Wie sieht das Fernsehen der Zukunft aus? Wird es weiterhin linearen TV-Konsum geben oder wachsen Internet und TV zusammen? Im Rahmen des ANGA Cable TV-Gipfels diskutierten in Köln unter anderem Vertreter von ZDF und RTL über Chancen und Risiken. Dabei erläuterten der öffentlich-rechtliche und der private Sender ihre Konzepte für eine stärkere Präsenz im Internet.
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Trend geht zu Spartenkanälen
Am vergangenen Samstag strahlte das ZDF die letzte reguläre "Wetten, dass…?"-Show mit Thomas Gottschalk aus. Haben solche Sendungen, die alt und jung vor den Bildschirm locken, noch eine Zukunft? Carl-Eugen Eberle, seit 21 Jahren Justitiar des ZDF, sieht das Ende der in die Jahre gekommenen Samstag-Abend Show noch nicht gekommen. Es werde aber künftig schwieriger für solche Generationen übergreifende Sendungen.
Dennoch gibt es laut Marc Schröder, Geschäftsführer von RTL Interactive, immer wieder sogenannte "Lagerfeuer-Events" wie beispielsweise aktuell die Hochzeit von Kate und William in Großbritannien, die für hohe Einschaltquoten sorgen. Zuschauer können Sendungen wie diese auch per RTL-App als Live-Stream verfolgen. "Der Trend geht in Richtung Spartenkanäle", betont Eberle. "Junge Leute suchen ihre Inhalte nicht bei uns, sondern anderswo." Mit den speziell auf einzelne Zielgruppen ausgerichteten Kanälen ZDFneo und ZDF-Kultur könne der Mainzer Sender seine inhaltliche Palette erweitern. "Man muss einsehen, dass es bestimmte Kanäle gibt, die alle ein bestimmtes Publikum haben", betont Eberle. Die Zuschauer würden über verschiedene Marken integriert.
ZDF definiert Auftrag zur Grundversorgung sehr breit
Das ZDF setzt weniger auf Generierung von Reichweiten, sondern hält an seinem Grundversorgungsauftrag fest. Der wird dann allerdings von dem öffentlich-rechtlichen Sender recht selbstbewusst definiert. "Wir wollen auf allen Plattformen unsere Programme anbieten" erklärt Eberle die Zielrichtung seines Senders. "Wir halten uns an das, was wir tun dürfen". Dabei richte sich das ZDF nach den Maßgaben des 3-Stufen-Tests. Die Sendungen der Mainzer sollen aber auch über Geräte wie das iPad sowie über zahlreiche neue ZDF-Apps für die Mediathek, heute.de oder Sport zu empfangen sein. Auch an der Entwicklung von HbbTV zeigt sich das Zweite Deutsche Fernsehen sehr interessiert. Geräte zum Anzeigen von Internetangeboten über den Bildschirm sollten allerdings über einen einheitlichen Standard verfügen.
Senkung der Rundfunkgebühren durch Einnahmen aus Online-Videothek?
Unter dem Projektnamen Germany's Gold planen ZDF und ARD aktuell die Gründung einer kommerziellen Online-Videothek. Die Archive der öffentlich-rechtlichen Sender sollen gehoben und vermarktet werden. Die GEZ-Gebühr würde nur die Ausstrahlung von Sendungen im klassischen TV sowie die zeitlich limitierte Bereitstellung von Programminhalten im Internet abdecken, heißt es seitens der Sender. Mit der geplanten Realisierung der Online-Videothek über die kommerziellen Töchter von ZDF und WDR könnten durch kostenpflichtige On-Demand-Angebote auch Einkünfte erzielt werden. Die Einnahmen teilen sich die beteiligten Sender mit den Produzenten. Der ZDF-Justitiar stellte eine Senkung der Rundfunkgebühren in Aussicht, wenn die Einnahmen entsprechend hoch ausfallen sollten.


