Im Vorfeld der nahenden CeBit und vor dem Hintergrund der Flatrate-Einstellung von T-Online, erreichte uns heute eine interessante Mail. Darin bat ein Leser von Onlinekosten darum, die Email die er an den Bundeskanzler Dr. Gerhard Schröder geschickt hatte, zu veröffentlichen. Aufgrund des noch immer andauernden Flatrate-Protestes und der krassen Fehlentscheidung der RegTP, hat sich die Redaktion entschlossen, Ihnen liebe Leser diese lesenswerte Mail nicht vorzuenthalten, trifft sie doch genau ins schwarze:
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Schröder,
mit großer Euphorie haben wir vor einiger Zeit Ihr Bekenntnis zum Internet vernommen. Es muss zur Zeit der letzten Cebit gewesen sein. In Kürze findet die nächste Messe statt. Bevor Sie nun zu dieser erneuten Gelegenheit gewaltig ins Horn blasen und den Fortschrittsgedanken Ihrer Regierung unter das Volk tragen, möchte ich Sie gern an einige Fakten erinnern.
Die Einführung des preiswerten und für jeden ohne Einschränkung nutzbaren Internets ist gewaltig ins Stocken geraten. Heute noch sind die Providergebühren kein Pappenstiel, auch wenn volksnahe Gestalten wie Boris Becker für eine einfache und ach so günstige Anbindung werben. Für die wenig attraktiven Preise ist nach Erkenntnis aller Internetnutzer vorwiegend der in Deutschland noch immer behinderte Kommunikationsmarkt verantwortlich zu machen.
Ich möchte Ihnen nicht die bereits vorwärts und rückwärts durchgekauten Argumente zum Telekom-Monopol wiederholen, die Sie natürlich auch schon bestens kennen. Mir geht es darum, den merkwürdigen Zwiespalt zwischen Ihren Lippenbekenntnissen und der Realität aufzuzeigen. Einerseits schützen und stützen Sie den Staatsbetrieb Telekom, verhindern sogar die überfällige Ablösung deren Chefs Ron Sommer, während Sie andererseits mit dieser Haltung den kundenfeindlichen Konfrontationskurs eines Unternehmens fördern, der ganz klar den kostengünstigen Netzzugang anderer Internetanbieter blockiert.
Zusätzlich erschwerte Ihre Regierung der RegTP die freie Handlungsweise so sehr, dass deren vorheriger Chef das Handtuch warf. Damit ist diese Behörde jetzt verstärkt in die Regierungsinteressen eingebunden und "Ihre" Riesenfirma Deutsche Telekom wird also weiterhin vor dem unbequemen Mitbewerb geschützt.
Auswirkungen:
Alle Aktionen (Internet für Alle, Internet in allen Schulen u.s.w) wurden bisher nur halbherzig gestartet. Viele positive Zeichen wurde von privaten Investoren und weniger von der Regierung gesetzt. Heute kommt zum überteuerten und im Ausbau behinderten Internet die nächste Krise. Der Absatz von PCs gerät ins Stocken. Damit und mit anderen ungünstigen Variablen der "New Economy" bahnt sich ein handfestes Wirtschaftsproblem mit tausenden neuen Arbeitslosen an. Für dieses Desaster ist Ihre Regierung mit verantwortlich, wenn sie nicht zur Unterbrechung dieser schlechten Entwicklung beiträgt.
Führen Sie bitte endlich die wirklich freie Marktwirtschaft im Telekommunikationsbereich ein, fördern Sie Providerinitiativen und machen Sie damit den PC für manchen Kunden interessanter. Dann schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe:
Der schwächelnde Computerabsatz wird nicht zur ernsten Krise und wir erhalten das, was wir uns wünschen: Einen Hochgeschwindigkeitsanschluss ins Internet zum Niedrigpreis. Den meinten Sie doch, als Sie sich uneingeschränkt zum Internet bekannten?
Es wäre interessant, Ihre Auslegung zum Thema PC-Flaute und behindertem Internet zu erfahren.
Mit freundliche Grüßen
Gustav Grewe