Im langen Schatten des Marktführers steht auch Wer-kennt-wen (WKW), das sich wie die VZ-Netzwerke als Freundschaftsplattform für Privatnutzer sieht. Die Zahl der Seitenaufrufe hat sich in einem Jahr halbiert, im Dezember waren es nur noch 76 Millionen. 5,1 Millionen Nutzer waren laut der derzeit aktuellen AGOF-Statistik vom Oktober 2011 aktiv. Die Abwanderung vieler Nutzer zu Facebook sei nicht einfach zu verkraften, sagt eine Sprecherin der RTL-Tochter - immerhin sei man aber im Vergleich zu anderen deutschen Netzwerken relativ stabil.
WKW: Regionale Angebote im Fokus
WKW gilt als Netzwerk der Normalos, dessen Mitglieder im Schnitt älter und weniger online-affin sind als Facebook-Nutzer. Besonders beliebt ist es im Südwesten der Republik - die Gründer studierten in Koblenz. In dieser Nische möchte sich das Unternehmen festsetzen: "Wir wollen regionale und lokale Angebote rund um den Alltag bieten", sagt Sprecherin Kathleen Voigt - "verständlich und intuitiv" soll die Plattform vor allem sein. Als "Netzwerk der Landeier" verspöttelte es deswegen Olaf Kolbrück von der Marketing-Fachzeitschrift "Horizont".
Auch Xing setzt auf eine Nische, schon seit seiner Gründung im Jahr 2003: Das Netzwerk will, anders als Facebook, berufliche Kontakte vermitteln. Eine Konkurrenz durch den US-Riesen sieht das Unternehmen daher nicht - die droht eher schon von LinkedIn, das im Mai 2011 an die Börse ging und seit einigen Monaten den deutschen Markt ins Visier nimmt. Der Rückstand auf Xing ist allerdings noch gewaltig.
Xing bekommt Konkurrenz von LinkedIn
Die Reichweite von Xing sank laut IVW von 23 auf 20 Millionen Zugriffe im Dezember 2011. Allerdings seien in dieser Zahl nicht die Handynutzer eingeschlossen, erklärt Xing - mittlerweile erfolge jeder fünfte Aufruf von einem mobilen Gerät. So oder so ist das Geschäft profitabel: Das börsennotierte Unternehmen steigerte den Umsatz im dritten Quartal 2011 auf 16,6 Millionen Euro, den Nettogewinn auf 2,6 Millionen Euro. Das ist zwar weit weg von der Milliarden Dollar, die Facebook 2011 unterm Strich verdient hat, aber für Xing eine gute Zahl. Auch in der Nische lässt sich Geld verdienen.
Hayo Lücke
/ dpa