Anzeige:
Sonntag, 20.02.2011 09:01

Todesfalle Internet - Die Gefahr kann überall lauern

aus dem Bereich Sonstiges

Melanies Fall hatte bundesweit für Bestürzung gesorgt: Die 23 Jahre alte Floristin aus der Nähe von Peine suchte vergangenen Oktober in einem regionalen sozialen Netzwerk eine Freundin - und geriet an einen Mann, der sie grausam umbrachte. Am Montag beginnt vor dem Landgericht Hildesheim der Prozess gegen den 27 Jahre alten mutmaßlichen Mörder. Er soll sich unter dem Pseudonym "Sarah" mit Melanie im Internet angefreundet haben, um sie in seine Wohnung zu locken. Dort tötete er die junge Frau mit Messerstichen in Brust und Hals, als sie sich gegen eine Vergewaltigung wehrte.

Anzeige

Gezielte Opfersuche im Internet ist eher selten

Dass Mörder gezielt im Internet nach Opfern suchen, sei nach wie vor aber selten, sagt Rita Salgmann vom Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA) in Hannover. "In 85 Prozent der Tötungsdelikte kommt der Täter aus dem Umkreis des Opfers", betont die Leiterin der Zentralstellen Gewalt, Eigentum, Prävention und Jugendsachen. Nach ihrer Beobachtung sind allerdings die meisten Menschen viel zu sorglos mit dem, was sie im Internet von sich preisgeben - von genauen Angaben der Adresse bis zu peinlichen Fotos. "Die 20- bis 40-Jährigen sind naiver als Kinder, die in der Schule über die Gefahren des Internets aufgeklärt werden."

26 und 39 Jahre alt waren auch die Opfer des sogenannten Internet-Mörders, der 2009 in Essen zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Der Hamburger hatte über Chatrooms Kontakte zu mehr als 300 Frauen geknüpft. Im Juni 2008 ermordete er die 39-Jährige im nordrhein-westfälischen Marl, im Juni musste die 26 Jahre alte Berlinerin sterben, als sie sich mit ihrem Internetbekannten in Stade traf. Die genaue Todesursache ist unklar, weil die Leiche erst in stark verwestem Zustand gefunden wurde.

Nie die eigene Adresse verraten, für das erste Date immer einen öffentlichen Treffpunkt vereinbaren und eine Begleitperson mitnehmen: Das sind Grundregeln, mit denen sich Frauen vor Übergriffen schützen können. Vorab Hinweise auf im Internet angebahnte Verbrechen zu finden, sei dagegen nahezu unmöglich, sagt Frank Puschin, der die Zentralstelle Internetkriminalität im niedersächsischen LKA leitet. "Gespräche zwischen Täter und Opfer finden meist in separaten Räumen statt. Da kann keiner mitlesen."

Chaträume und soziale Netzwerk im Fokus diverser Ermittler

Der mutmaßliche Mörder von Melanie soll sich erst wenige Tage vorher unter dem Frauennamen "Sarah" in dem sozialen Netzwerk angemeldet haben. Wie später bekannt wurde, sei das Profil unter seinem richtigen Namen unauffällig gewesen, berichtet der Polizeihauptkommissar. "Da hieß es: ist interessiert an Frauen, sucht Freundschaft, Dating, auf der Suche nach Freundschaft." Gemeinsam mit sechs Kollegen geht Puschin für das LKA in der virtuellen Welt auf Streife, um Straftaten aufzuspüren. Es geht um Betrug, Beleidigung, Rechts- und Linksextremismus und häufig um Kinderpornografie.

"Chatrooms, wo Kinder sind, ziehen Pädophile an", betont der Internet-Experte. "Wenn man sich als Kind in solchen Chatrooms aufhält, wird man angesprochen." Auch um sich Kindern zu nähern, wenden Pädophile Tricks mit falschen Identitäten an. So geben sie sich beispielsweise erst als junges Mädchen aus, das einen tollen Model-Agenten kennengelernt hat. Dann versuchen sie, in der Rolle des Agenten Kontakt zu knüpfen. Einem kleinen Jungen wird ein Besuch in der Kabine von Bayern München versprochen. Viele Straftaten im Bereich der sexuellen Nötigung kommen laut Puschin nicht zur Anzeige. "Anzügliche Bemerkungen finden chattende Kinder fast normal."

Für den Polizeipsychologen Adolf Gallwitz liegt die Gefahr darin, dass sich die Benutzer daran gewöhnt haben, dass in sozialen Netzwerken gelogen wird. "Die Tendenz, sich dort unter falscher Identität zu tummeln, ist naheliegend - mit oder ohne kriminelle Absichten", sagt der Professor von der Polizeihochschule Villingen-Schwennigen. "Die falschen Accounts sind Teil der Spaßkultur." In den meisten Fällen ist die Täuschung im Internet ein Spiel. Für Melanie wurde sie zur Todesfalle.

Hayo Lücke / dpa
Kommentieren (Neuen Kommentar verfassen):
 reißerischer Titel (1 Beiträge) 
    Zuletzt kommentiert von Pharao am 21.02.2011 um 15:01 Uhr
Infoseiten zum Thema:
onlinekosten.de Community
 Suche

  News
Samstag, 31.01.2015
Bundesdatenschutzbeauftragte Voßhoff lehnt Vorratsspeicherung nun ab
Google Now zeigt jetzt Informationen aus Drittanbieter-Apps
Frequenzauktion: Bundesnetzagentur weicht Vergabekriterien auf
Media Markt und Saturn: Mit elektronischen Preisschildern gegen Amazon & Co?
Justizminister Maas fordert Korrektur der neuen Facebook-Regeln
"Spiegel": Cyberangriff auf Kanzleramt knapp drei Jahre unbemerkt
Freitag, 30.01.2015
Congstar senkt Preis für "Handytausch Option" auf 1 Euro pro Monat
DeutschlandSIM-Aktion: Allnet-Flat mit LTE für 12,95 Euro
Facebook ab sofort mit neuen Datenschutz-Regeln - Zweifel an Zulässigkeit
Vodafone startet neuen Prepaid-Tarif für 9,99 Euro
ADAC findet Sicherheitslücke in ConnectedDrive von BMW
Android-ROM: OnePlus kündigt OxygenOS an - Microsoft investiert in Cyanogen
"Zeit": BND speichert täglich 220 Millionen Telefondaten
Berliner Journalisten gründen Online-Fensehsender
Amazon begeistert Börse auch mit gesunkenem Gewinn
Weitere News
ADSL Anschluss
Ein DSL Anschluss ist der Standardzugang der meisten Internetprovider.
Ob 1&1, der Billiganbieter congstar oder früher auch QSC oder freenet: Alle setzen auf die ADSL Technik.
Dazu gibt's verschiedene Flatrates. Neben einer Internet Flatrate ist bei vielen Angeboten oft auch eine Festnetz Flatrate inklusive.
VDSL
Auf der Suche nach dem wahren Highspeed Internet mit DSL Flat?
Mit ihrem VDSL - Internetzugang kommt die Telekom-Tochter T-Home auf bis zu 50 Mbit/s.
Fernsehen im Internet gibt's im Entertain-Paket dazu. Auch Fußball in HD-Qualität über LIGA total und Filme per Video on Demand sind kein Problem.
© 1999-2015 onlinekosten.de GmbH :: Datenschutz :: Impressum :: Leistungsschutzrecht :: Presse :: Jobs