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Donnerstag, 21.06.2012 12:20

Kampf der Ökosysteme: Zwei Gorillas und ein David

aus dem Bereich Mobilfunk

Vieles von dem, was Microsoft-Manager Jens Garberding am Mittwoch auf dem 24. Medienforum.NRW über das hauseigene Smartphone-Betriebssystem Windows Phone zu sagen hatte, sollte Dynamik und Aufbruchsstimmung verbreiten. Natürlich seien die Marktanteile von Windows Phone noch sehr schwach, aber Produkte bräuchten eben ihre Entwicklungszeit. "Für den ersten Apple iPod hat auch niemand Schlange gestanden", rechtfertigte der Marketing-Stratege rhetorisch geschickt das mangelnde Kundeninteresse an der Mobil-Plattform. Es habe mehr als ein Jahr gedauert, bis die erste Million der Kult-MP3-Player verkauft worden sei. Was Garberding freilich unerwähnt ließ: Für das bereits Ende 2010 gestartete Windows Phone 7 lassen sich mildernde Umstände einer Einführungsphase eigentlich nicht mehr beanspruchen. Längst liegen die Hoffnungen daher auf dem leistungsfähigeren Nachfolger Windows Phone 8 und dem neuen Ökosystem um die sogenannte "Metro"-Oberfläche.

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"Es wird einen Dreierkampf geben"

Aus Sicht von Richard Kidd, Senior Vice President Sales beim Mobil-Vermarkter madvertise, durchaus zu Recht. Eigentlich habe er sich im Vorfeld der Konferenz bereits darauf eingestellt, das Scheitern Microsofts zu umreißen, witzelte Kidd in Richtung Auditorium. Mit der Vorstellung des in Eigenregie produzierten Tablet-PCs "Surface" sei Microsoft ihm jedoch am Montag unerwartet in die Parade gefahren und könnte neue Akzente setzen. "Es ist ein wenig wie bei Star Wars, allerdings weiß ich noch nicht, wer die Bösen und die Guten sind", sagte Kidd.

Zweifelsohne stehe nun jedoch fest, dass es einen Dreierkampf zwischen iOS, Android und dem Windows im Bereich der mobilen Endgeräte geben werde. Der Redmonder Konzern nehme dabei die ungewohnte Underdog-Rolle ein. "Der Markt wird schon von zwei 500-Pfund-Gorillas beherrscht und Microsoft steht nun als David davor", so der Branchenbeobachter. Diese Konstellation verspreche eine spannende Zukunft. "Da wird es einige blaue Flecken geben", prognostizierte Kidd. Denn die Platzhirsche eilten weiter davon. So würden weltweit jeden Tag 380.000 iPhones verkauft - ein Wert, der sogar die Summe der im gleichen Zeitraum neu geborenen Kinder um rund 9.000 übersteige. Android wiederum wachse noch schneller als iOS. Generell gelte dabei: Ohne Apps laufe nichts. Einer der wichtigsten Grundsätze und schwierigsten Aufgaben für den Markterfolg sei daher, Entwickler in ausreichender Zahl von einer Plattform zu überzeugen.

Diskussion Medienforum
Windows als Angreifer auf dem Markt der mobilen Ökosysteme: Diskussion zwischen Richard Kidd (madvertise), Jens Garberding (Microsoft), Maks Giordano (The Nunatak Group), Ossi Urchs (Moderator). Bild: onlinekosten.de

"Vor einem Jahr hatten wir noch ein Henne-Ei-Problem"

Bei Windows Phone sie dies gelungen, erklärte Garberding. "Vor einem Jahr hatten wir da noch ein klares Henne-Ei-Problem. Mittlerweile bin ich sicher, dass wir das Schlimmste hinter uns haben", gab sich der Microsoft-Manager betont zuversichtlich. Den Entwicklern werde ein interessantes Monetarisierungsmodell geboten. Die Zahl der Apps im Windows Phone Marketplace liege nun bei fast 100.000 und wachse schneller, als seinerzeit bei Android. Jeden Tag kämen 300 neue Smartphone-Programme hinzu, wobei trotzdem jede App vorab geprüft werde, um die Einhaltung von Sicherheits- und Datenschutzstandards zu gewährleisten. Ein weiterer Schwerpunkt liege zudem auf exklusive Angebote und Inhalte durch Kooperationen. "Wir wollen da noch mehr Partner gewinnen", so Garberding. Mit den Live-Kacheln auf der Startseite biete Windows Phone dabei ein Alleinstellungsmerkmal, das sich auch zu Vermarktungszwecken nutzen lassen, indem etwa positionsabhängig Zusatzinformationen eingeblendet werden.

Riesige App Stores seien dabei aber nicht immer ein Vorteil für die App-Entwickler, bemerkte Maks Giordano, Mitgründer der Münchner Unternehmensberatung The Nunatak Group. Insofern sei Windows Phone als "junges System" mitunter attraktiver, da einzelne Apps noch nicht in der Masse verschwänden. "Dass Microsoft noch keine 600.000 Apps aufweisen kann, ist aus dieser Perspektive auch eine Stärke", so Giordano in Richtung Garberding. Er kenne Entwickler, die lebten gut von ihren Programmen für Windows Phone oder BlackBerry, während andere jahrelang auf eine iOS-App hingearbeitet hätten und nun im App Store untergingen. In einigen Fällen stelle sich aber ohnehin die Frage, ob eine App wirklich einen Mehrwert bringe. Mit dem kommenden Webstandard HTML5 seien zahlreiche Anwendungen auch plattformübergreifend über den Browser realisierbar. "Viele unserer Kunden gehen daher längst diesen Weg."

Christian Wolf
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