Zum Jahresende ist erneut ein Neuer-Markt-Wert in Turbulenzen geraten. Die Aktie des Internethändlers LetsBuyIt.com sei bis auf weiteres vom Handel ausgesetzt, nachdem das Unternehmen einen Zahlungsaufschub für aufgelaufenen Schulden erklärt hatte, sagte eine Sprecherin der Deutschen Börse am Freitag in Frankfurt am Main. Die in den Niederlanden ansässige Holding des Unternehmens hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, sie werde einen "Antrag auf Durchführung eines vorläufigen Moratoriums nach niederländischem Recht" stellen. LetsBuyIt.com ist einer der Pioniere des so genannten Powershoppings. Dabei können sich mehrere Käufer zusammenschließen, um den Preis eines Produktes zu drücken.
Eine Sprecherin der deutschen Filiale von LetsBuyIt.com wollte sich zunächst nicht näher zu den Konsequenzen aus den jüngsten Entwicklungen äußern. Das Geschäftsmodell des Internethändlers war in Deutschland auf rechtliche Hindernisse gestoßen. Grund war das Rabattgesetz aus den 30-er Jahren. In mehreren Gerichtsentscheidungen war es LetsBuyIt.com ganz oder teilweise untersagt worden, den Preis seiner Waren nach dem Kriterium zu staffeln, wie viele Kunden das jeweilige Produkt bestellen. Zwar wird das Rabattgesetz nun voraussichtlich bis Mitte kommenden Jahres abgeschafft, bei der mit einer Ameise werbenden Firma sind aber deutliche Verluste aufgelaufen. Im vergangenen Monat hatte das Unternehmen mitgeteilt, es suche Investoren für einen Kredit in Höhe von 80 Millionen Euro (156,5 Millionen Mark), um die derzeit schwierige Phase zu überbrücken.
LetsBuyIt.com war im Juli an den Neuen Markt gegangen. Ein erster Anlauf des im Januar 1999 in Schweden gegründeten Unternehmens war im Frühjahr gescheitert. Derzeit unterhält das Unternehmen 14 nationale Websites. Erklärtes Ziel ist es "die größte Einkaufsgemeinschaft der Welt" zu werden. Die LetsBuyIt.com-Aktie verlor am Donnerstag erneut sechs Prozent und stand damit zuletzt bei nur noch 1,25 Euro (2,44 Mark). Der Ausgabekurs der Aktie hatte beim Börsengang im Juli 3,50 Euro (6,85 Mark) betragen. Höchststand waren 6,45 Euro (12,61 Mark) gewesen.
Tobias Capangil
/ afp