Das HbbTV-Projekt ist nicht der erste Versuch in Deutschland, auf breiter Basis digitale Mehrwertdienste für den Fernseher einzuführen. Vor zehn Jahren wurde der Standard Multimedia Home Platform (MHP) vorgestellt, der in den 90er Jahren in Deutschland entwickelt worden war. Inzwischen sind allerdings die meisten MHP-Projekte wieder eingestellt.
Schimanski gegen Apple und Google
Thomas Schierbaum vom Institut für Rundfunktechnik in München sieht mehrere Gründe, warum MHP sich nicht durchsetzen konnte. "Damals fehlten die Internet-Bandbreiten und die notwendige leistungsfähige Hardware." Außerdem habe eine langwierige Diskussion über Lizenzgebühren die Einführung gebremst.
Während MHP nicht vom Fleck kam, haben Telekommunikationsanbieter eigene Fernsehsysteme am Markt positioniert, die komplett über das Internet laufen. Marktführer ist hierzulande die Deutsche Telekom mit "Entertain", das 1,3 Millionen Kunden hat. Einen ähnlichen Ansatz verfolgen Wettbewerber wie Vodafone und United Internet. Außerdem drängen US-Giganten wie Google und Apple mit ihren Video-on-Demand- Lösungen auf den Markt. Aber weder Google noch Apple haben den "Tatort" und andere TV-Highlights aus Deutschland im Programm.
Das kommende Jahr wird zeigen, ob HbbTV sich auf breiter Front durchsetzen kann. Zwar unterstützen Fernsehhersteller wie LG, Sony und Philips den europäischen Standard. Allerdings sind auf der IFA noch kaum TV-Geräte zu sehen, die HbbTV direkt - ohne eine Set-Top- Box - unterstützen. Der Standard sei noch frisch, begründet zum Beispiel Toshiba-Sprecher Sascha Lange die Zurückhaltung seines Unternehmens.
Marcel Petritz
/ dpa