Mit einer Gewinnwarnung hat der Telekomausrüster und Chiphersteller Motorola Kursstürze bei Technologiewerten verursacht. Sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis werde das US-Unternehmen im ersten Quartal dieses Jahres seine bisherigen Ziele voraussichtlich nicht erreichen, teilte Motorola als einer der größten Handy-Bauer der Welt am Freitag in Schaumburg (US-Bundesstaat Illinois) mit. Sollten die Konjunkturabschwächung in den USA und die schlechte Lage im Technologiesektor anhalten, sei in den ersten drei Monaten sogar mit einem Verlust zu rechnen. Während die Motorola-Aktie um fünf Prozent einbrach, gerieten auch Titel wie Siemens, Infineon, Epcos und SAP unter Druck. Der Neue-Markt-Index NEMAX50 fiel unter die kritische 2000-Punkte-Marke. Auch an andren europäischen Börsen erlitten Technologiewerte starke Verluste.
Bei weiter schlechter Lage und bereits verzeichneten niedrigeren Auftragseingängen werde das Umsatzziel von 8,8 Milliarden Dollar (knapp 19 Milliarden Mark) in den ersten drei Monaten des Jahre nicht zu erreichen sein, hieß es in einer Mitteilung von Motorola. Dies gelte auch für den Mitte Januar in Aussicht gestellten Gewinn von 12 US-Cent pro Aktie. Motorola werde deshalb weiter versuchen, seine Kosten herunterzufahren. Das Unternehmen hatte bereits Anfang Februar angekündigt, 4000 Stellen in diesem Jahr in seiner Halbleiter-Sparte zu streichen.
Händler betonten, zwar hätten die Märkte nach zahlreichen revidierten Prognosen in der Branche auch bei Motorola vorsichtigere Zahlen erwartet. Dass die Ankündigung aber nur wenige Wochen nach weniger pessimistischen Vorhersagen des Unternehmens komme, lasse auf einen schweren Einbruch der Verkäufe im Januar schließen. Der Dow-Jones-Index aus 30 wichtigen Standardwerten verlor knapp ein Prozent auf 10.426,66 Punkte. Die US-Technologiebörse Nasdaq gab erneut fast zwei Prozent auf 2201,51 Punkte nach. Damit büßte der Index seit seinem Höchststand im März vergangenen Jahres bereits 56 Prozent seines Wertes ein.
In Deutschland verlor die Aktie des Elektronik- und Handykonzerns Siemens über sieben Prozent, der Chip-Produzent Infineon brach ebenso wie der Bauelemente-Hersteller Epcos mehr als vier Prozent ein. Der Software-Hersteller SAP verlor fast sieben Prozent. Der Deutsche Aktienindex DAX stand gegen 17.00 Uhr bei 6144,05 Punkten rund zwei Prozent im Minus.
Der Index für die 50 wichtigsten Technologiewerte am Neuen Markt notierte im elektronischen Xetra-Handel bei 1983,19 Punkten und damit fast fünf Prozent weniger als am Vortag. Analysten hatten im Vorfeld befürchtet, dass der Wert beim Durchbrechen der 2000er-Marke noch weiter nach unten gehen würde, weil viele Banken für diesen Fall automatische Verkaufsorders gesetzt hatten. Am Donnerstag hatte der NEMAX 50 bereits gut drei Prozent verloren und war auf 2082,81 Zähler abgesackt.
Roland Silberschmidt
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