Doch ob die kostenpflichtigen Apps auf Dauer ziehen, muss sich noch zeigen: Denn die Handyhersteller werben inzwischen massiv mit Gratis-Navigationsfunktionen. Branchenprimus Nokia hat sich vor drei Jahren den Softwareanbieter Navteq einverleibt und versucht mit der kostenlosen Dreingabe der Navigationssoftware Nokia Ovi Maps den schleppenden Verkauf seiner Smartphones anzukurbeln. Google bietet die Google Maps Navigation für sein Smartphone-Betriebssystem Android an. Auch die Zahl der Apps für Apples iPhone wächst beständig.
Navi-Hersteller: Software selbst auf Smartphones vermarkten
Die Unternehmen, die vom Geschäft mit Navigation leben, haben an Gratis- oder Billigangeboten selbstverständlich nur wenig Interesse. Erste Grabenkämpfe zeichnen sich bereits ab: Die Firma Skobbler trieb es mit günstigen Angeboten für iPhone-Nutzer soweit, dass Navigon mit einer einstweiligen Verfügung dagegen vorging. Der Hersteller von Navigationssoftware wollte seine teure Software selbst im App Store für das iPhone vertreiben. Die Unternehmen konnten sich schließlich außergerichtlich darauf einigen, dass Skobbler nur Off-Board-Lösungen anbietet.
Doch können Smartphones Navigationsgeräte tatsächlich ersetzen? Axel Kossel von der Computerzeitschrift "c't" kommt zu dem Schluss: "Smartphones sind mit der richtigen Software den Navigationsgeräten nicht nur ebenbürtig, sondern zum Teil sogar überlegen. Sie sind aber auch deutlich teurer, sogar im Vergleich mit einem Set aus Navi und einfacherem Handy." Außerdem bräuchten die Smartphones natürlich angemessen große Displays.
Analyst: Navigationsgerätehersteller müssen Dienste verbessern
Gartner-Analyst Koslowski sieht den Kampf für die Navigationsgerätehersteller noch nicht verloren. Allerdings müssten sie ihre Dienste verbessern: Die klassischen Navigationsgeräte müssten zum Beispiel noch stärker vernetzt werden, so dass sie aktuelle Verkehrs-Informationen austauschen können. Beim Design könnten die Gerätehersteller mit größeren Bildschirmen von 4,5 bis 5 Zoll punkten. Letztlich, so Koslowski, liege das Potenzial aber tatsächlich im Softwaregeschäft und Zusatzdiensten. "Die reinen Navigationsgerätehersteller müssen ein neues Verständnis von Navigation entwickeln. Es darf nicht mehr nur um den Weg von A nach B gehen, sondern sie müssen viel mehr Service entwickeln."
Jörg Schamberg
/ dpa