Google dominiert mit seinem Handy-Betriebssystem Android den Smartphone-Markt. Im Dezember verzeichnete der US-Konzern eine neue Bestmarke mit täglich rund 700.000 Aktivierungen von mobilen Android-Geräten. Doch der Erfolg hat seinen Preis. Das offene System zieht auch Entwickler von Malware an. Mitte Januar warnte der Sicherheitsspezialist Trend Micro vor einer fahrlässigen Android-Nutzung. "Google muss anfangen, einen besseren Job zu machen", forderte Trend Micro Technikchef Raimund Genes. Nun äußerte sich Google zum Thema Sicherheit bei Android. Im Google Mobile Blog offenbarte Google Manager Hiroshi Lockheimer, verantwortlich für die technische Entwicklung von Android, dass der Android Market bereits seit längerem auf Malware gecheckt werde.
"Bouncer" analysiert Android-Apps
Lockheimer wies darauf hin, dass die Zahl der Downloads im Android Market inzwischen die Marke von insgesamt 11 Milliarden erreicht habe. Die Zahl der Android-Aktivierungen habe im vergangenen Jahr um 250 Prozent zugelegt. Mit zunehmendem Wachstum der Plattform würde der Fokus neben neuen Features auch verstärkt auf mehr Sicherheit gelegt. Bereits seit dem vergangenen Jahr ist unter dem Codenamen "Bouncer" ein Dienst im Einsatz, der automatisch den Android Market auf potentiell gefährliche Software überprüft.
Analysiert werden neben neuen Apps auch die schon länger im Android Market verfügbaren Anwendungen. Zudem verhindere die Kontrolle neu angemeldeter Software-Entwickler, dass bekannte Anbieter bösartiger Anwendungen unter anderem Namen zurückkehren. Da die Überprüfung automatisch laufe, müssen Entwickler nicht auf die Freigabe ihrer App warten. Der Scan auf Viren, Spyware und Trojaner startet direkt nach dem Hochladen einer Anwendung auf den App-Marktplatz. Geprüft werde außerdem, ob eine mobile Anwendung eventuell Probleme verursachen könnte. Jede App werde derzeit zunächst in der Google Cloud getestet. Dort wird der Einsatz auf einem Android-Gerät simuliert, um eventuell vorhandene Malware zu entdecken.
Zahl der potentiell gefährlichen Downloads aus dem Android Market drastisch gesunken
Der Virenscan habe bislang erfolgreiche Arbeit geleistet. Zwischen der ersten und zweiten Hälfte des vergangenen Jahres sei die Zahl der potentiell gefährlichen Downloads aus dem Android Market um 40 Prozent zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum hätten aber Unternehmen, die Virenschutzsoftware verkaufen, vor einer Zunahme von manipulierten Anwendungen gewarnt. Google weist aber mit Nachdruck darauf hin, dass die Zahl der installierten infizierten Anwendungen aus dem Android Market signifikant zurückgegangen ist.
Android Apps werden aber auch auf anderen Plattformen von Drittanbietern zum Download angeboten. Das Betriebssystem sei von seiner Struktur laut Google jedoch gut gerüstet gegen Malware-Attacken. Android nutze beispielsweise die "Sandbox"-Technologie, die virtuelle Schutzwälle zwischen den Apps und anderer auf dem Smartphone errichtet. Selbst wenn eine manipulierte Anwendung heruntergeladen wurde, könne diese nicht auf die Daten auf anderen Teilen des Smartphones zugreifen.
Hilfreich sei auch das System der Berechtigungen. Vor der Installation einer Anwendungen werden die Zugriffsberechtigungen angezeigt, die eine App für den Betrieb erfordert. Verlangt ein Spiel beispielsweise unnötigerweise Zugriff auf den SMS-Versand, sollte eine solche App nicht installiert werden. Falls erforderlich könne Google auch direkt Malware von Smartphones entfernen. Der US-Konzern greift immer wieder zu diesem Mittel. Im vergangenen Dezember löschte Google 27 betrügerische Android-Apps.