Es herrscht Hektik am Frankfurter Flughafen als Lufthansa am vergangenen Dienstag den offiziellen Startschuss für die Reaktivierung seines Internetzugangs an Bord von Langstrecken-Flugzeugen, das so genannte FlyNet, geben möchte. Ein unerwartet heftiger Wintereinbruch hat schon am Vortag zu zahlreichen Flugstreichungen und Verspätungen geführt. Die Folge: Menschenmassen knubbeln sich in den Terminals an den Schaltern sämtlicher Airlines. Jeder am Flughafen Rhein-Main gestrandete Passagier hofft, möglichst bald zum gewünschten Zielort abheben zu können. Das trifft auch auf all jene Lufthansa-Kunden zu, die an diesem Morgen mit Flug LH 400 nach New York starten wollen. Mit an Bord: einige ausgewählte Journalisten, die das FlyNet zur Premiere auf die Probe stellen möchten. Auch onlinekosten.de war mit an Bord des Airbus A330-300 "Witten" (D-AIKF), um sich ein Bild vom Highspeed-Internet in 10.600 Metern Höhe zu machen.
FlyNet startet problemlos
Zweifelsohne ist die Erwartung an den neuen Service, den Lufthansa seit dem 1. Dezember gemeinsam mit den Partnern Panasonic Avionics und der Deutschen Telekom auf ausgewählten Nordatlantik-Strecken anbietet, groß. Schon wenige Minuten nach dem Start des Großraumjets werden die ersten Smartphones gezückt, um bei aktiviertem Flug-Modus über die WLAN-Schnittstelle des Telefons Internetinhalte auf das Handydisplay zu zaubern. Und tatsächlich: das Lufthansa FlyNet legt einen störungsfreien Start hin und besteht nach Erreichen der Reiseflughöhe auch erste Belastungstests unter Verwendung von mehreren Note- und Netbooks. In der Spitze sind während des Fluges über den Atlantik rund 50 WLAN-fähige Endgeräte parallel online ohne dass es zu Ausfällen kommt. Lediglich die Stromversorgung der Steckdosen macht im letzten Drittel des Fluges unerwartet schlapp. Insgesamt wurden 7,7 Gigabyte an Daten übertragen - allein 6,6 Gigabyte wurden empfangen.
Die Antenne für die Kommunikation mit dem Satelliten sitzt auf dem Dach der FlyNet-tauglichen Maschinen. Bild: onlinekosten.de
Skype-Nutzung ist verboten - zumindest teilweise
Doch was lässt sich an Bord der ausgerüsteten Maschinen überhaupt konkret nutzen? Die Antwort auf diese Frage ist simpel: praktisch alles, was das Internet hergibt. Und doch gibt es die eine oder andere Ausnahme. Beispiel Skype: die Nutzung der Voice over IP-Software wird an Bord zwar geduldet, allerdings nur, solange die Chat-Funktion genutzt wird. Gleiches gilt für andere Instant Messenger wie ICQ. "Sprach-Verbindungen sind an Bord unserer Maschinen strikt verboten", sagt Lufthansas Leiter Produktmanagement und Innovationen, Christian Körfgen. "Wir wollen das Ruhebedürfnis unserer Passagiere respektieren und unsere Kabinenbesatzungen sind angewiesen, die Nutzung von Voice over IP an Bord umgehend zu untersagen." Deswegen wird es auch nicht möglich sein, mit Handys in FlyNet-tauglichen Lufthansa-Maschinen zu telefonieren, wenn im Frühjahr nächsten Jahres GSM-Funktionen zugeschaltet werden. Lediglich der Versand und Empfang von SMS und MMS und der mobile Datenaustausch – zum Beispiel über einen BlackBerry - ist dann möglich.
Freuen sich über den Restart des Lufthansa FlyNet: Martin Schlieker (Telekom, links), Paul Margis (Panasonic Avionics) und Christian Körfgen (Lufthansa). Bild: onlinekosten.de
YouTube-Nutzung ist kein Problem
Technisch keine Probleme macht der Abruf von Video- und Audio-Streams. Sie laufen in der Regel ohne große Aussetzer. Lediglich wenn zwischen den einzelnen Satelliten gewechselt wird, mit deren Hilfe das Internetsignal vom Flugzeug zur Erde und in die umgekehrte Richtung geschickt wird, kann es zu kurzen Aussetzern kommen. Auf einem Flug nach New York passiert eine solche Verbindungsübergabe, ein so genanntes Handover, je nach gewählter Flugroute bis zu vier Mal.
Weil sich zum Neustart des FlyNet alle Passagiere einen Downstream zwischen 5 und 10 Megabit pro Sekunde teilen müssen, kann es hier und da zu etwas längeren Ladezeiten beim virtuellen Surfen kommen. Auch der Upstream ist derzeit noch begrenzt. An Bord von Lufthansa-Maschinen auf maximal 500 Kilobit pro Sekunde. "Wir planen die Bandbreite Schritt für Schritt auf bis zu 50 Megabit pro Sekunde im Downstream zu steigern. Wann es soweit sein wird, hängt auch davon ab, wie schnell andere Airlines unseren Internet-Dienst nutzen werden", sagt Paul Margis, Chef von Panasonic Avionics.
Panasonic Avionics ist der neue Partner von Lufthansa, nachdem das FlyNet Ende 2006 nach drei Jahren Betrieb eingestellt werden musste. Der damalige Partner, Connexion by Boeing, konnte kein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln. Panasonic will es nun besser machen und zu diesem Zweck auch die von Boeing verbaute Technik in Lufthansa-Maschinen weiter nutzen. Das sei günstiger als überall komplett neue Hardware zu installieren, meint Margis. In allen Maschinen wurde aber die Modem-Technik ausgetauscht, um schnelle(re) Internet-Verbindungen anbieten zu können.