb des Registrierungssystems einen bestimmten Zeitpunkt als "Ziel" festzulegen.

Dieser sollte anschließend über einen Zeitstempel möglichst exakt "getroffen" werden. Wer etwa den 25.06. um 22:00 Uhr auswählte, musste genau zu dieser Zeit auf eine Schaltfläche zur Zeitmessung klicken. Das Prinzip: Je exakter die Übereinstimmung, desto früher werden die Unterlagen bearbeitet. Unterschätzt hatte die ICANN allerdings technische Interferenzen, die etwa zu Latenzen bei der Übertragung führten. Heftig fiel daher die Kritik an der nun vorerst suspendierten Methode aus. Aber auch deren plötzliche Aussetzung stieß viele Bewerber vor den Kopf.

Neuer Ärger durch Tipp- und Rechtschreibfehler

Nicht berücksichtigt haben die Verantwortlichen zudem ein so simples wie folgenschweres Problem ganz anderer Natur: Tipp- und Rechtschreibfehler in den eingereichten Unterlagen. Dies führt nun zu weiterem Arbeitsaufwand. So hat etwa ein Unternehmen mit dem Namen Kerry Trading Company statt .kerrylogistics die Domain .kerrylogisitics beantragt. Als umstritten entpuppen sich auch die Anträge des .com-Domain-Betreibers VeriSign. Dessen Übersetzung von .com in die im Rahmen der internationalisierten Domainnamen (IDN) künftig zulässigen hebräischen und arabischen Varianten soll laut einer am Mittwoch vom Fachportal "Domain Name Wire" zitierten Expertenanalyse diverse Fehler enthalten. Ebenso problematisch ist ein Fall rund um die TLD .africa. Gleich zwei heftig konkurrierende Initiativen haben sich um das digitale Markenzeichen des Kontinents beworben. Eine davon, "DotConnectAfrica", hat jedoch versehentlich .dotafrica in ihren Antrag geschrieben und verlangt nun schnellstens eine Abänderung.

Allerdings hat die ICANN für derartige Probleme bislang keinerlei Mechanismen vorgesehen. Offenbar war man dort der Ansicht, wer 185.000 Dollar Gebühren zahle, werde für eine korrekte Schreibweise sorgen. Völlig abwegig ist dies zwar prinzipiell nicht, jedoch bietet der Verzicht auf jegliche Korrekturoption unzufriedenen Bewerbern erneut Angriffsfläche für juristische Winkelzüge. In einer Stellungnahme gegenüber domainnamewire.com erklärte die Organisation daher unlängst, sie nehme die Anfragen sehr ernst und arbeite an der Entwicklung von Richtlinien für derartige Änderungen. Ob dies ausreicht, bleibt abzuwarten. Eines dürfte hingegen feststehen: Mit jeder neuen Panne steigen die Chancen für findige Anwälte, Teile des kostspieligen Verfahrens im Nachgang vor Gericht auszuhebeln.

Christian Wolf
Kommentieren (Neuen Kommentar verfassen):
Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert.
 Suche

  News
Freitag, 06.03.2015
Bundesnetzagentur: Fahrplan für neue Frequenzauktion nicht gefährdet
Apple beantragt Patent: Das iPhone vor Wasser schützen
Apple Pay: Millionen-Schaden durch Betrug
Android: Sicherheitslücken per QR-Code finden
Zalando baut kräftig Stellen auf - europaweite Expansion
Daten-Backup: Wichtige Dokumente, Fotos und Videos sichern
RTL und das Fernseh-Problem von morgen
Donnerstag, 05.03.2015
Musik-Streamingdienste legen deutlich zu - Deutsche Künstler vorne
 Chef von Cyangon-Mod: Platzhirsche wie Samsung werden "geschlachtet"
 Von der Insulinpumpe bis zur Heizung: Vernetzte Geräte bringen neue Gefahren
 Huawei: Drei neue Smartphones vorgestellt - das Günstigste kostet 79 Euro
EU-Kommissar Oettinger will Netzneutralität mit Regeln gewährleisten
iPad Plus erscheint später - Display-Probleme
Liquid Broadband klagt gegen Vergabe neuer Mobilfunk-Frequenzen
Google will angeblich Android-Uhren mit dem iPhone verbinden
Weitere News
DSL 16000
DSL Turbo und ganz oben dabei im DSL Speed Test:
Mit DSL 16000 durchs Internet und alle Vorzüge wie Internettelefonie und Internet TV genießen.
Alle Anbieter von DSL und dem schnellen VDSL in der Übersicht.
DSL Geschwindigkeit
War das DSL günstig, aber die Geschwindigkeit ist niedriger als gedacht?
Die DSL Telefonie bricht ständig ab? Angebote wie IPTV sind eher eine Live Diashow?
Der DSL Speed Check offenbart die bittere Wahrheit in Sekunden. Einfach schnell DSL Geschwindigkeit testen und vielleicht gleich wechseln.
© 1999-2015 onlinekosten.de GmbH :: Datenschutz :: Impressum :: Leistungsschutzrecht :: Presse :: Jobs