Die ersten beiden eigenen Handys Kin One und Kin Two gerieten für den erfolgsverwöhnten US-Softwareriesen Microsoft zum Desaster. Anfang Juli, nur anderthalb Monate nach dem Verkaufsstart, wurde die Produktion von Kin-Handys eingestellt. Zukünftig wolle sich das Unternehmen ganz auf die Entwicklung des für den Herbst erwarteten neuen Handy-Betriebssystems Windows Phone 7 konzentrieren. Doch die Microsoft-Entwicklungsabteilung hat offenbar noch weitere Eisen im Feuer.
Menlo: Ein weiteres Microsoft-Handy?
In einem von den Entwicklern online veröffentlichten Konzeptpapier "User Experiences with Activity-Based Navigation on Mobile Devices" (PDF) dreht es sich zwar vorrangig um ein neues Konzept für Navigation ohne GPS-Nutzung. Doch in dem Papier findet sich auch das Foto eines von Microsoft als Handy-Prototypen bezeichneten mobilen Gerätes namens Menlo. Tüftelt Microsoft also doch weiter an einem eigenen Handy? Die Bloggerin und Microsoft-Kennerin Mary Jo Foley hatte in ihrem Blog "All About Microsoft" auf das Konzeptpapier hingewiesen. In dem Microsoft-Bericht wird Menlo als Handy mit kapazitiven 4,1 Zoll Touchscreen mit einer Auflösung von 800x480 Pixeln beschrieben. Statt Windows Phone 7 kommt aber Windows Embedded CE 6.0 R2 zum Einsatz. Von Bosch hat Microsoft einen 3-Achsen-Beschleunigungssensor und ein digitales Barometer integriert.
Handy "Menlo" im Microsoft Konzeptpapier. Bild: Microsoft
Neues Betriebssystem statt Handy
Mit Hilfe dieser Komponenten soll es Handy-Nutzern künftig möglich sein, mit einer unter dem Code-Namen "Greenfield" geführten neuen Navigationsanwendung etwa das eigene Auto auf einem großen Parkplatz zu finden. Solche Apps sind bereits heute auf dem Markt, stützten sich aber auf eine GPS-Lokalisierung. Nach den Plänen von Microsoft könnte Greenfield, das auf der Silverlight-Software basiert, aber unter anderem auch innerhalb von Gebäuden navigieren.
Bloggerin Foley geht davon aus, dass Microsoft kein neues Smartphone entwickle, sondern stattdessen an einem neuen Handy-Betriebssystem arbeite und hier nun auch neue Navigationsmöglichkeiten teste. Zudem vermutet sie, dass ein solch neues Betriebssystem mit einer Vielzahl verschiedener Prozessoren zusammenarbeiten könnte. Microsoft selbst äußerte sich nicht zu den Spekulationen, es darf also munter weiter gerätselt werden.
Jörg Schamberg