Dienstag, 31.08.2010 12:11

Bitstrom-Zugang - Vodafone verklagt die Telekom

aus dem Bereich Breitband

Die Geduld von Vodafone Deutschland-Chef Friedrich Joussen ist offenbar am Ende: "Die Deutsche Telekom behindert den Wettbewerb im Festnetz", sagte der Vodafone-Chef dem "Handelsblatt". Seit Monaten sorge die Telekom mit Problemen bei der Bereitstellung von Bitstrom-Zugängen für Verärgerung. Inzwischen hat der Düsseldorfer Mobilfunk- und Festnetzkonzern gegen den Bonner Konkurrenten und ehemaligen Monopolisten wegen des entgangenen Umsatzes eine Reihe von Verfahren vor Gericht sowie bei der für die Regulierung der Telekom zuständigen Bundesnetzagentur eingeleitet. Über die Höhe der Forderungen machte Joussen keine Angaben.

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Vodafone wirft Telekom Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung vor

Die Deutsche Telekom, die über das am weitesten verzweigte Netz in Deutschland verfügt, muss ihren Wettbewerbern sogenannte Vorleistungsprodukte anbieten. Für die letzten Meter über das Telekom-Netz zum Kunden und für die Nutzung der Technik zahlt die Konkurrenz monatlich jeweils 10,20 Euro 'Miete' pro Anschluss an den Bonner Konzern. Vodafone & Co. können somit auch in den Regionen DSL-Anschlüsse anbieten, wo sie selbst keine eigenen Leitungen besitzen. In einem Drittel des Bundesgebietes greift Vodafone auf das Telekom-Netz zurück. Doch der Telekom-Großkunde ist unzufrieden und wirft dem magentafarbenen Telekommunikationsriesen einen Missbrauch seiner marktbeherrschenden Stellung auf dem deutschen Festnetzmarkt vor. Rund 40.000 Interessenten, ein Drittel aller Vodafone-Kunden, die einen DSL-Anschluss auf Bitstrom-Basis bestellt hatten, seien (noch) nicht bedient worden.

In die gleiche Kerbe haut auch VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner: "Zahlreiche unserer Mitglieder sind stinksauer, weil die Telekom große Qualitätsprobleme mit ihrem System hat." Der Verband der Telekom-Wettbewerber moniert, dass mal ein Anschluss gar nicht freigeschaltet werde. Es komme auch vor, dass nur der DSL-Internetzugang, aber nicht der Telefonanschluss funktioniere. Und Grützner sieht System darin. "Dahinter steckt die Strategie, den Wettbewerb zu behindern", so die Überzeugung des VATM-Geschäftsführers.

Joussen: Wir zahlen der Telekom mehr als wir verdienen

Vodafone selbst befürchtet auch die Gefahr eines Imageschadens. "Das schadet auf Dauer unserer Marke", meint Joussen. Denn die Kunden könnten nicht wissen, wer letztlich für nicht funktionierende Internet- und Telefonanschlüsse verantwortlich sei. "Dabei haben wir festgestellt, dass manche Kunden später wundersamerweise bei der Telekom angeschaltet waren", so der Vodafone-Chef weiter. "Wir sind auf Infrastruktur der Telekom angewiesen, die aus Steuergeldern finanziert wurde und längst abgeschrieben ist. Das alte Staatsmonopol wirkt bis heute und verzerrt den Wettbewerb massiv. Wir zahlen der Telekom für unsere vier Millionen Festnetzkunden jährlich rund 500 Millionen Euro. Das ist weit mehr, als wir damit verdienen". Von 25 Euro im Monat für eine Doppel-Flat blieben nach Abzug der Mehrwertsteuer rund 20 Euro übrig. Davon erhält die Telekom 10,20 Euro monatlich, der Restbetrag fließt in Wartung und Verbesserung des Netzes sowie für Weiterleitung von Gesprächen in Mobilfunknetze. Das Düsseldorfer Unternehmen setzt daher verstärkt auch auf mobile Internetlösungen. "Wir bieten jetzt Alternativen an und haben bereits 50.000 DSL-Internetkunden über UMTS ans Netz angeschlossen", so der Vodafone Deutschland-Chef gegenüber dem "Handelsblatt". Außerdem will der Konzern auch zusätzlich zur Vermittlung von Internetzugängen neue Umsatzquellen erschließen. Der Provider präsentiert auf der in dieser Woche startenden Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin das neue Vodafone TV – IPTV für den Massenmarkt.

Telekom gibt Probleme zu - System sei aber inzwischen stabil

Die Telekom ihrerseits leugnet vorhandene Probleme nicht und zeigt sich gesprächsbereit. Die Einführung eines neuen IT-Systems hätte Anfang des Jahres zu Problemen bei den Bitstrom-Zugängen geführt. "Wir bedauern, dass unsere Wettbewerber und deren Kunden unter der Systemumstellung leiden mussten", so ein Telekom-Sprecher gegenüber dem "Handelsblatt". Besonders kritisch sei die Zeit zum Jahreswechsel gewesen. Inzwischen sei das Telekom-System aber stabil, derzeit würden sich noch 4.000 Kunden in der Warteschleife befinden. "Wir haben absolut kein Interesse daran, Großkunden zu verärgern oder zu behindern", heißt es aus Bonn weiter. Die Bundesnetzagentur forderte allerdings technische Verbesserungen bei der Telekom ein, da es beim Bitstrom-Zugang eine hohe Ablehnungsquote und nach wie vor Beschwerden gebe.

Jörg Schamberg
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    Zuletzt kommentiert von tjobbe am 01.09.2010 um 16:53 Uhr
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