Stefan ist ratlos. Er, 26 Jahre alt, sportlich, gutaussehend, hat sein Studium erfolgreich abgeschlossen, inklusive Auslandsaufenthalt in Spanien. Doch mit einer Arbeitsstelle will es einfach nicht klappen. Schon wieder bekam er eine Absage. Ein Blick ins Internet macht nachdenklich: Fotos vom mehr feier- als lernlastigen Austauschsemester in Madrid, Kommentare in Online-Netzwerken. Das lässt die Befürchtung aufkommen: Die virtuelle Vergangenheit ist Grund für Stefans Misserfolge. Noch immer unterschätzen Bewerber die Macht ihrer Spuren im Netz. Der Informatiker Michael Backes glaubt jedoch, eine Lösung für das Problem gefunden zu haben.
Das Internet vergisst nicht
"Sieht ein Personaler auf Urlaubsbildern oder privaten Homepages, dass sich der Typ mit vielen Frauen umgibt oder sind unter seinen Freunden überwiegend Frauen, könnte man denken: Das ist ein Filou. Der sorgt für Liebeskummer unter den weiblichen Auszubildenden", beschreibt Thomas Rübel, Geschäftsführer der Karriereberatung Hesse/Schrader alltägliche Bedenken in Personalbüros. Wer über sein Privatleben keine Diskretion wahren könne, dem traue man dies auch im Beruf nicht unbedingt zu.
Schlechte Karten hat auch der, der Fotos und Beiträge bereits gelöscht zu haben glaubt: Das Internet vergisst nicht. Automatisch durchforsten Suchmaschinen wie Google oder Bing das Internet und registrieren alles, was der Nutzer öffentlich macht. Schon scherzte Google-Chef Eric Schmidt, Menschen sollten das Recht bekommen, bei Erwachsenwerden ihre Namen zu ändern, um ihre digitale Vergangenheit loszuwerden. Dass viele den Witz ernstnahmen, zeugt davon, wie akut das Thema ist.
Automatische Speicherung verhindern
Der Informatiker Michael Backes glaubt, eine Lösung für das Problem zu haben. "Man muss verhindern, dass Daten automatisch gespeichert werden", sagt Backes, Professor für Kryptographie und Computersicherheit an der Universität des Saarlandes, 32 Jahre alt. Auch Justizstaatssekretär Max Stadler forderte kürzlich eine derartige Verfallsfrist für Daten in Netzwerken.