Die Internationale Funkausstellung in Berlin (IFA) nutzte Vodafone, um als erster deutscher Netzbetreiber Tarifmodelle für den neuen, schnellen Mobilfunkstandard LTE bekanntzugeben. Frank Rosenberger, Geschäftsführer des Privatkundengeschäftes von Vodafone Deutschland, präsentierte auf der IFA-Pressekonferenz des Düsseldorfer Netzbetreibers am Donnerstag zunächst die LTE-Zuhause-Tarife.
Drei Tarifstufen mit Inklusivvolumen
Künftige LTE-Kunden können zwischen drei Preismodellen wählen. Der LTE-Einstieg per Surf-Stick ist für monatlich 39,99 Euro möglich, die Bandbreite liegt hier bei bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Das entspricht der Surfgeschwindigkeit, die bereits heute über HSDPA realsiert werden kann. Rosenberger wies darauf hin, dass das neue Angebot dennoch über LTE verfügbar sein werde. Zu beachten ist, dass in diesem Tarif lediglich ein Datenvolumen von 10 Gigabyte inklusive ist. Fällt in einem Monat mehr Datentraffic an, drosselt der Provider die Bandbreite auf 384 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s).
Ein Inklusivvolumen von 15 Gigabyte und eine höhere Geschwindigkeit von bis zu 21,6 Mbit/s bietet Vodafone mit der zweiten Tarifvariante. Monatlich zahlen Kunden hierfür 49,99 Euro. Wer Wert auf Topspeed von bis zu 50 Mbit/s legt, bezahlt 69,99 Euro im Monat, 30 Gigabyte Highspeed-Datenvolumen sind inklusive. In LTE-Versuchen wurden bereits Geschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s erreicht, eine solche Bandbreite halten die Düsseldorfer aber derzeit nicht bereit. Vodafone Kunden mit einem bestehenden Mobilfunkvertrag zahlen für jeden der drei LTE-Tarife einen um jeweils 10 Euro monatlich reduzierten Preis.
Über 1.000 Gemeinden erhalten LTE bis zum Jahresende
Bis tatsächlich eine größere Anzahl Kunden per LTE im Netz unterwegs sein kann, wird es noch etwas dauern. Das Highspeed-Netz befindet sich erst im Ausbau, in Düsseldorf wurde die erste Station mit der neuen Technologie in Betrieb genommen. Doch der Ausbau soll jetzt mit schnellen Schritten vorangehen. Bis zum Ende des Jahres will Vodafone über 1.000 bisher unversorgte Gemeinden mit dem schnellen Internet versorgen. "Das zeigt, dass wir nicht warten, sondern richtig Gas geben", so Rosenberger. Bis Ende März des kommenden Jahres sollen 1.500 Standorte für die neue Mobilfunkgeneration fit gemacht werden. Die Reichweite der Standorte ist höher als bei der bisherigen Technik, daher lassen sich mehrere umliegende Gemeinde mit schnellem Internet versorgen.
"Weiße Flecken" sollen bis Ende 2011 verschwinden
Die sogenannten weißen Flecken, die noch nicht oder nur unzureichend mit Breitband versorgten ländlichen Gemeinden, sollen nach Angaben von Vodafone bis Ende 2011 von der Internet-Landkarte verschwunden sein. Auch die Konkurrenz verfolgt ähnliche Pläne. Interessenten erfahren schon jetzt unter der Vodafone-Infoseite www.turbo-internet.de alles Wissenswerte über die LTE-Technik. Dort können sie sich auch vormerken lassen, um über den Ausbaustart in ihrer Region benachrichtigt zu werden.
Eine wichtige Komponente fehlt derzeit aber noch: die erforderlichen Surf-Sticks. "Das ist tatsächlich die zweitspannendste Frage nach der Frage, wo kommt das Netz hin", sagte Rosenberger. "Ich bin zu 99 Prozent sicher, dass wir vor Weihnachten kommerzielle Sticks haben, die auf der Hardwareseite bis zu 100 Megabit je Sekunde bringen. Ich kämpfe dafür jeden Tag."
Telekom und o2 planen LTE-Markstart für 2011
Auch die Deutsche Telekom und o2 wollen bis Ende des Jahres erste Kunden in Versuchsreihen auf ihr LTE-Netz schalten. Den Marktstart planen die beiden Netzbetreiber für 2011. Tarife stellten die beiden Unternehmen noch nicht vor. Eine Telekom-Sprecherin sagte dazu auf Anfrage: "Das ist noch zu früh." Die Preise dürften sich aber an klassischen DSL-Anschlüssen orientieren. Eine erste LTE-Antenne nahm die Telekom Anfang der Woche in Kyritz (Brandenburg) in Betrieb. Der Konzern rechnet erst für Ende 2010 mit Geräten, mit denen man Computer über LTE ans Internet anschließen kann. Mobiltelefone, die den LTE-Standard unterstützen, werden erst für Ende 2011 auf dem Markt erwartet.