Vor der Einführung des neuen elektronischen Personalausweises gibt Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert Entwarnung. Er habe keine Befürchtungen mehr, dass das Dokument von Unbefugten ausgelesen werden kann, sagte er am Donnerstag im Deutschlandfunk.
"Im Großen und Ganzen positiv"
Es gebe natürlich Risiken, auf die der Chaos Computer Club hingewiesen habe, sagte Weichert. "Das ist mit einer guten Absicherung des eigenen Rechners aber einigermaßen in den Griff zu bekommen. Ich sehe den Ausweis im Großen und Ganzen eher positiv."
Wer künftig einen neuen "Perso" braucht, bekommt ihn mit integriertem Chip. Damit kann man die eigene Identität auch bei Online-Geschäften nachweisen - muss dies aber nicht. In welchem Umfang man den neuen Personalausweis nutzen will, bestimmt jeder selbst. So dient er nicht nur als Ausweis bei behördlichen Aufgaben, etwa bei der Polizei oder Grenzkontrolle. Optional kann er ebenfalls als Identitätsnachweis für Online-Geschäfte eingesetzt werden und ist für die elektronische Signatur verwendbar - um zum Beispiel digitale Dokumente rechtsverbindlich zu unterschreiben.
Sorgt unablässig für Diskussionen: der neue Personalausweis mit Chip. Bild: Bundesinnenministerium
Skepsis und Ablehnung bleibt
Große Teile der Bevölkerung sehen die neue Identitätskarte dennoch unverändert skeptisch. In einer aktuellen Umfrage des Branchenverbandes BITKOM stößt die Einführung bei 44 Prozent der Befragten auf Ablehnung. Viele Bürger beantragen daher vor dem Stichtag am 1. November noch den klassischen Ausweis ohne Chip.
Auch in der Fachwelt gehen die Meinungen weiterhin auseinander. Erst vor wenigen Tagen legten IT-Experten des Hasso-Plattner-Institutes eine Studie vor, die den Mehrwert des semidigitalen Dokumentes für den Verbraucher in Zweifel zieht. Demnach helfen die meisten Einsatzszenarien nur den Diensteanbietern, nicht aber den Ausweisinhabern. Ob dieses Urteil auch künftig Bestand haben wird, muss sich allerdings noch zeigen. Rund 300 Firmen und Behörden haben bereits angekündigt, die Möglichkeiten des "ePerso" nutzen zu wollen. Erfahrungsgemäß dürfte die allgemeine Akzeptanz mit einer wachsenden Zahl an entsprechenden Diensten in der Folgezeit ebenfalls steigen.
Christian Wolf
/ Mit Material der dpa