Mittwoch, 26.10.2011 10:28

Wissenschaftler: Das "Telefon" wird verschwinden

aus den Bereichen Mobilfunk, Sonstiges, VoIP

Das Telefon wird seinen Namen nach Forschermeinung in absehbarer Zukunft verlieren. "Wir werden telefonieren und gleichzeitig nicht mehr wissen, was ein Telefon ist", sagte der Erfurter Kommunikationswissenschaftler Joachim Höflich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Es wird kein Gespür mehr für das Telefon geben, sondern ein Gespür für ein Gerät, das auch telefonieren kann. Dann verschwindet irgendwann das Medium Telefon aus unserem Bewusstsein."

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Wachsende Abhängigkeit

Gleichzeitig werde die Abhängigkeit von den neuen mobilen Geräten, die neben dem Telefonieren noch zahlreiche weitere Funktionen bieten, wachsen. "Wir nutzen sie für das Internet, als Tagebuch, Telefonverzeichnis, Wecker und Fotokamera. Aber damit sind sie nicht mehr mit dem Begriff Telefon zu bezeichnen."

Das Festnetz-Telefon wird nach Ansicht von Höflich in Zukunft nur noch eine sehr kleine Rolle spielen. "In einer individualisierten Gesellschaft, wo alle permanent unterwegs sind, ist ja kaum noch einer zu Hause und wartet auf ein Telefonat." In einigen Ländern - etwa Finnland - hätten schon bis zu einem Drittel der Haushalte kein Festnetz mehr, sondern nur noch Handys. "Man spricht mittlerweile schon vom "guten alten Telefon", fast mit einer gewissen Wehmut."

Ständige Erreichbarkeit hat nicht nur gute Seiten

Die Schwäche des Festnetz-Telefons sei aber schon immer gewesen, dass damit ein Ort und nicht der Mensch direkt angerufen wird. "Und an einem Ort ist es eben so, da kann der andere da sein, oder nicht", sagte Wissenschaftler Höflich. "Heute beim Handy wird ja jeder Anruf auch als unbeantworteter Anruf angezeigt - man hat gar nicht mehr die Chance, auszubüxen. Das Medium gewinnt dadurch an Aufdringlichkeit."

Allerdings hätten inzwischen viele Menschen verstanden, dass ständige Erreichbarkeit nicht nur gute Seiten habe. "Die Ungezügeltheit der ersten Handy-Jahre ist schon etwas zurückgegangen. Die Leute kapieren auch wieder, dass es gewisse Leerzeiten braucht, wo man einfach mal Luft schnappen kann."

Christian Wolf / dpa
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