Mittwoch, 03.01.2001 16:40

Sonnet und die Flatrate, kommt sie oder kommt sie nicht?

aus den Bereichen ISDN/Analog, Sonstiges

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von Roland Silberschmidt und Carsten Deppermann

Nun ist sie endlich da, die Grosshandelsflatrate der Telekom. Doch bisher bleiben die im Vorfeld der Entscheidung angekündigten neuen Flatrate-Tarife der Provider aus. Stattdessen verlegt man sich erneut aufs Jammern. Die Preise, die man zahlen solle, seien zu hoch, tönt es von allen Seiten. U.a.auch vom Provider Sonnet/Versatel.

In einer Stellungnahme, die uns heute erreichte, begründet Sonnet seine Entscheidung, vorerst keine Flatrate herauszubringen. Ein Preis von 4.800 DM pro Monat sei viel zu hoch und werde zu Überbuchungen von Verbindungen führen, so ein Sprecher von Sonnet wörtlich. Dies würde wiederum zu massiver Unzufriedenheit der Kunden führen.

Es sei unvorstellbar, so der Sprecher, dass irgend ein anderer Provider an dem Angebot der Telekom Interesse haben könne, da für bundesweite Verfügbarkeit Zugänge zu den 1600 Vermittlungsstellen gelegt werden müssten. "Die damit verbundenen Investitionen dürften sich aber für die meisten bundesweiten Flatrate-Anbieter auch langfristig nicht auszahlen", so der Sprecher weiter.

Allerdings will man ab Februar 2001 allen Privat- und Geschäftskunden mit Direktanschluss einen unbeschränkten Internetzugang zum Pauschalpreis anbieten. Nähere Angaben über die Preise der sogenannten gebündelten Sprach- und Internet-Produkte "Versatel Power P@ck" bzw. "Business @ll in" wollte man aber noch nicht machen.

Kommentar
Mit dem Beitritt von Sonnet zur Initiative Initiative "Internet ohne Taktung" und der Ankündigung, die Flatrate "nach der Entscheidung der Regulierungsbehörde wieder zu starten", erstahlte die fast verglühte Sonne von Sonnet in einem neuen, aber wohl auch letzten Licht. Schon schienen viele Kunden geneigt, an ein Wunder zu glauben. Doch letztlich erwies sich dieses Leuchten nur als müder Abglanz einer früheren "Grösse", denen keine Taten folgten.

Doch anscheinend hat Sonnet/Versatel zumindest aus der Vergangenheit gelernt. Denn mit "Überbuchungen von Verbindungen" und "massiver Unzufriedenheit der Kunden" hatte man zu Zeiten der Sonnen-Flatrate schon öfter zu tun. Daher ist der Hinweis - der fast wie eine Entschuldigung klingt - zumindest eine faire Geste des Providers an die verärgerten und enttäuschten Kunden.

Wie blanker Hohn mutet jedoch die Ankündigung des Providers an, dass man in Zukunft nur Privat- und Geschäftskunden mit Direktanschluss das Privileg einer Flatrate gewähren werde. Diese Aussage ist mehr als enttäuschend und dürfte dafür sorgen, dass Sonnets Stern bei der breiten Masse der Kunden nun endgültig verlöscht. Einerseits ist die Reaktion der Firma zumindest unter dem Gesichtspunkt, hohe Investitionen tätigen zu müssen verständlich. Auf der anderen Seite verspielt sie damit die wohl einmalige Chance, die sich ihr und anderen geboten hätte.

Ob das Angebot der Telekom nun zu hoch ist oder nicht, zumindest hat sie es - wenn auch widerstrebend - vorgelegt. Nun ist es an den Providern, darauf zu reagieren. Im Fall Sonnet war dies wohl die letzte Reaktion. Man darf nun gespannt sein, wie AOL und andere reagieren. Ob sie auf die Telekom zugehen, oder weiterhin schmollend in der Ecke stehen und mit erhobenem Zeigefinger auf den ehemaligen Staatskonzern zeigen.

Roland Silberschmidt
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