Bei vielen Nutzern der T-Online-Flatrate sass der Schock tief, nachdem der Online-Dienst das Ende der Flatrate offiziell bekannt gegeben hatte. Doch während einige ihrer ohnmächtigen Wut gegenüber der Telekom und T-Online einfach nur in den diversen Foren und Newsgroups Ausdruck verliehen, oder andere einfach resignierten, entstand im Kopf eines jungen Mannes ganz spontan die Idee, eine Protestseite ins Leben zu rufen.
Der 19jährige Sebastian Lübcke entschloss sich quasi in einer Nacht- und
Nebel-Aktion die Seite Flatrate-Protest ins Leben zu rufen und eine
Unterschriftenliste zu starten. Anfangs war es eine reine Liste
für die Leute, die damit gegen die Einstellung der T-Online-Flatrate
protestieren wollten.
Doch schnell erkannte er, dass ein Protest gegen die Entscheidung
der Telekom und ihrer Tochter T-Online relativ sinnlos war. Immerhin
handelte es sich nach Angaben der Telekom hier um eine wirtschaftliche
Entscheidung. Diese Aussage wurde mittlerweile Lügen gestraft, denn die
Einstellung der Flatrate erfolgte auch aus strategischen Gründen.
(Onlinekosten berichtete)
Sebastian Lübcke, der mittlerweile 4 weitere Mitstreiter gewinnen konnte,
überdachte mit diesen zusammen das Konzept der Seite und man begann damit
die Protest-Seite zu verändern. Man bot jetzt zusätzlich Informationen über die
Internetkosten im Ausland an, die meist um ein vielfaches günstiger sind
als in Deutschland. Auch News von Print- und Online-Magazinen wurden
verlinkt und auf den Seiten vorgestellt, sowie Links zu anderen, ähnlichen Protestseiten aufgenommen. Schliesslich wurden noch ein Forum und ein Webchat
hinzugefügt, in denen die User sich austauschen konnten.
Onlinekosten beobachtete die Seite von Anbeginn an und brachte bereits
vergangene Woche einen ersten Bericht über die Initiative. Wir hatten nun
Gelegenheit, ein Interview mit Sebastian Lübcke, dem Gründer und Sprecher
von flatrate-protest.de zu führen, das wir Ihnen nachfolgend präsentieren
wollen.
ok.de: Vielleicht erzählen Sie unseren Lesern vorab einmal, wer Sie sind
und wie Sie sich kennengelernt haben.
Sebastian Lübcke: Wir sind eine rein private Initiative, und haben uns
erst nach dem eigentlichen Start der Liste kennenegelerrnt. Ursprünglich
hatte ich diese Liste alleine erstellt, bin aber dann mit den anfallenden Aufgaben nicht mehr fertig geworden. Da kamen mir die Anfragen von Tobias Glemser, Konstantin Seefeldt, Stefan Fey und Jan Jungnickel , ob ich Hilfe benötige, gerade recht!
ok.de: Herr Lübcke, was hat Sie dazu bewogen, Ihre Initiative zu starten?
Sebastian Lübcke: Zu dieser Aktion veranlasst hat mich der Umgang von
T-online mit seinen Kunden. Der Entschluß von T-Online, die Flatrate
einzustellen, ist für mich der endgültige Beleg dafür, daß es sich bei dem
79-Mark-Angebot aus dem vergangenen Jahr um ein Dumping-Angebot gehandelt
hat, mit dem alleinigen Ziel, Wettbewerber aus dem Markt zu verdrängen.
ok.de: Wofür genau steht nun Ihre Initiative?
Sebastian Lübcke: Wir wollen damit erreichen, dass es endlich
Pauschaltarife zu erschwinglichen Preisen für den Zugang zum Internet gibt.
Aus diesem Grund habe ich und die anderen die Seite gegründet und dafür
wollen wir kämpfen.
ok.de: Herr Lübcke, die Telekom und T-Online geben wirtschaftliche Gründe
für die Einstellung der Flatrate an. Es macht also keinen Sinn gegen eine
Einstellung zu protestieren. Wie sehen Sie das?
Sebastian Lübcke: Das die T-Online Flatrate endgültig abgeschafft wurde
ist uns natürlich klar, aber es kann nicht sein das der komplette Markt von
nur einer Firma beherrscht wird, die in ihrem Preisdenken so handelt dass es für
die Konkurenz unmöglich ist mitzuhalten. Als dann endlich die Konkurenz
beseitigt war konnte T-Online selbst den Tarif wieder einstellen.
ok.de: Ein Wort zur Regulierung in Deutschland?
Sebastian Lübcke: Es muss eine Regulierung geben die es den Providern auch
in Deutschland möglich macht einen Pauschaltarif anzubieten. Es kann nicht
sein dass wir solange unter dem Monopol der Telekom zu leiden haben. Schaut
man sich unsere europäischen Nachbarn an, so fangen diese an zu lachen wenn
man sagt, dass man über eine ISDN-Leitung online geht. Wenn man ihnen dann
noch versucht klarzumachen das man auch noch minutentakt-abhängige Kosten
hat...
ok.de: Was soll mit den gesammelten Emails geschehen? An wen wollen Sie
diese übergeben?
Sebastian Lübcke: Die Email-addressen werden wir an die RegTP, an die Regierung und natürlich auch an T-Online senden. Auch versuchen wir die Medien so weit es geht einzuschalten und auf dem laufenden zu halten. Es ist uns wichtig, dass die Öffentlichkeit ständig auf dem aktuellen Stand ist.
Daher haben wir unsere Seite auch von der reinen Unterschriftenliste zu
einer Info-Plattform erweitert, auf der wir unsere Besucher mit den neuesten
News und Berichten versorgen.
ok.de: Wie wird es weitergehen mit Ihrer Seite, was planen Sie als
nächstes?
Sebastian Lübcke: Unsere Webseite wird auch weiterhin immer auf dem laufenden gehalten werden und in dem Bereich Provider-Informationen ausgebaut werden.
ok.de: Es gibt mittlerweile mehrere Seiten, auf denen Unterschriften
gesammelt werden und die zum Protest aufrufen. Stehen Sie mit diesen in
Kontakt, oder planen Sie einen Zusammenschluss?
Sebastian Lübcke: Natürlich arbeiten wir auch mit anderen Seiten die ähnliche Aktionen ins Leben gerufen haben zusammen. Denn Konkurenz muss bei einer solchen Aktion wirklich nicht sein! Ich werde mit den Webmastern der anderen Listen in Kontakt treten und versuchen ihre Daten in unsere einzugliedern. Eine große Liste hat wohl mehr Aussagekraft als viele kleine.
ok.de: Was erwarten oder wünschen Sie sich von den verschiedenen Medien
wie TV, Zeitungen oder Online-Magazine?
Sebastian Lübcke: Wir stehen zur Zeit in Kontakt zu den verschiedensten
Medien. So will z. B. NBC-Giga einen Bericht über unser Projekt bringen. Die
Sequenzen werden wir auf unserer Seite zum download anbieten. Es ist uns
wichtig, möglichst viele Medien zu erreichen, damit mehr und mehr Leute
über unser Projekt informiert werden und wir die Zahl von momentan fast
50.000 Unterschriften noch steigern können.
ok.de: Eine letzte Frage: Wie finanzieren Sie ihr Projekt? Haben Sie
Sponsoren?
Sebastian Lübcke: Wir haben nur einen Sponsor, eine Firma ( greatnet.de )
hat sich freundlicherweise bereiterklärt uns die Domain flatrate-protest.de
zur Verfügung zu stellen. Ansonstern sind wir unsere eigenen Sponsoren. Ich stelle den Webspace für die Seite zur Verfügung, und muss glücklicherweise
sagen dass ich in meinem Tarif keine Traffic-Beschränkung habe.
Das Forum und den Chat hosten wir auch selbst, hierfür hat Jan Jungnickel
seinen Webserver geopfert. Die momentan entstehenden Kosten beschränken sich
also auf den Traffic durch das Forum und den Chat.
ok.de: Herr Lübcke wir danken Ihnen für dieses Interview und wünschen
Ihnen und Ihrer Initiative viel Erfolg. Onlinekosten.de wird auch weiterhin
über Ihre Initiative berichten und Sie nach Möglichkeit unterstützen.
Sebastian Lübcke: Ich danke Ihnen für Ihre Hilfe und dass Sie uns die
Möglichkeit gegeben haben auf unser Projekt aufmerksam zu machen.