"Es ist absolut marktgerecht, dass man von einem Kunden für eine höhere Bandbreite einen höheren Preis verlangt", findet Christian Illek, Marketingchef der Deutschen Telekom. "Was wir mit dem Aufbrechen der Netzneutralität nicht erreichen sollten, ist, dass wir normale Standardkunden schlechter behandeln." Höhere Preise für Premium-Angebote findet Illek hingegen in Ordnung.
Vodafone verlangt mehr Geld für LTE-Tarife
Wie das aussehen könnte, macht der Mobilfunkanbieter Vodafone auf der IFA (bis 8. September) vor. Für Breitbandverbindungen über den neuen Mobilfunkstandard LTE (Long Term Evolution) sollen Kunden zwischen von 40 und 70 Euro zahlen - je nach dem wie schnell die Leitung ist. LTE soll künftig in Regionen, wo es noch kein DSL gibt, als regulärer Breitbandanschluss verkauft werden. Erste Verbindungen planen die Netzbetreiber in wenigen Gebieten bis Ende des Jahres.
Der Online-Riese Google und der amerikanische Telekom-Konzern Verizon wollen sogar noch weiter gehen. Erst vor kurzem schlugen sie in einer gemeinsamen Erklärung vor, dass Netzbetreiber den Verkehr in ihren Netzen je nach Anwendung mit verschiedenen Prioritäten behandeln sollen. Die künftigen intelligenten Netze machen es möglich, dass zum Beispiel Videos schneller durchgeleitet werden als E-Mails.
Verkehrsmanagement für den Mobilfunk
"Im Mobilfunk kommt der Frage des sinnvollen Verkehrsmanagement eine besondere Bedeutung zu, da die nutzbaren Frequenzen limitiert sind", betont Bitkom-Experte Breul. "Das heißt nicht, dass einzelne Inhalte gesperrt werden sollen." Bestimmte Anwendungen müssten mit einer höheren Priorität behandelt werden. Sonst müssten die Netzbetreiber gigantische Überkapazitäten aufbauen. "Das wäre so, als würden von vorne herein alle Autobahnen in Deutschland auf einen gleichzeitigen Start der Sommerferien in allen Bundesländern ausgelegt."
Den Vorwurf, die Meinungsfreiheit einzuschränken und das Internet kontrollieren zu wollen, weisen die Netzbetreiber hingegen von sich. "Wir sind als Netzbetreiber nicht dazu da, die Vielfalt des Internets einzuschränken", sagt Vodafone-Chef Fritz Joussen. "Das halte ich für einen Irrweg."