Samstag, 17.02.2001 17:22

Erste Protestaktionen gegen die Einstellung der T-Online-Flatrate laufen an

aus den Bereichen ISDN/Analog, Sonstiges

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Ein Bericht von Roland Silberschmidt

Noch immer haben sich die Gemüter der T-Online-Flatrate Nutzer nicht beruhigt. Auch 2 Tage nach dem Aus der Flatrate schlagen die Wellen hoch und hitzige Diskussionen sind an der Tagesordnung. Aber es regt sich auch bereits erster Widerstand. So wurde z. B. die Bewegung Flatrate-Protest ins Leben gerufen. Auf deren Seiten haben sich mittlerweile bereits über 34.000 Nutzer der Flatrate eingetragen, um für den Erhalt, bzw. gegen die Einstellung zu protestieren.

Noch ist das Ganze eher unkoordiniert, doch es existiert zumindest ein erster Ansatz. Die Problematik, die sich hier allerdings auftut, liegt darin, dass es wenig Sinn macht, gegen die Einstellung der T-Flat zu protestieren, da die Einstellung eine ökonomische Entscheidung eines Konzerns war. Sinnvoller wären hingegen Aufrufe für einen bundesweit erhältlichen, pauschalen Zugang zum Internet. Denn auch wenn die Telekom in ein bis zwei Jahren ca. 90 Prozent des Bundesgebietes mit DSL-Anschlüssen versorgen kann, so bleibt noch immer ein Rest von 10 Prozent ohne DSL-Möglichkeit übrig. Diese Gebiete werden wahrscheinlich niemals in den Genuss von DSL kommen, von den technischen Schwierigkeiten, die man im Osten Deutschlands wegen verlegter Glasfaserkabel hat, einmal ganz abgesehen.

Grundsätzlich ist die Entscheidung von T-Online, in Zukunft nur noch Stundenpakete anzubieten, zumindest betriebswirtschaftlich voll und ganz nachvollziehbar. Doch die Zukunft muss zeigen, ob die Telekom-Tochter hier nicht einen entscheidenden Denkfehler begeht. Denn die Leute, die bereits heute T-Online by Call nutzen, wollten niemals eine Flatrate und werden mittelfristig sehr wahrscheinlich auch keine solche nutzen. Für diese Wenignutzer rechnete sich ein Call by Call-Angebot allemal. Bestraft werden vielmehr die Nutzer, die nach jahrelang überhöhten Telefonrechnungen, nun die neue und in der Werbung suggerierte Freiheit des unbegrenzten Surfvergnügens nutzen wollten und wollen.

T-Online muss sich nämlich sicher auch den Vorwurf gefallen lassen, dass man mit Slogans wie: EINMAL IM MONAT 79,-DM BEZAHLEN UND "24" STUNDEN ONLINE SEIN, die User regelrecht dazu aufforderte, daueronline zu sein. Statt von vornherein eine übermäßige Nutzung auszuschließen, wurde nun die Flatrate einfach gekippt und den sogenannten "Poweruseren" einmal mehr die Schuld daran gegeben. Die Entscheidung über das Ende der Flat war allerdings schon vor Monaten gefallen.

Selbst Bild-Online hat bereits eine eigene Umfrage gestartet. Gefragt wird dort, ob die User das neue Angebot von T-Online besser als die Flatrate finden. Vernichtende 91 Prozent der Nutzer verneinen diese Frage, ein mehr als eindeutiges Votum.

Auch die Initiative Internet ohne Taktung hat reagiert. "Hunderttausende hatten sich für den Flatrate-Tarif entschieden. Wenn die Telekom-Tochter T-Online das Preismodell jetzt wieder einstellt, so zeigt dies, dass der Ex-Monopolist verbraucherfeindlich denkt wie eh und je ", so Philipp Sudholt, der Sprecher der Userinitative, die seit über einem Jahr eine günstige Internetpauschale fordert. Man kann also davon ausgehen, dass sich hier in Kürze ebenfalls etwas tun wird.

Und last but not least denkt man in Userkreisen offenbar über einen erneuten Internet-Streik nach. Eine Userinitiative will am 02. März die User veranlassen, für einen ganzen Tag das Internet nicht zu nutzen. Ein gut gemeintes, aber sicher eher hilfloses Unterfangen, da Einzelaktionen nur sehr wenig bewirken können.

Als Fazit bleibt nur zu sagen, daß sich zumindest etwas in Deutschland zu bewegen scheint. Es hat den Anschein, dass erstmalig eine breite Masse dazu bereit ist, an Aktionen, die für den Erhalt der Flatrate, bzw. für die Einführung einer Großhandels-Flatrate eintreten, teilzunehmen.

Onlinekosten.de wird Sie über die weitere Entwicklung der Aktionen auf dem laufenden halten.

Roland Silberschmidt
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