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Dienstag, 24.01.2012 16:46

Gerpott: Kabel-Internet wächst langsamer

aus dem Bereich Breitband

Licht- und Schattenseiten bei den Kabelnetzbetreibern: Professor Torsten J. Gerpott, Inhaber des Lehrstuhls Unternehmens- und Technologieplanung an der Universität Essen-Duisburg, zeichnete auf der Euroforum Jahrestagung "Die Zukunft der Kabelnetze" ein differenziertes Bild. Von Mitte 2010 bis Mitte 2011 verloren die großen deutschen Kabelnetzbetreiber weitere 1,2 Prozentpunkte in der Reichweite deutscher TV-Haushalte. Dagegen legte TV über Satellit und DSL zu.

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Pay-TV Geschäft bleibt schwierig

Zum Ende des vergangen Jahres waren laut Schätzung von Gerpott rund 72 Prozent der TV-Haushalte digitalisiert. Somit ist bis Ende April, wenn das analoge Satellitensignal abgeschaltet wird, noch ein gutes Stück zu gehen.

Die Kabelnetzbetreiber erzielten zwar Zuwächse bei Pay-TV, es gab aber kein Wachstum im Kerngeschäft. Und der Verkauf von Pay-TV-Abos bleibe schwierig. Wer beispielsweise die Fußball Bundesliga nicht bekomme, habe laut Gerpott einen schweren Stand. Zudem zerfasere der TV-Markt immer weiter, es gebe immer mehr Anbieter.

Wachstum bei Kabel-Internet verlangsamt sich


Professor Torsten J. Gerpott.
Bild: onlinekosten.de

Positiv entwickelt sich dagegen das Geschäft mit Internet und Telefon per Kabel. Im vergangenen Jahr haben die Kabelnetzbetreiber netto rund 600.000 Kunden für Breitband-Internet gewonnen. Allerdings sei solches Wachstum auch erforderlich, da die Kabelprovider erhebliche Investitionen für die Aufrüstung ihrer Netze aufgewendet haben. Dennoch lag der Anteil der Breitbandanschlüsse per Kabel am gesamten Breitbandmarkt in Deutschland Ende 2011 erst bei geschätzt 13,3 Prozent. Insgesamt gab es zum Ende des vergangenen Jahres hierzulande rund 27,4 Millionen Breitbandanschlüsse, davon 3,64 Millionen per Kabel. Die Wachstumsraten bei Kabel-Internet nehmen im Vergleich mit den Vorjahren jedoch ab. Daher seien laut Gerpott neue Angebotsideen gefragt, um die positive Entwicklung in diesem Bereich sicherzustellen.

Gegenüber den DSL-Providern hat das Kabel-Internet weiterhin einen deutlichen Vorteil bei hohen Bandbreiten. Während 37,2 Prozent der Kabel-Haushalte technisch über Bandbreiten von 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) und mehr verfügen, stehen solche Surfgeschwindigkeiten nur für 9,3 Prozent der Haushalte mit DSL- oder Glasfaseranschluss bereit. Bis 2014 könne die technische Verfügbarkeit von Internetzugängen mit hohen Bandbreiten laut Schätzung von Gerpott auf 60 bis 70 Prozent steigen.

Zugleich verweist er aber auf die nur geringe Bereitschaft der Kunden für mehr Bandbreite entsprechend mehr zu zahlen. Knapp 50 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage unter Privatkunden von GMX und Web.de waren bereit, für mehr Speed bis zu 5 Euro mehr im Monat zu zahlen. Mit der Kabelkonkurrenz durch Glasfaser per FTTH geht es nur schleppend voran. Die Telekom stattete im vergangenen Jahr rund 160.000 Haushalte in zehn Städten mit Glasfaser bis in die Wohnungen aus. In diesem Jahr liegt der weitere Ausbau in ähnlicher Höhe.

IPTV noch ausbaufähig - Preis entscheidet

Und auch bei den Triple-Play Paketen gibt es noch einiges zu tun. Selbst die Telekom, die ihr IPTV-Angebot Entertain bereits zur IFA 2005 gestartet hatte, kam im dritten Quartal des vergangenen Jahres erst auf rund 1,4 Millionen Kunden. Das entspricht 11 Prozent der Telekom-Breitbandkunden. Zum Vergleich: Die Schweizer Swisscom erreicht mit ihrem IPTV-Angebot einen Kundenanteil von 34 Prozent. Hier sei die Preispolitik ein wesentlicher Punkt. Entertain sei mit durchschnittlich knapp 45 Euro preislich recht hoch angesetzt und nicht massenmarkttauglich. Alice hatte zuletzt rund 100.000 IPTV-Kunden, zu Vodafone-TV liegen noch keine dauerhaften Kundenzahlen vor.

Jörg Schamberg
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