Die Kabelnetzbetreiber konnten im vergangenen Jahr rund 600.000 Breitband-Neukunden gewinnen. Der Marktanteil von Kabel Deutschland, Unitymedia und Co. liegt denoch erst bei rund 12 bis 13 Prozent. Trotzdem wurden bereits Rufe nach einer Regulierung der Kabelnetze laut - insbesondere seitens der Deutschen Telekom. Nach Ansicht von Iris Henseler-Unger, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, ist im Augenblick aber keine Regulierung erforderlich. Die Kabelanschlüsse gehören zwar zum Markt, sind aber nicht marktbeherrschend. "Ich will mich aber für die Zukunft nicht festlegen", sagte Henseler-Unger am Mittwoch bei der Euroforum Jahrestagung "Die Zukunft der Kabelnetze" in Köln.
Kabel als Motor des Breitbandausbaus
Es gebe in Deutschland inzwischen viele Ausbauinitiativen. Der hierzulande bislang erfolgte Glasfaserausbau bleibe aber hinter den Möglichkeiten zurück. Den Mitte 2011 rund 700.000 technisch verfügbaren Breitbandanschlüssen per Glasfaser (FTTH/B) stehen eine geringe Akzeptanzrate und tatsächliche Nutzung gegenüber. Die Kosten für eine flächendeckende Versorgung Deutschlands mit Glasfaser werden auf 70 bis 80 Milliarden Euro geschätzt. Für den einzelnen Anschluss liegen die Kosten zwischen 1.000 und 4.000 Euro.
Bundesnetzagentur-Vizepräsidentin Henseler-Unger sieht derzeit noch keinen Regulierungsbedarf beim Kabel. Bild: onlinekosten.de
Die Vertreterin der Bundesnetzagentur gab den Kabelnetzbetreibern zunächst "Zuckerbrot". Das Potential des Kabels dränge auch andere Anbieter zum Netzausbau. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg seien die dortigen Kabelprovider bereits weit mit dem Ausbau fortgeschritten. Die Liberty Gruppe sei gut unterwegs, Kabel Deutschland müsse noch einiges aufholen. Rund 63 Prozent der Haushalte (25 Millionen) können Breitbanddienste über Kabel nutzen, knapp 48 Prozent haben Zugang zu DOCSIS 3.0. In diesem Jahr soll die Zahl dieser Haushalte auf 56 Prozent steigen, das entspricht 22,5 Millionen.
Netzagentur für freiwillige Öffnung der Kabelnetze
Wenngleich die Netzagentur aufgrund der noch relativ geringen Marktmacht der Kabelnetzbetreiber bislang auf eine Regulierung in diesem Bereich verzichtet, könne es aber zukünftig eine regionale Regulierung geben. In manchen Regionen kommen Kabelnetzbetreiber auf über 50 Prozent Marktanteil. "Hier haben wir die Peitsche in der Hand, ob wir sie nutzen, weiß ich aber noch nicht" stellt die Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur fest. Die Frage nach einer Regulierung von regionalen Märkten müsse immer wieder neu gestellt werden.
Zugleich warb sie für eine freiwillige Öffnung der Kabelnetze. Das NGA-Forum hätte im vergangenen Jahr bereits ein Grundsatzdokument und eine Leistungsbeschreibung für ein Bitstromprodukt erarbeitet. In diesem Jahr werde auf ein Bitstromprodukt in Kabelnetzen hingearbeitet.