Die Technologiewerte haben nach einer Gewinnwarnung des weltgrößte Computerchip-Herstellers Intel am Freitag ihre Talfahrt an den Börsen beschleunigt. Von der neuen Hiobsbotschaft wurde auch der Neue Markt in Frankfurt einen Tag vor seinem vierten Geburtstag am Samstag nach unten gedrückt. Das Börsenbarometer NEMAX 50 stand am frühen Nachmittag mit gut 2,3 Prozent im Minus. Aber auch DAX-Technologietitel wie Infineon und EPCOS büßten kräftig ein. Intel hatte zuvor einen Umsatzeinbruch und die Entlassung von 5000 Mitarbeitern angekündigt. Es war bereits die zweite Gewinnwarnung in diesem Jahr. Erst Mitte der Woche hatte das Internet-Portal Yahoo seine Umsatzprognosen deutlich nach unten korrigieren müssen.
Der Umsatz in den ersten drei Monaten des Jahres werde voraussichtlich um 25 Prozent unter dem des letzten Quartals 2000 liegen, teilte Intel am Donnerstag (Ortszeit) in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien mit. Damit korrigierte das Unternehmen seine erst kürzlich veröffentlichten Angaben, die von einem Minus von 15 Prozent ausgegangen waren, nochmals dramatisch nach unten. Im vierten Quartal 2000 hatte Intel einen Umsatz von 8,7 Milliarden Dollar (18,3 Milliarden Mark/9,3 Milliarden Euro) verzeichnet. Intel will angesichts des sich abzeichnenden Nachfragerückgangs die Zahl seiner Beschäftigten von derzeit 85.000 auf rund 80.000 reduzieren.
Als Grund für die neuerliche Hiobsbotschaft nannte das kalifornische Unternehmen die generelle wirtschaftliche Abschwächung in den USA. Diese habe nun neben dem PC-Bereich auch die Nachfrage nach Netzwerk-Rechnern und Kommunikationstechnik erfasst. Intel wartete mit den schlechten Neuigkeiten bis zum Börsenschluss. Aber schon im nachbörslichen Handel brach die Aktie des High-Tech-Konzerns um 7,5 Prozent ein.
An den europäischen Börsen drückten die neuen schlechten Nachrichten die Stimmung. "Der Markt reagiert auf Intel", sagte ein Händler in Frankfurt am Main. "Das Vertrauen, dass in den vergangenen Tagen langsam wieder gewachsen war, ist wieder dahin." Infineon als direkter Rivale von Intel auf dem Halbleiter-Markt verlor bis zum Nachmittag in Frankfurt mehr als fünf Prozent an Wert und zog auch seine Mutter Siemens mit 2,6 Prozent ins Minus. Auch EPCOS ging 2,6 Prozent nach unten. Damit waren zum Großteil die leichten Gewinne von Anfang der Woche, die nach langer Flaute wieder etwas Hoffnung gbracht hatten, wieder dahin.
Tobias Marburg
/ afp