Die Handypreise könnten für Verbraucher im kommenden Jahr weiter sinken. Die Bundesnetzagentur hat am Dienstag Entwürfe zur Neu-Festlegung von Entgelten für die Durchleitung von Handy-Gesprächen durch fremde Netze vorgelegt. Im Vergleich mit den bisher gültigen Mobilfunkterminierungsentgelten, plant die Bonner Regulierungsbehörde eine Absenkung der Entgelte um rund 50 Prozent. Bislang lagen diese bei 6,59 Cent pro Minute (ct/min.) für die beiden D-Netze und 7,14 ct/min. für die beiden E-Netze.
Kurth: EU-Trend zu geringeren Entgelten
Die Entwürfe der Netzagentur sehen demnach für das Netz der Telekom eine Gebühr von 3,36 ct/min. vor. Für die Anrufzustellung in die Netze von Vodafone sowie E-Plus sollen jeweils 3,33 ct/min. anfallen. Ein Entgelt von 3,37 ct/min. ermittelte die Bundesnetzagentur für das Netz von Telefónica o2 Germany. Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur begründete die deutlich niedrigeren Entlohnungen mit der generellen Absenkung solcher Gebühren in den EU-Ländern und steigenden Verkehrsmengen in den Mobilfunknetzen – ein Trend, der sich auch bereits bei dem letzten Genehmigungsverfahren gezeigt hätte. "Diese für den Mobilfunk erfreuliche Entwicklung macht deutlich, dass mobile Sprach- und Datendienste erheblich stärker als bisher genutzt werden. Die von uns vorgeschlagene Reduzierung beruht ganz wesentlich auf dieser Entwicklung, die bei einer weitgehend stabilen Kostensituation und effizienten Netzen zu deutlich geringeren Minutenpreisen führt", so Kurth.
Zunächst nur vorläufige Entgeltregelung - umfangreiche Beratungen
Bis die vorgeschlagenen Preise in Kraft treten können, sind jedoch noch umfangreiche nationale und internationale Beratungen vorgesehen. Voraussichtlich am 8. Dezember werden die Entgeltvorschläge im Amtsblatt der Bundesnetzagentur veröffentlicht, im Anschluss können die Mobilfunknetzbetreiber bis zum 22. Dezember dieses Jahres Stellung nehmen. "Die vorgeschlagenen Entgelte ermöglichen auch in Zukunft Investitionen in moderne Infrastruktur. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass Entgeltentscheidungen nicht immer auf uneingeschränkte Akzeptanz aller Marktakteure stoßen. Dazu sind die Interessenlagen zu unterschiedlich. Gleichwohl sollten unsere Vorschläge von den Marktakteuren erst einmal gründlich geprüft und analysiert werden, bevor vorschnelle Festlegungen getroffen werden", so Kurth weiter.
Die Mobilfunkbetreiber hatten sich gegen eine Absenkung der Weiterleitungsgebühren gewandt. "Die Entscheidung der Bundesnetzagentur behindert die Breitbandstrategie der Bundesregierung, da dem Markt unnötig Investitionsmittel entzogen werden", sagte René Schuster, Chef der Telefónica o2 Germany. Kunden in ländlichen Gebieten hätten "bei einer vorausschauenderen Entscheidung zu den Mobilfunk-Terminierungsentgelten wesentlich schneller mit mobilem Breitband versorgt werden können".
Das Ergebnis der nationalen Beratungen wird im Januar 2011 erneut im Amtsblatt der Bundesnetzagentur veröffentlicht und im Anschluss der EU-Kommission und den nationalen Regulierungsbehörden der übrigen EU-Mitgliedsstaaten übermittelt. Europäische Stellungnahmen können dann innerhalb eines Monats erfolgen. Erst danach kann eine endgültige Entscheidung bekanntgegeben werden, die bis zum Ende des ersten Quartals 2011 erwartet wird. Die Durchleitungspreise gelten zunächst vorläufig vom 1. Dezember 2010 und sind bis zum 30. November 2012 befristet.