Anzeige:
Dienstag, 19.06.2012 16:00

Datenvorfahrt gegen Aufpreis: Büchse der Pandora?

aus den Bereichen Breitband, Computer, Mobilfunk, Sonstiges

Bereits im Vorjahr sorgte die Zukunft der Netzneutralität auf dem Medienforum.NRW für hitzige Diskussionen zwischen Vertretern aus Internetbranche und Politik. Ein Jahr danach stand das Thema wieder prominent auf der Tagesordnung des jährlich in Köln stattfindenden Kongresses – erneut in hochrangiger Besetzung. Dabei zeigte sich: Längst geht es nicht mehr um die Frage, ob es sogenannte Dienste- und Qualitätsklassen geben wird, sondern vielmehr darum, wie diese aussehen könnten. Gleichzeitig wehren sich die Provider gegen eine frühzeitige Stigmatisierung ihrer Quality-of-Service-Ansätze (QoS), während Inhalteanbieter und Medienbeobachter vor einem Missbrauch warnen.

Anzeige

"Diskriminierungsfreier Zugang für Alle"

"Es muss einen diskriminierungsfreien Zugang für alle Internetnutzer geben", stellte etwa Christian Illek, Geschäftsführer Marketing bei der Deutschen Telekom, unmissverständlich klar. Jedoch sei zu klären, welche Anforderungen dieser letztendlich erfüllen müsse. Zwar seien die Anbieter nach dem sogenannten Best-Effort-Prinzip ("größte Bemühung") prinzipiell dazu verpflichtet, eingehende Datentransferanfragen unabhängig von Absender, Inhalt oder Empfänger im Rahmen der verfügbaren Ressourcen schnellstmöglich zu verarbeiten. Eine genauere Definition über damit einhergehende Mindeststandards fehle aber bisher.

Für Illek kulminiert sich die Problematik dabei vor allem in der Frage: "Was heißt denn eigentlich Best Effort?" Erst wenn hier Konsens herrsche, könnten auch Dienste- und Qualitätsklassen genauer bestimmt werden. Für die Telekom umfasse die QoS-Thematik darüber hinaus drei Bereiche: unterschiedliche Bandbreiten sowie eine Priorisierung – also bevorzugte Behandlung - bestimmter Kunden und Dienste, so Illek. Eine Filterung oder Blockade von Inhalten finde aber in keinem Fall statt. "Wir beurteilen nur die Art der Daten", sagte der Telekom-Manager.

Christian Illek, Mario Martini
Im Gespräch: Telekom-Manager Christian Illek und Verwaltungswissenschaftler Mario Martini. Bild: onlinekosten.de

"Es geht um den Kampf von Mind versus Money"

Mario Martini, Professor an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, verwies dabei auf Potenziale zur Steigerung der Netzeffizienz durch die Steuerung des Datenverkehrs. "Wir brauchen auf der Datenautobahn keine neue Fahrspur, sondern eine angemessene Regelung". Gleichzeitig warnte Martini jedoch vor den Gefahren einer QoS-Differenzierung. Diese könne dazu führen, Innovation und Chancengleichheit im Internet durch zu hohe Eintrittsschranken auszubremsen. Die Lösung des damit verbundenen Zielkonflikts von Infrastruktur versus Kreativität sei daher letztendlich eine politische und gesellschaftliche Entscheidung. "Es geht hier um den Kampf von Mind versus Money, es geht um die Frage nach der Öffnung der Büchse der Pandora", betonte der Hochschulforscher. "Aber wir brauchen eine Refinanzierung. Wo ist sonst der Anreiz für Infrastrukturbetreiber?", erwiderte Illek.

Angelica Schwall-Düren
Fordert eine gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität: NRW-Medienministerin Angelica Schwall-Düren. Bild: onlinekosten.de

Dies stellte auch Angelica Schwall-Düren (SPD), Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, während einer kurzen Ansprache nicht in Abrede. Das Problem der zunehmenden Netzauslastung sei bei einem jährlichen Datenvolumen von aktuell 4,3 Milliarden Gigabyte in Deutschland offensichtlich. Das Internet sei mittlerweile eine verstopfte Autobahn; der Infrastrukturausbau müsse daher mit Hochdruck vorangetrieben werden. Das von einigen Anbietern favorisierte Geschäftsmodell einer zielgerichteten Steuerung von Datenpaketen (Deep Packet Inspection) weise aber deutlich in Richtung eines "Zwei-Klassen-Internets". Schwall-Düren forderte dabei eine verbindliche Festschreibung von Netzneutralität. Die erst vor wenigen Monaten in Kraft getretene Novelle des Telekommunikationsgesetzes gehe in diesem Punkt nicht weit genug. "Die aktuelle Regelung reicht nach unserer Auffassung nicht aus", so die Landesministerin. Der Bund müsse sich nun der notwendigen Diskussion stellen. Zudem spiele das Thema auf EU-Ebene eine große Rolle. "Wir werden auch dort für unser Verständnis von Netzneutralität werben", so Schwall-Düren.

Kommentieren (Neuen Kommentar verfassen):
 ... da das Kabelnetz keine Priorisierung benötige ... (6 Beiträge) 
    Zuletzt kommentiert von Brezie am 20.06.2012 um 20:56 Uhr
 Suche

  News
Dienstag, 07.07.2015
Springer und ProSiebenSat.1 sprechen über Fusion - Megadeal im zweiten Anlauf?
Rückkehr in die USA: Deal mit Snowden laut Ex-US-Justizminister Holder weiter möglich
Windows 10: Musikdienst Xbox Music wird zu Groove und Xbox Video zu Movies & TV
Samsungs Gewinn schrumpft weiter: Nachfrage nach Galaxy S6 Edge falsch eingeschätzt
Aldi Nord: Einsteiger-Smartphone Samsung Galaxy J1 ab 16. Juli für 89,99 Euro
BITKOM: Tablets werden überwiegend zu Hause genutzt
YouTube-Star LeFloid interviewt Merkel: Mit "der Angela ein wenig schnacken"
Der Hype um Seltene Erden ist vorbei: Letzter US-Förderer pleite
Montag, 06.07.2015
MyTaxi startet nächste Aktion mit 50 Prozent Rabatt - trotz Streit mit Taxi-Zentralen
Technische Probleme: NRW-Landtag kann keine E-Mails verschicken
Congstar: Allnet-Flat mit sechs Gratismonaten bei Kauf des Sony Xperia Z3
Vodafone: WLAN-Bridge Air4820 baut zusätzliches 5-GHz-Funknetz im Heimnetz auf
MasterCard: Online-Käufe per Gesichtserkennung oder Fingerabdrücke autorisieren
WLAN-Gesetz zur Störerhaftung verstößt laut Verbraucherschützern gegen Europarecht
"Amazon Prime Day": Am 15. Juli Sonderangebote nur für Prime-Mitglieder
Weitere News
Mobilfunk Provider
Neben den vier großen Netzbetreibern gibt es zahlreiche Mobilfunk Discounter Angebote - auch Billigmarken der Provider wie beispielsweise Simyo von E-Plus. Den Überblick zu behalten wird immer schwerer.
Dafür haben einige der Anbieter zusätzlich günstige Handys ohne Vertrag, vom Klapphandy bis hin zum Touchscreen Handy, im Angebot.
Whois
Suchen Sie eine eingängige Domain für ihre Website und die Wunschadresse scheint schon belegt?
Einfach mit Whois den Check machen und herausfinden, zu wem die URL und IP Adresse gehört. Auch die DENIC kann oft Auskunft geben.
Vielleicht ist ein Reseller beteiligt und verkauft preisgünstig.
© 1999-2015 onlinekosten.de GmbH :: Datenschutz :: Impressum :: Leistungsschutzrecht :: Presse :: Jobs