Mark Zuckerberg hat eine Vision: Alle Menschen sollen immer und überall miteinander vernetzt sein - am besten über das von ihm gegründete Online-Netzwerk Facebook. Diese Vision lässt er seit dem Teenager-Alter nicht aus den Augen. Mit dem Börsengang von Facebook wird sie ihn innerhalb von acht Jahren von einem Außenseiter an der Elite-Uni Harvard zum Multi-Milliardär machen. In seinem Werdegang und Streben gleicht Zuckerberg damit zugleich vor allem einem: Microsoft-Gründer Bill Gates. Auch dieser schaffte es vom Nerd zum milliardenschweren Konzernchef, indem er seinerzeit mit dem Windows-Betriebssystem einen neuen Quasi-Standard etablierte.
Eigene Anteile für 28 Milliarden Dollar
Zuckerberg hält gut 28 Prozent an Facebook. Wird der Börsenwert wir erwartet bei 100 Milliarden Dollar angesetzt, ist der 27-Jährige auf einen Schlag über 28 Milliarden Dollar schwer. Milliardär hätte Zuckerberg allerdings schon lange werden können. Bereits 2006 bot der damalige Yahoo-Chef Terry Semel siegessicher eine Milliarde Dollar für das kleine Netzwerk mit nicht einmal zehn Millionen Nutzern. Zur großen Überraschung des einstigen Hollywood-Fuchses Semel lehnte Zuckerberg kühl ab, genauso wie bei späteren lukrativen Angeboten. Facebook ist sein Baby, sein Lebenswerk, das er nicht aus der Hand geben will, wie später immer wieder in Interviews durchschien.
Entsprechend wenig scharf war Zuckerberg auch auf einen Börsengang von Facebook. Geld hatte das Unternehmen dank des Interesses von Risikoinvestoren schon immer genug, inzwischen kommen auch Milliarden aus Online-Werbung rein, er selbst lebt betont bescheiden. Als börsennotiertes Unternehmen ist es hingegen zwingend notwendig, die Zahlen offenzulegen, die Gewinnerwartungen der Investoren zu erfüllen und den Aktienkurs zu pflegen. Daher wolle er so lange wie möglich unter dem Radar der Börsianer fliegen, betonte Zuckerberg. Letztlich ist es nur die schiere Größe von Facebook, die das Unternehmen an die Börse zwingt: Mit Erreichen der Schwelle von 500 Anteilseignern muss Facebook nach US-Börsenrecht ohnehin seine Geschäftszahlen offenlegen.
Kapuzenpullover und Studenten-Image
Zuckerberg sorgte aber dafür, dass er auch nach einem Börsengang das Sagen haben wird. Er hält Aktien der Klasse B, von denen jede zehn Stimmen hat - die Anleger bekommen dagegen Aktien mit nur einer Stimme. So könnte Zuckerberg auch mit einem geringen Anteil seine Firma fest im Griff behalten. Ausgerechnet im Börsenprospekt erklärte er den Anlegern, dass der Gewinn für Facebook nicht im Vordergrund stehe: "Wir entwickeln keine Dienste, um Geld zu machen; wir verdienen Geld, um bessere Dienste zu entwickeln."
Während sein einstiger Investor und Mentor Sean Parker in den frühen Facebook-Jahren mit heißen Partys auffiel, wirkt Zuckerberg mit seinen typischen Kapuzenpullis derweil noch heute wie der ewige Student. Sein Privatleben ist denkbar unspektakulär. Mit seiner Freundin Priscilla Chan ist er seit seiner Studienzeit zusammen, sein erstes eigenes Haus kaufte er sich erst im vergangenen Jahr. So unbeholfen Mark Zuckerberg bei seinen öffentlichen Auftritten wirken mag, so verbissen ist er, wenn es um seine Vision für das "soziale Internet" geht. Alle Lebenssituationen soll eine "Facebook"-Schicht durchdringen - diese Idee setzt er von Anfang an mit erstaunlichem Starrsinn durch. Mehr als einmal musste Facebook einen Schritt zurück machen, weil es den Nutzern zu schnell ging.