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Wer die "Trabant"-Homepage betreten will, muss zunächst einmal um Besuchserlaubnis bitten - ganz so, wie bei realen Gefängnisbesuchen auch. Der Besucher muss einen virtuellen Anmeldeantrag ausfüllen und erhält dann einen Bestätigungsstempel und eine Passierkarte. Erst dann stößt er zu dem Magazin vor. Neben jedem Artikel findet sich ein Feld mit der Aufschrift "Kommentar". Der Leser kann per Mausklick dem Autor seine Meinung mitteilen. David hofft, dass viele Leute "von draußen" die Texte lesen. Im Idealfall soll ein Gespräch zwischen "Innenwelt und Außenwelt" in Gang kommen. David, der das Projekt "Trabant" seit sechs Monaten mit vorbereitet hat, sitzt seit zwei Jahren ein und hat "noch einige Jahre vor sich".
"Die Gefangenen wollen nicht gänzlich aus der Welt sein, sie wollen ihr Leben von innen nach außen transportieren", sagt die Journalistin Petra Welzel, die das Online-Magazin redaktionell betreut. Die Artikel erzählen vom immer gleichen Gefängnisalltag, vom täglichen Leerlauf, von Suchtproblemen und gescheiterten Träumen, von der Sehnsucht nach Freiheit, nach der Welt "da draußen", nach menschlicher Nähe, nach "einer halben Stunde Seeligkeit", wie einer der Häftlinge formuliert. Die meisten Texte sind biographisch eingefärbt. Ungeschönte Lebensberichte mischen sich mit Knast-Poesie: "Für die Lügen zu schlau, fürs Leben zu dumm, soviele Fragen - und die Wände sind stumm", reimt einer der schweren Jungs.
Die Autoren trauen sich auch an Tabuthemen. Einblicke in die Welt hinter Gitter: Häftling Thomas R. erzählt vom Drogenkonsum in der JVA. Wer Drogen suche, habe keine Probleme, welche zu finden. Häftling Dittmar schreibt über "Sexualität im Knast". Eine Haftstrafe bedeute für die meisten Sträflinge auch "Sexentzug - eine Realität, die schwer zu leben ist. Die Männer trocknen aus, stumpfen ab und verrohen auf der Gefühlsebene."
Peter berichtet über seinen erfolgreichen Alkoholentzug in Tegel. Er sitzt, weil er im Vollrausch einen Menschen umgebracht hatte. Derzeit haben fast alle Artikel irgendwie mit Gefängnisleben und Strafvollzug zu tun. Häftling David möchte aber, dass die Gefangenen in "Trabant" später auch zu anderen Themen Stellung nehmen, über die die Welt draußen spricht, Themen wie Arbeitslosigkeit, Zusammenleben mit Ausländern.
Die "Trabant"-Autoren können sich das Ergebnis ihrer Arbeit nicht selbst im Internet ansehen. Aus Sicherheitsgründen ist ihnen der Zugang verwehrt, die Arbeit am Computer findet offline statt. Emails von den Lesern erhalten die Strafgefangenen nur ausgedruckt auf Papier. Trotzdem haben sich weit mehr Häftlinge für das "Trabant"-Projekt beworben, als es Plätze gab. Nur 20 konnten mitmachen.
Initiator Brus, der seit zwei Jahren bereits die Homepage "www.planet-tegel.de" der Tegeler Häftlinge betreut, hofft, dass sich aus "Trabant" noch mehr entwickelt als nur ein Online-Magazin. Er plant ein Ausbildungsprojekt, bei dem die Häftlinge einen "Computerführerschein" erwerben können und hinter Gittern eine Ausbildung in Informationstechnologie (IT) machen können. David würde sich freuen, wenn das bald klappt: "Bei den bisherigen Ausbildungsgängen herrscht so eine typische JVA-Mentalität, es werden nur Sachen wie Heizungsmonteur oder Maler angeboten. Dabei hat IT doch wirklich Zukunft."


