Mit einer deutschen SIM-Karte am spanischen Strand liegen und das Internet erkunden? Bloß nicht! Wer unliebsame Überraschungen auf der nächsten Handyrechnung vermeiden möchte, sollte es tunlichst vermeiden, das mobile Internet intensiv im Ausland zu nutzen. Hohe Roaming-Gebühren für Datenverbindungen machen den mobilen Surfspaß häufig zu einem sündhaft teuren Vergnügen. Die EU Kommission will daran etwas ändern. Ihr langfristiges Ziel ist es, aus den bisher 27 einzelnen Telekommunikationsmärkten der Europäischen Union einen einzelnen Markt zu machen. Dieses Vorhaben beinhaltet auch: bei Datenverbindungen in neuen Mobilfunk-Netzen sollen keine Roaming-Gebühren mehr anfallen. Das jedenfalls ließ EU-Kommissarin Neelie Kroes schon in der vergangenen Woche in einer Rede auf einem Telekommunikations-Kongress in Brüssel durchblicken.
Kein Daten-Roaming in LTE-Netzen?
Zwar ist es in der öffentlichen Wahrnehmung um die Roaming-Debatte ruhiger geworden, sie setze aber keineswegs aus, sagte Kroes. Vielmehr werde aktuell innerhalb der EU Kommission darüber diskutiert, Datenroaming innerhalb von neuen LTE-Netzen von Anfang an auszuschließen. So habe der belgische Minister Vincent Van Quickenborne in einem Gespräch mit Kroes angemerkt, dass das mobile Herunterladen von Internetinhalten im Ausland 30 mal teurer sei als auf dem eigenen Handy. "Ich denke, wir sind uns alle einig, dass derartige Preis-Beispiele nicht die realen Kosten zur Bereitstellung eines solchen Dienstes widerspiegeln", so Kroes.
Schon allein aus diesem Grund müsse innerhalb der EU ein einheitlicher Binnenmarkt für Telekommunikationsdienstleistungen her. "Ein echter digitaler Markt ist für mich ein Markt, auf dem ein wirksamer Wettbewerb gewährleistet, dass die EU-Bürger, Kunden und Unternehmen keine nennenswerten Unterschiede im Service oder bei den Kosten wahrnehmen, wenn sie die Grenzen ihres Landes überschreiten. Ein echter Binnenmarkt tritt dort zum Vorschein, wo sich die Preisunterschiede zwischen Sprach- und Datenverbindungen sowie SMS nur auf die tatsächlichen Kosten für die Bereitstellung dieser unterschiedlichen Dienstleistungen beziehen", führte Kroes weiter aus.
Kroes kämpft gegen Roaming-Wucher
Die Lücke zwischen Roaming-Preisen und den Konditionen im Heimatland will die Ministerin innerhalb der EU nach eigenen Angaben dem Wert Null annähern. Heißt konkret: Roaming-Gebühren sollen in der Praxis so gut wie verschwinden. "Je eher, desto besser", meint die EU-Kommissarin und ergänzt: "In einem echten Binnenmarkt sind signifikante Unterschiede zwischen Roaming-Gebühren und Heimat-Tarifen einfach nicht gerechtfertigt."
Hayo Lücke