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Montag, 20.09.2010 18:28

Rewe: Online-Verkauf von Lebensmitteln kommt 2011

aus dem Bereich Sonstiges

Nicht nur Käse, Obst oder Wein benötigen ihre Zeit, bevor sie wirklich genießbar sind. Auch die Idee, Nahrungsmittel über das Internet zu verkaufen, hat nun offenbar einen Reifegrad erreicht, der zunehmend dem Geschmack von etablierten Größen der Lebensmittel- und Versandhandelbranche entspricht. Zwar bietet etwa Kaiser's Tengelmann in Berlin und München bereits seit 1997 einen webbasierten Dienst. Andere Unternehmen sahen hingegen bislang wenig Erfolgschancen. So testete zum Beispiel der Versandkonzern Otto vor mehr als sieben Jahren den Verkauf von Lebensmitteln über das Internet, stellte sein Angebot jedoch nach kurzer Zeit wieder ein. Erklärte Hauptgründe damals: Kleine Margen, geringe Gewinne und ein unzureichendes Kundeninteresse. Ob derlei Probleme im heutigen Marktumfeld völlig verschwunden sind, darf bezweifelt werden. Dennoch findet nach den jüngsten Starts von Amazon und Tegut nun nicht nur Otto erneut Gefallen am Online-Verkauf von Ananas bis Zucker. Auch der Kölner Supermarktriese Rewe setzt auf den Fernabsatz und plant einen Einstieg in den Online-Handel, berichtet die "WirtschaftsWoche" (WiWo).

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"Wir starten im Winter 2011 in zwei, drei Städten"

"Wir werden von Winter 2011 an in zwei, drei großen deutschen Städten starten und zwei unterschiedliche Online-Konzepte testen", sagte Rewe-Chef Alain Caparros der "WiWo". Zwei Liefermodelle sind vorgesehen: Nutzer sollen einerseits die Möglichkeit erhalten, Waren im Internet vorzubestellen und können diese anschließend an der Filiale ihrer Wahl zu einem vereinbarten Zeitpunkt abholen. "Zum anderen werden wir unseren Kunden die Möglichkeit bieten, sich von Rewe beliefern zu lassen. Die Kunden werden dann ihren kompletten Einkauf bei uns online bestellen können", so Caparros.

Als wenig überzeugend klassifiziert der Rewe-Chef die aktuellen Angebote der Konkurrenz von Amazon und Co. "Wir haben ein paar Testkäufe bei einzelnen Wettbewerbern gemacht – es war abenteuerlich. Sie müssen eine halbe Woche vorher bestellen und wenn die Ware kommt, brauchen Sie allein für die vielen Verpackungen einen zusätzlichen Müllcontainer, ganz zu schweigen von den Versandkosten", kritisierte Caparros. Rewe werde hingegen selbst Tiefkühlkost bis an die Haustür bringen.

Rewe Screenshot
Rewe: Ab Winter 2011 will die Kölner Supermarktkette Lebensmittel auch online verkaufen. Screenshot: onlinekosten.de

Papaya per Post bleibt ein Nischen- und Verlustgeschäft

Hohe Umsätze erwartet der 54-Jährige dabei vorerst nicht. Zu Beginn würden beide Dienste nur einen sehr geringen Anteil zur Konzernbilanz beisteuern. "Aber für uns sind solche neuen Ansätze auch eine Art Versicherung für die Zukunft. Wir können es uns nicht leisten, wichtige Trends zu verschlafen", sagte Caparros. Ob sich der Online-Handel mit Lebensmitteln in Deutschland tatsächlich großflächig durchsetzen wird, ist jedoch fraglich. Brancheninsider sehen die Geschäftsaussichten durchaus kritisch: Bisher hat es hierzulande noch kein Unternehmen geschafft, dauerhaft schwarze Zahlen mit der Lieferung von Frischware zu schreiben.

Als unzureichend gilt zudem die Qualität der am Markt befindlichen Angebote. An Auswahl mangelt es zwar nicht. So verfügt etwa Amazon aktuell über ein Sortiment von mehr als 58.000 Artikeln. Verbraucherschützer zeigten sich darüber hinaus jedoch wenig angetan von der Offerte: hohe Versandkosten, lange Lieferzeiten, mangelnde Kennzeichnung des Bestandes und unverhältnismäßig hohe Preise gaben ihnen Anlass zu heftiger Kritik.

Christian Wolf
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