Der Rausschmiss von Alice-Werbestar Vanessa Hessler Ende Oktober war ein Paukenschlag. Telefónica Germany feuerte das Model, das seit 2005 das Gesicht der DSL-Marke Alice war. Aus Unternehmenssicht waren die Äußerungen Hesslers über ihren Ex-Freund Mutassim al-Gaddafi, dem Sohn des ehemaligen libyschen Diktators Gaddafi, unhaltbar. Telefónica Deutschland-Chef René Schuster gab im Interview mit "Welt Online" nun einen Ausblick auf die Zukunft von Alice und die Wachstumsstrategie seines Unternehmens auf dem deutschen Markt.
Alice wird Anfang 2012 mit o2 zusammengeführt
Schuster hat kein Verständnis für die Äußerungen des Models. "Dass sie ein Verhältnis zu al-Gaddafi hatte, ist zwar ihre Privatsache. Aber sie hätte einfach nie ein Wort zu dieser Thematik sagen dürfen", betont der Telefóncia Deutschland-Chef. Die Entscheidung sich von Hessler zu trennen sei nicht leicht gewesen, wurde aber einhellig innerhalb von 24 Stunden getroffen.
Schuster geht davon aus, dass die Marke Alice keinen Schaden genommen hat. Fest steht nun auch: Es wird kein neues Alice-Werbegesicht als Nachfolgerin von Hessler geben. Im ersten Quartal des kommenden Jahres werden die Alice-Produkte ohnehin mit der Marke o2 zusammengeführt.
Telefónica setzt auf mobiles Internet
Telefónica Germany-Chef René Schuster. Bild: Telefónica Germany
Beim Blick in die Zukunft von Telefónica rechnet Schuster mit einer Verschiebung der Marktverhältnisse durch starkes Wachstum beim mobilen Internet und dem Ausbau des eigenen LTE-Netzes. Über 90 Prozent aller von Telefónica Deutschland verkauften Handys sind internetfähige Smartphones. Die Zahl solcher Geräte auf dem deutschen Markt werde in den nächsten Monaten noch rasant steigen, da sie immer billiger würden. Der Umsatz mit mobilen Datendiensten lag bei Telefónica Germany im ersten Halbjahr um über 50 Prozent höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Als neue Wachstumsfelder will der Mobilfunknetzbetreiber künftig auch auf digitale Dienste beispielsweise für das Gesundheitssystem oder die Medien setzen. Schuster sieht den Print-Bereich in ein paar Jahren nur noch in einer Nische, den mobilen Inhalten gehöre die Zukunft. Bereits heute würden zwei Drittel der mobilen Internetnutzer aktuelle Nachrichten auf ihrem Smartphone lesen, jeder zweite schaut sich zudem Videos auf seinem Mobiltelefon an.
Der Telefónica-Chef ist sich sicher, dass sich mit Smartphones digitale Inhalte verkaufen lassen. "Man muss den Kunden tolle Apps bieten, und zwar für Apple wie für Android-Geräte und auch für Blackberrys, und man darf sie natürlich nicht umsonst anbieten. Dann wird auch dafür gezahlt", erläutert Schuster. Zusammen mit der Telekom und Vodafone hat Telefonica das mobile Bezahlsystem mpass eingeführt. Der Telefónica-Manager ist sich sicher, dass Mobiltelefone immer mehr eine Schlüsselfunktion im Alltag einnehmen werden. "Wir werden Smartphones generell als Zahlungsmittel und als Kreditkarte nutzen, wir werden damit unsere Wohnungstüren aufschließen, und das Handy wird uns erinnern, ob wir das Licht zu Hause angelassen oder wo wir unser Auto geparkt haben", prophezeit Schuster die mobile Zukunft.