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Dienstag, 20.02.2001 14:27

Flatrate-Protest: Ein Interview mit der Initiative

aus den Bereichen ISDN/Analog, Sonstiges

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Bei vielen Nutzern der T-Online-Flatrate sass der Schock tief, nachdem der Online-Dienst das Ende der Flatrate offiziell bekannt gegeben hatte. Doch während einige ihrer ohnmächtigen Wut gegenüber der Telekom und T-Online einfach nur in den diversen Foren und Newsgroups Ausdruck verliehen, oder andere einfach resignierten, entstand im Kopf eines jungen Mannes ganz spontan die Idee, eine Protestseite ins Leben zu rufen.

Der 19jährige Sebastian Lübcke entschloss sich quasi in einer Nacht- und Nebel-Aktion die Seite Flatrate-Protest ins Leben zu rufen und eine Unterschriftenliste zu starten. Anfangs war es eine reine Liste für die Leute, die damit gegen die Einstellung der T-Online-Flatrate protestieren wollten.

Doch schnell erkannte er, dass ein Protest gegen die Entscheidung der Telekom und ihrer Tochter T-Online relativ sinnlos war. Immerhin handelte es sich nach Angaben der Telekom hier um eine wirtschaftliche Entscheidung. Diese Aussage wurde mittlerweile Lügen gestraft, denn die Einstellung der Flatrate erfolgte auch aus strategischen Gründen. (Onlinekosten berichtete)

Sebastian Lübcke, der mittlerweile 4 weitere Mitstreiter gewinnen konnte, überdachte mit diesen zusammen das Konzept der Seite und man begann damit die Protest-Seite zu verändern. Man bot jetzt zusätzlich Informationen über die Internetkosten im Ausland an, die meist um ein vielfaches günstiger sind als in Deutschland. Auch News von Print- und Online-Magazinen wurden verlinkt und auf den Seiten vorgestellt, sowie Links zu anderen, ähnlichen Protestseiten aufgenommen. Schliesslich wurden noch ein Forum und ein Webchat hinzugefügt, in denen die User sich austauschen konnten.

Onlinekosten beobachtete die Seite von Anbeginn an und brachte bereits vergangene Woche einen ersten Bericht über die Initiative. Wir hatten nun Gelegenheit, ein Interview mit Sebastian Lübcke, dem Gründer und Sprecher von flatrate-protest.de zu führen, das wir Ihnen nachfolgend präsentieren wollen.

ok.de: Vielleicht erzählen Sie unseren Lesern vorab einmal, wer Sie sind und wie Sie sich kennengelernt haben.

Sebastian Lübcke: Wir sind eine rein private Initiative, und haben uns erst nach dem eigentlichen Start der Liste kennenegelerrnt. Ursprünglich hatte ich diese Liste alleine erstellt, bin aber dann mit den anfallenden Aufgaben nicht mehr fertig geworden. Da kamen mir die Anfragen von Tobias Glemser, Konstantin Seefeldt, Stefan Fey und Jan Jungnickel , ob ich Hilfe benötige, gerade recht!

ok.de: Herr Lübcke, was hat Sie dazu bewogen, Ihre Initiative zu starten?

Sebastian Lübcke: Zu dieser Aktion veranlasst hat mich der Umgang von T-online mit seinen Kunden. Der Entschluß von T-Online, die Flatrate einzustellen, ist für mich der endgültige Beleg dafür, daß es sich bei dem 79-Mark-Angebot aus dem vergangenen Jahr um ein Dumping-Angebot gehandelt hat, mit dem alleinigen Ziel, Wettbewerber aus dem Markt zu verdrängen.

ok.de: Wofür genau steht nun Ihre Initiative?

Sebastian Lübcke: Wir wollen damit erreichen, dass es endlich Pauschaltarife zu erschwinglichen Preisen für den Zugang zum Internet gibt. Aus diesem Grund habe ich und die anderen die Seite gegründet und dafür wollen wir kämpfen.

ok.de: Herr Lübcke, die Telekom und T-Online geben wirtschaftliche Gründe für die Einstellung der Flatrate an. Es macht also keinen Sinn gegen eine Einstellung zu protestieren. Wie sehen Sie das?

Sebastian Lübcke: Das die T-Online Flatrate endgültig abgeschafft wurde ist uns natürlich klar, aber es kann nicht sein das der komplette Markt von nur einer Firma beherrscht wird, die in ihrem Preisdenken so handelt dass es für die Konkurenz unmöglich ist mitzuhalten. Als dann endlich die Konkurenz beseitigt war konnte T-Online selbst den Tarif wieder einstellen.

ok.de: Ein Wort zur Regulierung in Deutschland?

Sebastian Lübcke: Es muss eine Regulierung geben die es den Providern auch in Deutschland möglich macht einen Pauschaltarif anzubieten. Es kann nicht sein dass wir solange unter dem Monopol der Telekom zu leiden haben. Schaut man sich unsere europäischen Nachbarn an, so fangen diese an zu lachen wenn man sagt, dass man über eine ISDN-Leitung online geht. Wenn man ihnen dann noch versucht klarzumachen das man auch noch minutentakt-abhängige Kosten hat...

ok.de: Was soll mit den gesammelten Emails geschehen? An wen wollen Sie diese übergeben?

Sebastian Lübcke: Die Email-addressen werden wir an die RegTP, an die Regierung und natürlich auch an T-Online senden. Auch versuchen wir die Medien so weit es geht einzuschalten und auf dem laufenden zu halten. Es ist uns wichtig, dass die Öffentlichkeit ständig auf dem aktuellen Stand ist.

Daher haben wir unsere Seite auch von der reinen Unterschriftenliste zu einer Info-Plattform erweitert, auf der wir unsere Besucher mit den neuesten News und Berichten versorgen.

ok.de: Wie wird es weitergehen mit Ihrer Seite, was planen Sie als nächstes?

Sebastian Lübcke: Unsere Webseite wird auch weiterhin immer auf dem laufenden gehalten werden und in dem Bereich Provider-Informationen ausgebaut werden.

ok.de: Es gibt mittlerweile mehrere Seiten, auf denen Unterschriften gesammelt werden und die zum Protest aufrufen. Stehen Sie mit diesen in Kontakt, oder planen Sie einen Zusammenschluss?

Sebastian Lübcke: Natürlich arbeiten wir auch mit anderen Seiten die ähnliche Aktionen ins Leben gerufen haben zusammen. Denn Konkurenz muss bei einer solchen Aktion wirklich nicht sein! Ich werde mit den Webmastern der anderen Listen in Kontakt treten und versuchen ihre Daten in unsere einzugliedern. Eine große Liste hat wohl mehr Aussagekraft als viele kleine.

ok.de: Was erwarten oder wünschen Sie sich von den verschiedenen Medien wie TV, Zeitungen oder Online-Magazine?

Sebastian Lübcke: Wir stehen zur Zeit in Kontakt zu den verschiedensten Medien. So will z. B. NBC-Giga einen Bericht über unser Projekt bringen. Die Sequenzen werden wir auf unserer Seite zum download anbieten. Es ist uns wichtig, möglichst viele Medien zu erreichen, damit mehr und mehr Leute über unser Projekt informiert werden und wir die Zahl von momentan fast 50.000 Unterschriften noch steigern können.

ok.de: Eine letzte Frage: Wie finanzieren Sie ihr Projekt? Haben Sie Sponsoren?

Sebastian Lübcke: Wir haben nur einen Sponsor, eine Firma ( greatnet.de ) hat sich freundlicherweise bereiterklärt uns die Domain flatrate-protest.de zur Verfügung zu stellen. Ansonstern sind wir unsere eigenen Sponsoren. Ich stelle den Webspace für die Seite zur Verfügung, und muss glücklicherweise sagen dass ich in meinem Tarif keine Traffic-Beschränkung habe.

Das Forum und den Chat hosten wir auch selbst, hierfür hat Jan Jungnickel seinen Webserver geopfert. Die momentan entstehenden Kosten beschränken sich also auf den Traffic durch das Forum und den Chat.

ok.de: Herr Lübcke wir danken Ihnen für dieses Interview und wünschen Ihnen und Ihrer Initiative viel Erfolg. Onlinekosten.de wird auch weiterhin über Ihre Initiative berichten und Sie nach Möglichkeit unterstützen.

Sebastian Lübcke: Ich danke Ihnen für Ihre Hilfe und dass Sie uns die Möglichkeit gegeben haben auf unser Projekt aufmerksam zu machen.

Roland Silberschmidt
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