Computerhacker, Peepshow-Betreiber, Internet-Milliardär und Miteigentümer der renommierten Tageszeitung "Le Monde": Der 44 Jahre alte Franzose Xavier Niel hat innerhalb von zwei Jahrzehnten eine beispiellose Karriere hingelegt. Seinen vielleicht größten Coup startete er allerdings erst vor rund einem Monat: Mit der Tochtergesellschaft Free des von ihm kontrollierten Medienkonzern Iliad stürmt der "Selfmademan à l'americaine" den bislang behäbigen französischen Mobilfunkmarkt. Er hat nicht weniger versprochen, als die Handyrechnungen seiner Landsleute zu halbieren.
Preissenkungen kommen
Für die Branchenriesen Orange, SFR und Bouygues Telecom ist der aggressive Markteintritt des vierten Netzbetreibers eine mittlere Katastrophe. Die alteingesessenen Anbieter waren gezwungen, innerhalb weniger Tage ihre Preise anzupassen. Noch schwerer wiegt allerdings der Imageschaden. Viele Franzosen fragen sich, warum sie jahrelang so hohe Preise für die Handynutzung zahlen mussten. Knapp 80 Prozent der französischen Handynutzer haben laut einer Studie die Absicht, kurz- oder mittelfristig zu Free zu wechseln.
Das Hauptangebot umfasst für 19,99 Euro pro Monat eine Handy- und Festnetzflatrate, unbegrenzte Textnachrichten sowie drei Gigabyte für mobile Daten - ohne Vertragsbindung. Bei einem alternativen Tarif gibt es 60 Freiminuten und 60 SMS für zwei Euro monatlich. "Sie können Ihrem Anbieter eine Lektion erteilen und ihn verlassen oder ihn auffordern seine Tarife zu senken", sagte der laut "Forbes"-Magazin 3,7 Milliarden Dollar reiche Niel bei der Vorstellung seiner Tarife.
Deutlicher Kundenzuwachs
Dass die Free-Angebote eingeschlagen haben, gilt als sicher. Die tägliche Zahl der Anträge auf eine Rufnummer-Mitnahme verdreifachte sich in den vergangenen Wochen. Free nennt zwar bislang keine Zahlen, nach Schätzungen von Branchenexperten könnte das Unternehmen in den ersten vier Wochen aber weit über eine Million Kunden gewonnen haben. Das ist selbst auf dem zweitgrößten EU-Markt, wo der Branchenführer Orange bislang auf rund 27 Millionen Kunden kam, nicht wenig.