Die britische Telefónica-Tochter o2 UK plant die Einführung eines neuen VoIP-Dienstes für Mobiltelefone mit der Bezeichnung "o2 Connect". Anders als etwa bei der Microsoft-Tochter Skype sollen damit selbst reguläre Inlandstelefonate zu herkömmlichen Anschlüssen im Festnetz- und Mobilbereich ohne Extrakosten geführt werden können. Einzige Voraussetzung ist eine WLAN-Verbindung. Ein Feldversuch mit ausgewählten Testern soll noch im Oktober anlaufen.
Testphase mit 1.000 Kunden
Federführend bei der Entwicklung von "o2 Connect" ist die unternehmenseigene Forschungsabteilung o2 Labs. Wie o2 Großbritannien gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte, werden dabei zunächst 1.000 ausgewählte Privat- und Geschäftskunden erste Erfahrungen mit dem neuen Angebot sammeln. Auch einige Besucher der derzeit in London stattfindenden Konferenz "Wired 2011" erhalten probeweise Zugriff. Die Versuchsteilnehmer sollen mögliche Schwachstellen aufdecken und an der Entwicklung zusätzlicher Features mitwirken.
Der offizielle Marktstart ist für das kommende Jahr vorgesehen. Zunächst kann die "o2 Connect"-App allerdings nur mit Smartphones genutzt werden, die über ein iOS- oder Android-Betriebssystem verfügen. Weitere Plattformen sollen erst nach und nach folgen; welche, ist bislang nicht bekannt. Der Dienst kann darüber hinaus ohne zusätzliche Log-in-Prozeduren verwendet werden und setzt für kostenlose Gespräche anders als etwa bei Skype nicht voraus, dass der Angerufene ebenfalls darüber angemeldet ist. Allerdings ist der VoIP-Service nicht als reiner Gratis-Dienst konzipiert. So soll es beispielsweise verschiedene Extra-Optionen geben, die nur gegen Aufpreis zur Verfügung stehen.
Sinkende Sprachumsätze zwingen zu neuen Konzepten
Analysten des Marktbeobachters Fitch Ratings vermuten hinter dem Schritt des Netzbetreibers den Versuch, den stetig sinkenden Margen im Telefongeschäft mit neuen Konzepten zu begegnen. Auf diese Weise könne o2 sich als Marke von der Konkurrenz abheben und neue Anteile gewinnen. Zwar würde durch Gratis-Telefonate die Abwärtsspirale bei den Sprachumsätzen im Mobilfunkbereich beschleunigt, jedoch sei dies aufgrund strengerer regulatorischer Vorgaben bei den Terminierungsentgelten ohnehin zu erwarten, so die Agentur. Einbußen ließen sich zudem über die in Großbritannien gängige Praxis abmildern, Telefonie-, SMS- und Datendienste für Postpaid-Kunden nur als Komplettpaket anzubieten, hieß es weiter.
Mit "Social Call" bietet o2 UK derweil bereits seit längerem eine VoIP-App an, die gebührenfreie Handygespräche mit Facebook-Kontakten ermöglicht. Auch T-Mobile USA hat gerade seinen VoIP-Dienst "Bobsled" um ähnliche Apps für Android und iOS mit gleicher Funktionalität erweitert. Einen Schritt weiter geht derweil die Browser-basierte Desktop-Variante von "Bobsled": diese erlaubt seit wenigen Tagen das Führen kostenloser Gespräche vom heimischen Computer zu sämtlichen Mobilfunk- und Telefonanschlüssen in den USA, Kanada und Puerto Rico. Das Ende der regulären Festnetzentgelte ist damit wohl zumindest in Nordamerika besiegelt.