Fernsehen über das Internet. Was bei der Telekom bereits 1,3 Millionen Kunden nutzen, wird bei Vodafone derzeit ausgesetzt. Zwar hatte die einstige Vodafone-Tochter Arcor zwischenzeitlich ein eigenes IPTV-Produkt an den Start gebracht, vor ziemlich genau einem Jahr die Neukundenvermarktung allerdings unterbrochen. Begründung damals: die technischen Produktgrundlagen sollten überarbeitet werden. Auf der nahenden IFA (3.-8. September in Berlin) wird Vodafone aber ein neues Internet-TV-Produkt vorstellen: Vodafone TV. Der Startschuss soll zum Weihnachtsgeschäft dieses Jahres erfolgen, sagte Vodafones Deutschland-Chef Fritz Joussen gegenüber der Tageszeitung "Die Welt".
DSL-Box als zentrales TV-Element
"Wir machen aus unserer DSL-Box ein zentrales Media-Gateway. Es geht bei Vodafone TV nicht um eine isolierte Set-Top-Box und Fernsehen, es geht um einen umfassenderen Ansatz für Unterhaltung und ein vernetztes Zuhause. […] Wir verbinden alle Unterhaltungsgeräte miteinander, die Sie zu Hause nutzen. Unser Angebot ist einfach und offen, kein geschlossenes System nur eines Herstellers", so Joussen. Das Produkt sei zentral in Deutschland entwickelt worden und soll auch in anderen Ländern, in denen Vodafone aktiv ist, an den Start gehen.
Wie viele Kunden Vodafone mit seinem TV-Angebot gewinnen will, wollte Joussen nicht verraten. Er ließ aber durchblicken, sich "nicht mit einigen Hunderttausend Nutzern zufrieden geben" zu wollen. Vodafone TV sei ein Produkt, das "für die breite Masse ausgelegt" ist. Kernelement soll sein, dass Nutzer das gewünschte TV-Programm dann sehen können, wann sie es wollen. Auch eine Unterbrechung des aktuellen Programms und eine spätere Fortsetzung sei möglich. Eine integrierte Videothek erlaube den Zugriff auf aktuelle Hollywood-Filme, verspricht der Vodafone-Manager.
Vodafone-Deutschland-Chef Fritz Joussen hat viel vor: IPTV und LTE sind nur zwei Projekte. Bild: Vodafone
Vodafone will keine exklusiven Bundesliga-Rechte
In einen Bieter-Wettstreit mit der Telekom um die Übertragungsrechte der Fußball Bundesliga will Vodafone sich offenbar nicht einlassen. Aufgrund der Tatsache, dass man eine offene Plattform entwickelt habe, sei es möglich Pay-TV-Programme wie jene von Sky an die eigenen Kunden weiterzureichen. Das reicht Vodafone offenbar; kein Interesse an einem Exklusivrecht.
Einen Ausblick gestattete Joussen auch auf den LTE-Ausbau im Vodafone-Netz. Bis Ende März kommenden Jahres soll es an 1.500 Standorten möglich sein, deutlich schneller als bisher über das Mobilfunk-Netz von Vodafone im Internet zu surfen. Huawei und Ericsson sind als Netzwerk-Ausrüster ausgewählt worden, um die Basisstationen entsprechend umzurüsten. Bis Herbst 2011 sollen weiße Flecken auf der deutschen Breitband-Landkarte nicht mehr zu finden sein, prognostiziert Joussen. "Das war die Verabredung bei der Bundeskanzlerin, dazu stehen wir bei Vodafone und dazu sollten wir als Industrie stehen." Und weiter: "In vielen Fällen wird das Internet auf dem Land schneller sein als in der Stadt", prognostiziert der Vodafone-Chef.